Umfrage
Nur 13 Prozent der Deutschen kennen Aktienfonds

Es gibt nur wenige Haushalte, die bei ihren Anlageentscheidungen auf fundiertes Finanzwissen zurückgreifen können. Lediglich 13 Prozent der Deutschen wissen laut einer Umfrage der Vermögensverwaltungsfirma Euroswitch, was Aktien- und Rentenfonds sind. Vor allem die Furcht vor unüberschaubaren Risiken hemmt die Anleger.

ina FRANKFURT. Basis der dem Handelsblatt vorliegenden Untersuchung ist eine Telefonumfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für Euroswitch unter 1 000 Deutschen, die im August durchgeführt wurde. Fast jeder Zweite kann mit dem Begriff Investmentfonds demnach überhaupt nichts anfangen. Die verbreitete Unwissenheit ist nach Meinung von Euroswitch-Geschäftsführer Helmut Kapferer auch der Grund dafür, dass Anlageform Nummer eins immer noch das Sparbuch ist – trotz Mini-Zinsen und einer fast fünfjährigen Aktienhausse. „Die Anleger sind extrem verunsichert, und die Unsicherheit kommt aus der Unwissenheit – hier liegt das Grundübel“, sagt Kapferer.

Vor allem die Furcht vor unüberschaubaren Risiken hemmt die Anleger. Zwei von drei Deutschen halten Aktienfonds für sehr riskant. Zwar geben nur drei Prozent der Befragten den Besitz von Zertifikaten an. Doch hält eine Reihe von Experten diese Quote für zu gering. Ihrer Meinung nach wissen viele der Anleger einfach nicht, dass sie Zertifikate besitzen. Derzeit haben die Deutschen rund 240 Mrd. Euro in Aktienfonds investiert, schätzungsweise 140 Mrd. Euro in die häufig auf Aktien bezogenen Zertifikate.

Der Umfrage zufolge informieren sich fast drei Viertel der Deutschen in Geldfragen zuerst bei ihrer Bank und legen dabei Wert auf kompetente Beratung. „Die häufige Unwissenheit wird jedoch durch die oft schlechte Beratung nicht behoben“, sagt Kapferer.

Mit zunehmendem Einkommen steigt die Risikobereitschaft und das Interesse an Investmentfonds. Knapp 60 Prozent der einkommensstarken Haushalte legen in Fonds an, während jeder fünfte Haushalt mit geringem Einkommen gar keine Geldanlagen besitzt. Bei steigendem Einkommen steigt auch das Wissen über die Finanzmärkte.

Experten zufolge dürfte sich der Kenntnisstand über grundlegende Zusammenhänge bei Finanzfragen auch durch die neuen Offenlegungs- und Informationspflichten der EU-Finanzmarktdirektive Mifid kaum verbessern. „Ich glaube im Gegenteil, dass mehr Fakten Unwissende zusätzlich verwirren und auch zu Fehlinterpretationen verleiten“, sagt Kapferer.

Missverständnisse können auftreten, wenn einige Vermögensformen kostentransparenter werden, andere nicht. Geschlossene Fonds etwa sind nicht in Mifid einbezogen, ebenso wenig Versicherungen und Zertifikate im konzerneigenen Vertrieb. Dort müssen keine Angaben wie bei offenen Fonds gemacht werden, was zu dem Fehlschluss verleiten kann, dass diese Produkte auch billig sind.

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