Üppige Provisionen
Finanzaufsicht nimmt sich Versicherungsvermittler vor

Bis zu 18 Monatsbeiträge erhalten Makler als Provision für die Vermittlung einer privaten Krankenversicherung. Viel zu viel, sagt die Bafin. Und damit nicht genug: Sie wirft den Vermittlern vor, Versicherte aus Provisionsinteresse viel zu häufig in einen Kassenwechsel zu treiben. Eine Sonderprüfung soll nun aufdecken, wie verbreitet derartige Fehlentwicklungen sind.
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HB BERLIN. Auswüchse im erbitterten Kampf von privaten Krankenversicherern und Maklern um neue Kunden rufen die Versicherungsaufsicht auf den Plan. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kündigte am Donnerstag Sonderprüfungen an, um Fehlentwicklungen auf den Grund zu gehen.

Der BaFin stoßen zwei Dinge auf: Die Vermittlungsprovisionen seien in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, in Einzelfällen lägen sie in jüngster Zeit sogar noch weit über dem Durchschnitt. Zudem beobachten die Aufseher, dass Vermittler die Kunden oft kurz nach einem Vertragsabschluss mit einer privaten Versicherung schon wieder zu einem Wechsel in eine andere Kasse drängten - offenbar nur um Provisionen zu kassieren.

"Beides läuft den Interessen der Versichertengemeinschaft und der einzelnen Kunden zuwider. Diese müssten schließlich die Provisionen über die Versicherungsprämie finanzieren", rügen die Aufseher. Die Vermittler erhalten Branchenkennern zufolge bis zu 18 Monatsbeiträge als Provision - für einen Vertrag also höhere vierstellige Beträge. Einem Zeitungsbericht zufolge hatte sich der Verband der privaten Krankenversicherer selbst an die BaFin gewandt, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Zu den größten deutschen Privatkassen gehören die Debeka, die DKV und die Allianz.

Indirekt fordert die BaFin die Krankenversicherer auf, sich von unseriösen Vertretern zu trennen. Die Manager würden ihrer "Verantwortung nicht gerecht, wenn sie mit Vermittlern und Maklern zusammenarbeiten, die offensichtlich aus Profitstreben die Qualität der Beratung vernachlässigen", heißt es in der Mitteilung.

Solche Praktiken seien auch Sache des Risikomanagements: Um das "Versicherungs-Hopping" von einem Anbieter zum nächsten - um Branchenjargon "Umdeckung" - für die Makler weniger attraktiv zu machen, müssten die Versicherer bei frühzeitigen Stornierungen einen Großteil der gezahlten Provisionen wieder zurückfordern. "Damit soll Vermittlern der Anreiz genommen werden, nur im eigenen finanziellen Interesse einem Kunden zu empfehlen, zu einem anderen Versicherer zu wechseln."

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  • Da liegen Sie aber völlig falsch. Der Kunde bezahlt nicht nur den Vermittler und ein Unternehmen hat mehr als einen Mitarbeiter, da hat der Vorautor völlig recht. 14 Mb an einen Vermittler oder gar Ausschließlichkeitsvertreter, das kann mir keiner weismachen. in jedem anderen Wirtschaftunternehmen läuft das genauso und der Pförtner verdient nie mehr als der Geschäftsführer oder Aufsichtsrat. Egal, ob Sie ein Auto, eine Drehbank oder eine Versicherung verkaufen, überall ist quasi ein Arbeitslohn eingepreist, der sich über alle Mitarbeiter, vom Geschäftsführer bis zum Pförtner, allerdings nicht gleichmäßig verteilt, also nicht nur beim Pförtner ankommt. Auch bei der umstrittnene Pleitefirma MEG oder einem Strukturvertrieb kam oder kommt doch nicht die gesamte Provision beim Endvermittler an.Jeder hat ein Recht auf ein Einkommen und jeder hat das Recht auf menschenwürdige Existenz. Das muss einen fairen Umgang mit seinem Kunden nicht ausschließen, viele Vermittler leisten unter widrigen Umständen gute Arbeit, und etwas anderes muss erst einmal bewiesen werden. Das unternehmerische Riskio darf man ja auch tragen und die ständige Angst um die nackte Existenz. Auch muss kein Arbeitnehmer bis zu fünf Jahre sein Gehalt zurückzahlen, wenn irgendetwas schiefgeht. Und selbst ein Arbeitsloser hat bezüge, ein Selbständiger, wenn es schief geht, nicht. Aber der kann ja verrecken!

  • Da liegt nun mal das Problem der deutschen Politik und des deutschen Journalismus. Pauschale Vorverurteilungen und diffamierende Hetze sind nun einmal leichter an den Mann bzw. die Frau zu bringen, als sich mit dem Problem tiefgründig und ergebnisorientiert zu beschäftigen. Und mit dem Versicherungsvermittler polemisch "den Fußboden aufzuwischen" ist doch bei dieser ganzen Diskussion sowieso Zweck der Sache. Der ist ja an allem Schuld, selbst wenn ein Versicherungsvorstand mit dem Geld seiner Kunden und den "goldenen Löffeln" durchbrennen würde, wäre nur der Vertrieb mit seinen Vertreter daran schuld. Wie auch bei jeder unternehmerischen Fehlentscheidung. Wie schön das man so einen Popanz hat, an dem man sich abreagieren kann. Versicherungsvermittler sind eh unbeliebt, also drängen wir sie an den Rand der Gesellschaft. Es drängt sich da auch der Vergleich mit diversen Amokläufen Jugendlicher auf. Da war ja das selbe Verhaltensmuster zu erkennen. Es gab primär nur einen Schuldigen, die "Killerspiele". Sich mit anderen Motiven und Hintergründen zu beschäftigen, hat Politiker und Journalisten auch da schon überfordert. Oder wollte man es nicht? Es würde in beiden Fällen wahrscheinlich unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht bringen und alle beteiligten zwingen, sich wirklich Gedanken zu machen. Und dann sich wundern und lamentieren, wenn es wieder "bumm" macht. Nun noch eine Anmerkung, die mir aus eigener Erfahrung auf den Herzen liegt. Versicherungsvermittler sind ja auf Provisionen angewiesen, um wirtschaftlich zu überleben. Sie sind hauptsächlich selbständig und wenn sie ihre Arbeit verlieren, haben sie k e i n en, ich wiederhole k e i n e n Anspruch z. b. auf Arbeitslosengeld und Rücklagen, sofern vorhanden, reichen nicht ewig und einen neuen Job zu finden, z. b. brachenfremd, unter dem Druck des drohenden wirtschaftlichen und sozialen Abstiegs, na ja! Das ist eine dieser unangenehmen Wahrheiten, aber die will ja keiner, vor allem kein Journalist, hören. Feindbilder und Vorurteile zu pflegen ist auch so viel einfacher und angenehmer, der Mensch dahinter zählt nichts! Armes Deutschland!

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