US-Finanzkrise
Der Lebensversicherung droht Gefahr

Wie die US-Finanzkrise auch Ihre Geldanlagen bedroht und warum selbst Lebensversicherungen Renditeprobleme bekommen können.
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Sie suchen einen gut bezahlten Job? Gründen Sie einen Hedgefonds! Dort können Sie bis zu einer Million Dollar verdienen. Pro Stunde. Glauben Sie nicht? John Arnold ist 33 Jahre alt, betreibt den Hedgefonds Centaurus und bekam 2006 dafür zwei Milliarden Dollar – oder eben etwa eine Million pro Stunde Arbeit. Womöglich muss Arnold in diesem Jahr allerdings Gehaltseinbußen hinnehmen, wenn die Finanzkrise in den USA seinen Hedgefonds erreicht. Nicht schön für ihn; aber noch weniger schön für alle Anleger, wenn die Feuer an den weltweiten Finanzmärkten sich zu einem Flächenbrand ausweiten.

Das träfe nicht bloß Aktionäre, nahezu jeder Deutsche bekäme das zu spüren. Lebensversicherungen, Betriebsrenten, Investmentfonds – überall kann der giftige Finanzsondermüll aus den USA drinstecken. Auf der Jagd nach jedem Prozentpunkt Rendite griffen professionelle Geldverwalter oft zu undurchschaubaren Anlagekonstruktionen. So genannte derivative oder hybride Produkte bringen zwar im Schnitt etwa 1,5 Prozentpunkte mehr als herkömmliche Papiere wie etwa Staatsanleihen; das Risiko ist jedoch oft nicht abzuschätzen, da sich hinter den Papieren mit Bezeichnungen wie CDO, ABS oder MBS oft Hunderte andere Papiere und damit Hunderte Risiken verstecken (siehe Glossar LBO ABS und andere).

"Wir werden erstmals erleben, wie groß der Einfluss dieser Finanzinstrumente auf den Markt ist. Dies ist eine komplett andere Situation als beim vergangenen Börsencrash. Anleger sind darauf völlig unvorbereitet, für viele öffnet sich ein Tor zur Hölle, wo niemand weiß, was wirklich dahinter hervorkommt", sagt Ralf Fix vom Aachener Vermögensverwalter Galiplan. Er ist Experte für Hedgefonds und Private-Equity-Investitionen.

Die Krisenmeldungen kamen zuletzt Schlag auf Schlag. Vermeintlich sichere Geldmarktfonds wurden geschlossen; nach der Beinahepleite der Mittelstandsbank IKB kursierten Gerüchte über eine Schieflage der WestLB, die Finanzaufsicht BaFin fordere die Ablösung des gesamten Vorstands, nachdem schon Bankchef Thomas Fischer und sein oberster Kreditmanager gehen mussten; amerikanische Hypothekenfinanzierer schlitterten in die Pleite, Hedgefonds wurden dichtgemacht; die Europäische Zentralbank EZB pumpte an einem Tag fast 95 Milliarden Euro in den Geldmarkt, um die Finanzsysteme zu beruhigen; die US-Notenbank Fed stützte ihrerseits mit 24 Milliarden Dollar (17,5 Milliarden Euro) den Markt. Niemand glaubt mehr, dass die Finanzkrise so harmlos ist, wie viele Banker lange behaupteten.

Union Investment, HSBC, Axa, Sal. Oppenheim und Frankfurt Trust sperrten drei Milliarden Euro an Anlegergeldern auf Geldmarktfonds, weil "die Angst vor massiven Verkäufen umgeht", wie es bei Sal. Oppenheim in Köln heißt. Nicht zu Unrecht: Der Parvest Dynamik ABS der französischen Bank BNP Paribas verlor binnen zehn Tagen 6,3 Prozent an Wert – Kurse gibt es seit Anfang vergangener Woche keine mehr. Am Donnerstag schloss BNP schließlich drei Fonds mit milliardenschweren Derivate-Anlagen in den USA.

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