Unfallopfer kontra Versicherer
Der große Streit um Entschädigungen

Die Versicherungsbranche macht mobil: Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, Auszahlungen an Geschädigte zu verschleppen. Worüber die Versicherer und Vertreter der Unfallopfer streiten.
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DüsseldorfDie deutsche Versicherungswirtschaft bietet heute in Berlin großes Kino. Gleich drei Manager großer Konzerne erklären „anhand von konkreten Beispielfällen“, wie Versicherer Schäden regulieren – nämlich „ohne unnötige Zeitverzögerung und im Interesse der Beteiligten“. So lautet der Tenor einer Mitteilung, die der Branchenverband der Versicherer (GDV) bereits am Montag verbreitete.

Verbraucherverbände und Unfallopfer sind da völlig anderer Ansicht. „In der Gesamtheit trifft diese Stellungnahme in keiner Weise den Kern der Vorwürfe“, erklären die Unfallopferlobbyisten vom Verein Subvenio in einer Stellungnahme, die Handelsblatt Online vorliegt. Auch der Bund der Versicherten und die Verbraucherzentralen haben eine Reihe von Beispielen zusammengetragen, die ein anderes Bild ergeben.

So stellt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fest: Verzögerungen bei der Zahlung an Kunden seien in allen Sparten zu beobachten. Dies betreffe zudem nicht bloß hohe Summen oder bestimmte Versicherer. Die Bandbreite der Beschwerden sei groß. Kunden klagten über schleppende Kommunikation, pauschale Kürzungen und langwierige Prüfungen.

Ausgelöst wurde dieser große Aufschlag der Versicherungswirtschaft vom Justizministerium. Es hatte den Justizbehörden, aber auch einigen Verbänden eine Reihe von Fragen gestellt und um Antworten bis Ende Juni gebeten. Im Kern formulierte die Behörde den im Raum stehenden Vorwurf so: Bei uns „gehen immer wieder Beschwerden ein, mit denen geltend gemacht wird, Versicherer leisteten mit erheblicher Verzögerung, es gehe auch darum, die wirtschaftlich stärkere Position auszunutzen mit dem Ziel, den Anspruchsteller in ‚zermürbenden Rechtsstreitigkeiten‘ zur Aufgabe des Anspruchs oder zu einem für den Versicherer günstigen Vergleich zu bewegen. Die bestehende Rechtslage werde systematisch ausgenutzt, um die Schadenregulierung zu verzögern oder sogar zu vereiteln.“

Justizbehörden und Verbände sollten sich zu dieser Kritik äußern und unter anderem diskutieren, ob Gesetzesänderungen erforderlich sind. Der Versichererverband hatte bereits in der Vergangenheit mehrmals herausgehoben, dass er die Vorwürfe für ungerechtfertigt hält. Auch einzelne Versicherer betonten in diesem Jahr immer wieder, wie hoch ihr Leistungsniveau für Kunden sei.

Am Mittwoch in Berlin stellten sich nun die Manager Nobert Rollinger von der genossenschaftlichen R+V Versicherung AG, Rüdiger Hackhausen von der Allianz Versicherungs-AG und Alexander Rettkowski von der Generali Lebensversicherung AG vor die Presse, um die eigene Haltung zu erklären. Handelsblatt Online zeigt, worüber Versicherer und Opferlobbyisten im Detail streiten.

Kommentare zu " Unfallopfer kontra Versicherer: Der große Streit um Entschädigungen"

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  • Horror auf der Autobahn. Berichte vom 4.3. 1995
    Dazu Handelsblatt Unfallopfer Kontra Versicherer.
    Wie mit Vollwaisen Kindern , verfahren wurde konnte ich bis
    jetzt nicht in Erfahrung bringen.

  • Was die Vermutung des Gerichts betrifft, trifft dies zu!

    Da bereits diese Ihre Vermutung zutrifft, liegt es nahe, dass auch die weitere Vermutung zutreffen kann.

  • Aha, Hannover da war dann warscheinlich das LG am werkeln?
    Ähnliche Erfahrung mit Rechtsauslegungen, wozu es sogar eindeutig gegenteilige Rechtssprechungen des BGH´s gibt, habe auch ich dort gemacht.
    Liegts vielleicht an der Nähe dieses Gerichtes zu den Hauptsitzen der Versicherungsgesellschaften?

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