Unisex-Tarife
Riester: Gleich statt gerecht

Vom Januar an müssen Männer aus politischen Gründen für die Riester-Rente mehr zahlen. Für wen es sich lohnt, vorher noch zuzugreifen.

Den Y-Chromosom-Trägern macht es die Natur schon schwer: Sie verspüren nicht nur den Dauerdrang, sich untereinander zu beharken; nach all den Mühen sterben sie auch noch rund fünf Jahre eher als Frauen. Wenigstens die Versicherungswirtschaft hat darauf bisher Rücksicht genommen. Wer eher verscheidet, muss niedrigere Beiträge zur Riester-Rente zahlen; wer länger Rente kassiert, also die zähen Frauen, muss auch mehr überweisen. Doch die Europäische Union fällt den Männern ins breite Kreuz: Diese Kalkulation widerspreche der Gleichbehandlung der Geschlechter.

Was sich die Frauenversteher aus Brüssel gewünscht haben, wird zum 1. Januar 2006 wahr: Die Versicherungen ersetzen die Gerechtigkeit durch Gleichheit, in der Branche Unisex-Tarife genannt. Geschlechtsneutral zumeist nicht, indem sie die Damentarife verbilligen, sondern von den Herren mehr verlangen - voraussichtlich um zehn Prozent. Also alle Männer schnell noch mit Riester vorsorgen, bevor es teurer wird? Das lohnt sich nicht für alle - aber für Berufseinsteiger, da sie eine anteilig hohe Förderung bekommen; für Alleinverdiener mit Gattin, weil auch Partner ohne Einkommen den staatlich bezuschussten Vertrag abschließen können; für Kinderreiche, weil es für sie die höchste Förderung gibt, und für Gutverdiener, deren Sonderausgabenabzug für Sozialversicherungen noch nicht ausgeschöpft ist.

Zu verdanken haben sie alle das dem Herzenswunsch der alten rot-grünen Regierung, das unwillige Volk möge endlich mehr und freiwillig für die Rente sparen. Staatliche Zuzahlung und lohnender Steuervorteil schienen ihr die optimalen Anreize zu sein; rot-schwarz glaubt das auch. So funktioniert die Zusatzrente: Gefördert werden alle gesetzlich Rentenversicherten, Beamte, Auszubildende, Bezieher von Arbeitslosengeld, geringfügig Beschäftigte und Eltern in Erziehungszeit. Zum eigenen Jahresbeitrag, mindestens 60 Euro, zahlt der Staat einen Zuschuss. 2005 müssen Versicherte mindestens zwei Prozent ihres Einkommens in die Riester-Rente stecken, dann stockt der Staat um 76 Euro auf; für jedes Kind gibt es 92 Euro dazu. Die Zulagen steigen bis 2008 auf 154 Euro für den Versicherten und je 185 Euro pro Nachwuchs.

Im Gegenzug muss der Kunde bis 2008 auch die eigenen Zahlungen erhöhen: Drei Prozent seines Einkommens sind es 2006 und 2007, von 2008 an vier Prozent. Außerdem lassen sich die Beiträge als Sonderausgabe bis zu 2100 Euro im Jahr von der Einkommensteuer abziehen (siehe Tabelle) - im Gegenzug kassiert der Fiskus später nach dem persönlichen Steuersatz bei der Rente ab. Dafür sind auf dieses Einkommen - anders als bei der betrieblichen Altersvorsorge - dann keine Krankenkassenbeiträge fällig. Ist die Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug höher als die Zulage, wird die Differenz dem Steuerpflichtigen zusätzlich gutgeschrieben. Gefördert werden nur zertifizierte Riester-Verträge. Sie dürfen nur 30 Prozent der Beiträge als Teilauszahlung vor dem 60. Lebensjahr herausrücken, müssen die Rente lebenslang garantieren, ebenso wie den Kapitalerhalt bei Auszahlungsbeginn. Die Riester-Rente ist Hartz-IV-sicher.

Wie das angesparte Kapital investiert wird, entscheidet der Kunde. Die drei Optionen: Die Rentenversicherung investiert vor allem in festverzinsliche Papiere und benennt die spätere garantierte Rentenhöhe. Ein Vorteil für Späteinsteiger. Ihr Nachteil: hohe Kosten. Ein Banksparplan investiert breiter bei niedrigeren Kosten. Ein aktienlastiger Fondssparplan kann die Rendite erhöhen - wenn es an der Börse gut läuft. Entscheidend ist aber dessen Auswahl. Vor Vertrag vergleichen - das ist zwingend.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 48 vom 24.11.2005

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