Verbraucherschützer fordern Offenlegung der Vertreter-Provisionen
Die meisten Deutschen sind falsch versichert

Die meisten Bundesbürger schließen die falschen Versicherungen ab. Viele Haushalte hätten Policen, die sie nicht brauchen oder die bei Schadensfällen nicht zahlen, warnte der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Mittwoch in Berlin.

HB BERLIN. Verbandschefin Edda Müller machte dafür vor allem schlechte Beratung durch Versicherungsvertreter verantwortlich. Zugleich warnte sie erneut vor dem übereilten Abschluss einer steuerbegünstigten Lebensversicherung noch in diesem Jahr.

Als Beispiel für Fehlentwicklungen nannte der Verband die Unfalltod-Zusatzversicherungen sowie Kapital-Lebensversicherungen. Inzwischen hätten die Bundesbürger 17 Millionen Unfalltod- Versicherungen, obwohl das Risiko, bei einem Unfall ums Leben zu kommen, recht gering sei. Bei den Lebensversicherungen zur privaten Altersvorsorge würden bereits in den ersten beiden Jahren 20 Prozent der Verträge mit Verlust gekündigt. Im Laufe der Jahre erhöhe sich dieser Anteil auf bis zu 80 Prozent.

Zugleich sei der Versicherungsschutz in vielen Haushalten lückenhaft, sagte Müller. Beispielsweise fehle häufig eine Haftpflicht- oder Berufsunfähigkeitsversicherung. Grund dafür sei, dass sich der Abschluss solcher Policen für die insgesamt 500 000 Versicherungsvertreter in Deutschland kaum lohne. „Die geringsten Provisionen gibt es ausgerechnet bei Versicherungen, die zu den wichtigsten Policen gehören“, sagte Müller.

Der Verbraucherschutz-Verband forderte deshalb eine Neuregelung und Offenlegung der Provisionen. Der Kunde müsse anhand von „Netto- Tarifen“ klar erkennen können, was ein Vertreter am Abschluss verdient. Zugleich müssten Vertreter, von denen jeder zweite nebenberuflich arbeitet, besser ausgebildet werden. „Heute wird den Leuten in Trainingslagern nur beigebracht, wie sie besonders erfolgreich ihre Produkte verkaufen können“, sagte Müller.

Erneut warnten die Verbraucherschützer davor, sich beim Abschluss einer Lebensversicherung durch den Wegfall der Steuerfreiheit zum Jahreswechsel unter Druck setzen zu lassen. Die Versicherungsbranche wirbt derzeit in großem Stil für einen Abschluss noch in diesem Jahr, weil auf die Erträge künftig Steuern gezahlt werden müssen. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 90 Millionen Lebensversicherungen.

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