Unfallopfer gegen Neinsager
Wenn Versicherungen nicht zahlen

Die Versicherer zahlen jeden Tag Millionen an ihre Kunden und sind dennoch als Neinsager verschrien. Dagegen wehren sie sich vehement. Doch bei ihren Gegnern können sie so nicht punkten. Ein Pro und Kontra.
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Der Stachel sitzt tief. Versicherer sehen sich selbst als die Guten in dieser Welt. Schließlich schützen sie ihre Kunden vor allem Unbill der bösen Welt. Öffentlich als Neinsager, Trickser oder Täuscher dazustehen, das können und wollen sie auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Schließlich sind gute Geschäfte mit  mit ihren Produkten auch nur möglich, wenn der Ruf gut ist und nicht lädiert.

Deshalb hat der Branchenverband GDV Anfang des Jahres eine Kampagne gegen Rechtsanwälte und Vereine von Unfallopfern gestartet. An der Spitze der Brancheninitiative steht Norbert Rollinger, der Vorsitzende des GDV-Hauptausschusses Schaden- und Unfallversicherung. In einem Beitrag, der auch als Podcast zu hören ist, erklärt er: „Warum Versicherer keine Leistungen verzögern.“

Der Grund dafür wird ganz offen genannt: In Medienberichten werde regelmäßig der Generalvorwurf erhoben, dass Versicherer Leistungen verzögern würden. Da sei jedoch nichts dran. Versicherer hätten vielmehr ein großes Interesse an schneller Schadenregulierung. Für deren Ablauf gebe es allerdings bestimmte Regeln, an die man sich halten müsse.

Handelsblatt Online hat kundigen Rechtsanwälten und Vertretern von Unfallopfern die Argumente der Branche vorgelegt. Deren einhellige Meinung: Der Manager redet am Thema vorbei. Er argumentiert mit Zahlen, die wenig aussagen. Außerdem könne er wohl gar nicht wissen, was bei Rechtsanwälten so alles auf dem Tisch liege.

Im Folgenden sind die wichtigsten Aussagen von Rollinger zusammengefasst. Anwälte und Vertreter von Unfallopfern legen ihre Gegensicht dar. Das Pro und Kontra zeigt: Das Thema „Leistungen für Unfallopfer“ wird die Versicherungswirtschaft weiter in Atem halten, auch wenn der Branche das ganz und gar nicht recht ist. Denn: Unfallopfer organisieren sich, und das immer besser.

Das ist auch kein Wunder: Schließlich geht es in den Fällen, bei denen am heftigsten gerungen wird, um sehr viel Geld – manchmal um Millionen. Und oft auch um unbeschreibliches Leiden. Da lohnt sich der Streit, auch vor Gericht und selbst dann, wenn das alles sehr nervenaufreibend ist und manchmal Jahrzehnte dauert. Wie die Versicherer sich wehren und was Unfallopfer dem entgegenhalten. 

 

Kommentare zu " Unfallopfer gegen Neinsager: Wenn Versicherungen nicht zahlen"

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  • Hallo,
    habe selbst erlebt wie meine Versicherung die Standard Life sich jahrelang geweigert hat geweigert hat eine Berufsunfähigkeitsleistung zu erbringen:

    Das letzte was ich von Standard Life (Leiter der Leistungsprüfung) gehört habe war die Aussage: Nur weil die staatliche Rentenversicherung bei einem Akademiker die vollständige Erwerbsunfähigkeit anerkannt hat bedeutet dies für Standard Life noch nicht, dass dieser berufsunfähig ist! Wir sehen daher keinen Grund für weitere Gespräche.

    Vor Gericht begann Standard Life, vertreten durch die Ehefrau des leitenden Leistungsprüfers, eine Schlammschlacht die nur haarscharf an Beleidigung und Verleumdung vorbei ging: Angebliche berufliche Probleme wurden behauptet ohne dass Details oder Zeugen benannt werden konnten…

    Nach 10 Jahren hat Standard Life mit dem Urteil wenige Monate Zahlungen einsparen können aber immense Gerichts- und Anwaltskosten produziert und dem Kunden jahrelang das Leben zur Hölle gemacht.

    Alles laut Standard Life nur im Interesse der Versichertengemeinschaft um unberechtigte Ansprüche abzuwehren!

  • Ominöse Strukturen und Handlungsanweisungen prägen das Geschäft. Die Lobbyisten sind gut positioniert. Man hat auch mal die Anwälte befragt- es gibt mehr Verschleppung
    und ein kurioses Rechtsverständnis. Kostspielige Schäden werden mit allen Mitteln, möglichst gar nicht ausgezahlt. Das System kämpft gar nicht so gegen sein eigenes Image, da die "harten Fälle" nur eine prozentuale Minderheit sind. Es gibt weniger als eine Handvoll Urteile die der offensichtlichen verzögerten Schadensregulierung Rechnung tragen. Wer keine Rechtsschutzversicherung und einen guten Gesundheitszustand vorweisen kann, hat schon verloren. Wer sein Recht auch bekommen will, muss einen jahrelangen Rechtsstreit in Kauf nehmen.
    Ich spreche aus eigener Erfahrung und könnte ein Buch darüber schreiben.
    Ein Trost bleibt aber-beschissen wird man heute (fast) überall

  • Aktuell ist der Fall sehr interessant.

    Der erstbehandelnde D-Arzt hat auf die Frage, ob er Ausschlussuntersuchungen durchgeführt habe, geantwortet, dass man die BG befragen solle. Er sei durch Auflagen des Datenschutzes gebunden. Die BG hat in ähnlichem Zusammenhang dagegen angegeben, dass keine neuen Erkenntnisse vorgetragen würden.

    Aktuell geht es daher um einen Gerichtsbeschluss zur Beweislastumkehr.

    Eines ist schon jetzt erdrückend nachweisbar, dass Arztbriefe nicht ausschließlich den Befund dokumentieren. D.h. Nichts anderes, dass Arztbriefe keine Glaubwürdigkeit aufgrund anderweitiger Regelungen mit der Versicherung genießen, genießen können. Es geht sogar soweit, dass ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, dass selbst das Bundesversicherungsamt in einem Fall darauf drängte, eigene "Wortspielereien" zu Lasten des Versicherten bei der Versicherung durchzudrücken.

    Da tut sich ein Sumpf auf, um den sich die Politik kümmern sollte.

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