Verbraucherschützer warnen vor schlechten Renditen
Lebensversicherung verliert an Attraktivität

Kapital bildende Lebensversicherungen lohnen sich in den allermeisten Fällen nicht, und nach der beschlossenen Neuregelung – also ohne steuerliche Befreiung – erst recht nicht, meint Wolfgang Scholl von der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das haben wir allerdings schon immer gesagt.“ Mit anderen Produkten könnten Anleger höhere Renditen erwirtschaften, beispielsweise mit Fonds.

DÜSSELDORF. Die gleiche Meinung vertritt Tom Friess vom VZ Vermögenszentrum. Durch die Neuregelung bei der Kapital-Lebensversicherung, welche ab 2005 für Neuverträge gelten wird, verschlechtere sich die Rentabilität der Lebensversicherung weiter, rechnet Friess vor: Wenn ein Vierzigjähriger, der 20 Jahre in die Lebensversicherung eine Jahresprämie von 3 000 Euro einzahlt, muss er bisher bereits drei Jahresprämien an Provisionen und sonstigen Kosten zahlen. Künftig kämen dann noch zwei Jahresprämien für die Steuer hinzu. Friess rät Kunden daher ebenso wie Scholl eher, in andere Finanzprodukte zu investieren. „Versicherte können ihr Geld genauso anlegen wie die Versicherungen selbst und dabei viel Geld sparen.“

Für die Absicherung von Hinterbliebenen im vorzeitigen Todesfall empfehlen Verbraucherschützer preiswerte Risiko-Policen – ohne angehängten Sparvorgang, wie bei der Kapital-Police. Für die eigene Altersvorsorge rät Scholl zudem zu Riester-Policen. Diese seien zwar unpopulär, aber gleichwohl für die Masse der Verbraucher wegen der staatlichen Zuschüsse höchst lukrativ. „Egal, welchen Fall sie nehmen, ein Versicherter erhält auf Riester- Policen im schlechtesten Fall eine Mindestrendite von 26 Prozent.“

Zur Kapital bildenden Lebensversicherung greifen sollten allenfalls Menschen, die sehr sicherheitsbewusst seien und ansonsten ihr Geld in festverzinslichen Papieren anlegen würden, sagt Friess. „Wenn jemand glaubt, die Lebensversicherung passt für ihn, dann sollte er jetzt noch abschließen“, rät beispielsweise Reiner Will, Geschäftsführer der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata. Denn, wer dieses Jahr noch abschließt, der muss bei Ablauf seiner Police in zwölf, 20 oder 30 Jahren gar keine Steuern zahlen. Will rät jedoch dazu, in Ruhe die Angebote und die Finanzkraft der Gesellschaften zu vergleichen, weil sie sehr unterschiedlich seien.

Wegfallen wird ab kommendem Jahr die Möglichkeit, Beiträge zur Altersvorsorge im Zuge des Sonderausgabenabzugs von der Steuer abzusetzen. Dies ist in der Praxis für gesetzlich Versicherte allerdings bisher fast immer irrelevant, weil sie mit den Beiträgen zur Sozialversicherung diesen Freibetrag schon ausschöpfen. Anders sieht es bei Beamten und Selbstständigen aus, die nicht in die Sozialversicherung einzahlen und daher noch Luft für Vorsorgeaufwendungen bei der Steuer haben. „Für Selbstständige lohnt sich die Lebensversicherung dieses Jahr noch“, meint daher Verbraucherschützer Scholl.

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