Urteil des Bundesverfassungsgerichts stärkt Kunden
Lebensversicherungen: Alles nur Bluff?

Die Freude war groß, nachdem das Bundesverfassungsgericht seine jüngsten Lebensversicherungsurteile verkündete. Von einem „guten Tag für die Verbraucher“ schwärmte der Bund der Versicherten. Doch was bringt’s unterm Strich?
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Die Freude war groß. Von einem „guten Tag für die Verbraucher“ schwärmte Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten. Doch nach der anfänglichen Euphorie macht sich allmählich Ernüchterung breit. Experten warnen: Mit seinen jüngsten Lebensversicherungsurteilen könnte das Bundesverfassungsgericht den Verbrauchern in Wirklichkeit einen Bärendienst erwiesen haben.

Nach Meinung der Verfassungsrichter müssen die Versicherten künftig mehr an den stillen Reserven der Versicherungsgesellschaften teilhaben. Diese entstehen dann, wenn etwa Aktien seit ihrem Erwerb durch den Versicherer im Wert steigen. In den Bilanzen der Versicherer steht nur der niedrigere Buchwert. Die Differenz zwischen dem Buch- und dem Zeitwert macht die stillen Reserven aus. Bei der Berechnung der Überschüsse, die die Versicherten am Ende der Laufzeit bekommen, bleiben die stillen Reserven bisher außen vor. Nun soll der Gesetzgeber bis 2007 mit entsprechenden Gesetzen dafür sorgen, dass die Kunden von den stillen Reserven profitieren.

Versicherungsexperten schlagen Alarm: Die Beteiligung an den stillen Reserven sei in Wirklichkeit eine „verbraucherfeindliche“ Idee, kritisiert Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes Map-Report. Denn im Gegenzug müssten die Kunden dann auch mit Nachteilen rechnen, wenn sich die Vermögenswerte der Versicherer verschlechtern.

Nur für Neuabschlüsse oder auch für Altverträge?

Den schwarzen Peter hat jetzt ohnehin die Politik, die die Vorgaben aus Karlsruhe umsetzen und dabei schwierige Fragen entscheiden muss. Etwa: Was soll für die Verträge gelten, die vorzeitig gekündigt werden? Bisher kürzen viele Versicherer den Überschuss, wenn der Kunde vorzeitig aussteigt. Und: Sollen die neuen Regelungen auch für laufende Verträge gelten oder nur für Neuabschlüsse ab 2008? Zwar hat die Branche signalisiert, dass sie keine Ungleichbehandlung zwischen Alt- und Neuverträgen will, doch Nägel mit Köpfen mag niemand machen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch Altverträge einbezogen werden“, sagte Wolfgang Scholl von der Verbraucherzentrale des Bundesverbands.

Wohl nicht mehr Geld

Fest steht: Der einzelne Verbraucher dürfte unterm Strich nicht viel mehr bekommen. Die Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven dürfte zwar den Schlussüberschuss steigern, aber nicht sehr. Bisher liegt dieser bei zehn bis 15 Prozent der Überschussbeteiligung. Rechne man die stillen Reserven hinein, könne der Schlussüberschuss um vier Prozent steigen.

Für die Kunden schmerzhafter seien andere Abrechnungstücken, meint Scholl: „Die hohen Stornoabzüge sind viel gravierender.“ Weil die ersten Prämien fast ausschließlich für die Vertreterprovision verwendet werden, ist eine frühzeitige Kündigung der Lebensversicherungsverträge wirtschaftlicher Wahnsinn.

Mehr Geld durch Gewinnbeteiligungen

Das Modell: Kapitalbildende Lebensversicherungen sind eine Mischung aus Vorsorge und Geldanlage. Erlebt der Versicherte das Ende der Laufzeit, bekommt er einen bestimmten Betrag ausgezahlt. Dieser richtet sich unter anderem nach dem Garantiezins und den Überschüssen.

Garantiezins: Der Garantiezins wird zu Vertragsbeginn festlegt und bleibt während der gesamten Laufzeit stabil. Um Insolvenzen vorzubeugen, geben das Bundesfinanzministerium und die Finanzaufsich BaFin Höchstgrenzen vor. Für Verträge, die seit dem 1. Januar 2004 geschlossen worden sind, gilt eine Obergrenze von 2,75 Prozent. Ältere Verträge haben höhere Garantiezinsen von bis zu vier Prozent.

Überschüsse: Zusätzlich erhalten die Kunden noch Überschussbeteiligungen, die sich etwa aus Kostenersparnissen oder aus Zinsgewinnen ergeben. Die Überschussbeteiligungen werden jährlich neu deklariert. Für die Vergangenheit sind sie garantiert, für die Zukunft jedoch offen.

»Lesen Sie hier mehr zum Thema (Alters-)Vorsorge & Versicherung ...

Quelle: News Frankfurt

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