Verbraucherschützer: Die große Abrechnung

Verbraucherschützer
Die große Abrechnung

Er leitet die mächtigste Verbraucherzentrale und startet mit einer Kampfansage gegen die Versicherer: Wolfgang Schuldzinski erklärt, warum Lebenspolicen nichts taugen und die Versicherer bei Berufsunfähigkeit versagen.
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DüsseldorfTable-Dance-Bars, Spielhallen, verrauchte Kneipen - die Rückseite vom Hauptbahnhof ist nicht gerade das beste Quartier im sonst so schicken Düsseldorf. In diesem Bahnhofsmilieu residiert die größte Verbraucherzentrale Deutschlands. Das Gebäude etwas heruntergekommen, aus dem Fenster ein Blick auf ein Plakat, das für einen Saunaclub wirbt. Die nordrhein-westfälische Zentrale der Verbraucherschützer steht im krassen Gegensatz zu den repräsentativen Gebäuden vieler Banken und Versicherer.

Wolfgang Schuldzinski leitete das Finanzenteam und ist nun Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, der größten und mächtigsten Kundenvertretung in Deutschland. Sein Vorgänger leitet jetzt den Bundesverband Verbraucherzentrale. Im ersten Teil des Antrittsinterviews knöpft er sich die Versicherer vor.

Herr Schuldzinski, wann ziehen sie eigentlich um?
Wir ziehen überhaupt nicht um. Worauf zielt Ihre Frage?

Nun ja, man könnte sagen, die Lage in der Nähe vom Bahnhof ist nicht gerade die beste.
Ach ja, das ist natürlich richtig. Aber wir werden öffentlich gefördert, und deshalb müssen wir sparsam mit dem Geld umgehen. Hier ist die Miete günstig! Außerdem eröffnen wir noch in diesem Jahr die 60. Beratungsstelle in NRW. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Außenstellen sowie die Belegschaft in der Geschäftsstelle müssen zu uns ins Haus, da bietet sich die Nähe zum Bahnhof an.

Gibt es da nicht manchmal Neid? Der Gegenspieler, die Finanzindustrie, residiert etwas komfortabler.
Von Neid kann man da auf keinen Fall sprechen. Wir müssen gucken, dass wir die Steuergelder sparsam und sinnvoll verwenden. Die Finanzindustrie gibt das Geld ihrer Kunden aus, auch für Prachtbauten.

Residieren die Banker und Versicherer in Zeiten niedriger Zinsen zu protzig?
Das Geld muss natürlich erwirtschaftet werden. Das drückt die Rendite, welche für den Kunden entscheidend ist. Insofern müssen die Institute selbst entscheiden, wie repräsentativ sie sich aufstellen.

Sie waren vorher der Leiter des Finanzenteams. Legen Sie als Vorstand jetzt ihren Fokus auf dieses Thema?
Unabhängig von meiner alten Aufgabe haben die Finanzthemen einen besonderen Schwerpunkt im Haus. Finanzthemen haben Konjunktur. Bei Geldanlagethemen hatten wir 2013 rund 13.000 Beratungen. Im Jahr 2014 waren es 23.000.

Wo liegt ihr Fokus im Bereich Finanzen? Was ist Ihr Prestigeprojekt?
Da haben wir eine ganze Reihe. Ein Beispiel wären Policen zur Absicherung der Berufsunfähigkeit. Versicherer und Vertriebe agieren mangelhaft auf diesem Markt. Wir haben dazu unsere Verbraucherberatungen ausgewertet.

Mit welchem Ergebnis?
Jeder Verbraucher muss sich selbstständig um seinen Schutz bemühen, seitdem sich der Staat weitestgehend aus dem Invaliditätsschutz zurückgezogen hat. Den Versicherten fehlt aber in der Regel das Know-how hierzu. Und die Verbraucher stehen einem rücksichtslosen Vermittlermarkt gegenüber.

Kommentare zu " Verbraucherschützer: Die große Abrechnung"

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  • Ja, klar, der DAX PERFORMANCE-Index steht nominal bei 11.500 ziemlich hoch. Allerdings: Der DAX KURS-Index steht bei 5.900. Möglicherweise relativiert dies die Betrachtung ein wenig, denn die Dividenden der Vergangenheit spielen in der Gegenwart nicht die Hauptrolle bei der Unternehmensbewertung ...

  • Der Dax steht bei 11.500 und der Herr Verbraucherschützer rät zu Aktienanlagen.... Unfassbar

  • "Wie können Verbraucher denn fürs Alter vorsorgen? Die Welt in der Geldanlage hat sich fundamental geändert. Die Menschen müssen Eigenverantwortung für ihre Altersvorsorge übernehmen. Die Zeiten, in denen sie ihrem Finanzberater blind vertrauen konnten, sind endgültig vorbei. Verbraucher müssen sich mit Alternativen zu den gewohnten Vorsorgeprodukten beschäftigen. Die gibt es heute am Aktienmarkt. Wenn man eine ansprechende Rendite erzielen will, muss man über Aktienanlagen nachdenken.

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