Trügerische Sicherheit bei vielen Vorsorgestrategien
Arm dran im Alter

Alle reden drüber, aber kaum einer rechnet für sich präzise nach: Wer jetzt zwischen 30 und 50 ist, dürfte im Alter, in 20 Jahren, arm dran sein. Die meisten wollen es nur nicht wahrhaben.
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Jetzt so um die 60 Jahre alt sein. Kurz vor der Rente oder dank kommodem Vorruhestand wie die Made im Speck schon mittendrin. Versorgt von der gesetzlichen Rentenversicherung und dazu ein sattes Zubrot aus der betrieblichen Altersvorsorge. Die Zinsen aus der Geldanlage obenauf und das Ganze am besten im abbezahlten Häuschen genießen. Dabei die Füße hochlegen und bei einem Gläschen 1990er Château Palmer lautstark lamentieren, wie undankbar die Bundesregierung, ach was, die ganze Polit-Mischpoke mit den Rentnern umspringt. Hier verweigern sie ihnen ein mickriges Prozentpünktchen mehr Rente, dort fordern sie höhere Krankenkassenbeiträge. Kein Respekt nirgendwo für die Aufbauleistung einer ganzen Generation. Der Nachkriegsgeneration!

Muss das schön sein, auf so hohem Niveau jammern zu dürfen. Noch nie hat eine so gut versorgte Generation Deutscher in Ruhe so alt werden können. Völlig verdient, nur leider für ihre eigenen Kinder und Enkel unerreichbar. Und die werden gewiss nicht weniger arbeiten. Sondern in einer globalisierten Welt mehr, unter größerem Konkurrenzdruck und länger, denn die Rente mit 67 ist erst der Anfang. Und deshalb können die Jüngeren die Jeremiaden der Älteren auch zunehmend schwerer ertragen. Der Ton wird schärfer, an den wenigen Sonntagen am Sofatisch.

Aber die Jammerei der Jungen über die verwöhnten Alten ist Zeitverschwendung. Wir Jüngeren wissen längst, dass uns die staatliche Rentenversicherung im Alter kaum über Wasser halten kann. Und bekommen doch nicht den Hintern hoch, einmal genau nachzurechnen, auf wie viel Konsum und Spaß wir jetzt schon verzichten müssen, um mit 70 Jahren immer noch spaßig konsumieren oder unsere illegale, osteuropäische Pflegehilfe bezahlen zu können. Die deutsche können wir uns ja ohnehin nicht leisten.

Aber wir wollen es ja gar nicht so genau wissen. Ist doch noch immer gut gegangen. Nato-Nachrüstung, Waldsterben, Aids, Rentenlücke – sind wir bisher nicht überall mit einem blauen Auge davongekommen? Wir Jüngere sind Meister des Verdrängens. Ja, es wird weh tun: Guthaben morgen gleich Konsumverzicht heute. Und es gibt noch mehr bittere Pillen. Sie können natürlich auch abtauchen und hoffen, die Solidargemeinschaft fängt Sie im Alter schon irgendwie auf. Aber wie? Oder besser: Wer? Zu viele Alte für zu wenig Junge.

Sparen wir uns die bekannten Details zu den 45 Dienstjahren, die ein Modellrentner braucht, um eine überschaubare Rente zu bekommen – und die Jüngere dank Ausbildung, Familienzeit oder Arbeitslosigkeit kaum noch schaffen. Von der Sandwich-Generation, die Kinder und Eltern gleichzeitig versorgt, ganz zu schweigen. Sie haben eine Immobilie, und die wird Ihnen im Alter mietfreies Wohnen ermöglichen? Die ist dann steinalt, renovierungsbedürftig und vermutlich von gesetzlichen Öko-Auflagen überzogen. Und mit Ihrem Rollator kommen Sie die Treppe zum Schlafzimmer ohnehin nicht rauf.

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