Vermittlerrichtlinie
Vereinbarungen werden neu fixiert

Laut Vermittler-Richtlinie gibt es zwei Arten von Versicherungsvermittlern: den ungebundenen Versicherungsmakler und den gebundenen Versicherungsvertreter.

HB FRANKENTHAL. Der firmenverbundene Versicherungsvermittler (FVV) hat bei dieser Aufteilung keine Sonderstellung: Auch er hat zu erklären, ob er Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter ist. Große Unternehmen, die eine firmenverbundene Vermittlungsgesellschaft im Konzern haben, arbeiten in der Regel auf der Basis des Versicherungsmaklers. Die dementsprechenden Regeln gelten also auch für FVV.

Aufgrund des Provisionsabgabe-Verbots muss sich jeder FVV von der Wiesbadener Vereinigung überprüfen lassen, damit die Versicherer Provisionen aus den Versicherungen der Mutterhäuser zahlen dürfen. Diese Zulassung ist eine Sonderprüfung – ohne dass damit die IHK-Zulassung und -Registrierung wegfallen würde. Für die im Namen von Versicherungsgesellschaften vereinnahmten Prämien und andere Zahlungen müssen FVV Sicherheiten stellen, sofern keine Inkasso-Vereinbarung mit dem Versicherer vorliegt – entsprechend auch, wenn es Schadens- oder Prämienrückzahlungen für den Versicherungsnehmer gibt. Viele Vereinbarungen müssen deshalb neu fixiert werden.

Die Beratungs- und Dokumentationspflichten entfallen für FVV, wenn sie lediglich für Großrisiken zuständig sind. Die Kriterien für Großrisiken sind im Artikel 10 des Einführungsgesetzes definiert: 6,2 Millionen Euro Bilanzsumme, 12,8 Millionen Netto-Umsatzertrag, durchschnittlich 250 Mitarbeiter. Zwei dieser drei Bedingungen müssen zutreffen. Im Konzernbereich sind Entscheidungen über Versicherungsvergabe, Vertragssituationen und Konsortialverträge an interne Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren gebunden. Solche Prozesse sind den FVV nicht unbekannt, da die Dokumentationen dazu schon immer vorhanden waren.

Im Belegschaftsgeschäft gibt es FVV, die sich überlegen, das Privatgeschäft außerhalb der FVV zu führen, beispielsweise durch einen Dienstleister oder in einer neuen Untergesellschaft. Für Vertreter sind die Haftungs- und Beratungsgrundlagen, etwa die Marktübersicht, anders. Im Belegschaftsgeschäft sind oft Rahmenverträge für die einzelnen Sparten mit den Versicherern vereinbart. Wer als Makler auftritt, muss festlegen, in welchem Rahmen er dem privaten Versicherungsnehmer eine Marktübersicht vermittelt. Der FVV muss sich entscheiden, ob er möglicherweise bestimmte Sparten gar nicht mehr anbieten kann, weil beispielsweise die eigenen Markt- und Fachkenntnisse in einigen Bereichen fehlen oder weil in regelmäßigen Abständen Wettbewerber-Analysen stattfinden, deren Ergebnisse dem Kunden mitgeteilt werden.

Im Drittfirmengeschäft – sofern es sich hierbei nicht um "Großrisiken" handelt – ist sowohl eine Beratung als auch Dokumentierung notwendig. Ergänzt wird dies durch eine entsprechende Marktanalyse. Für die meisten FVV dürfte dies jedoch aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung mit dem Versicherungsmarkt keine große Schwierigkeit bedeuten.

Die nächsten Schritte werden die Registrierung und die Zulassung sein. Auch hier gelten die gleichen Regeln wie für Makler, obwohl jeder FVV bereits seine Wiesbadener Vereinigungs-Überprüfung hat durchlaufen müssen. Unabhängig von den Übergangsvorschriften für die Berufsqualifikation sind die FVV durchgängig mit Fachpersonal besetzt und eine Qualifikation als Versicherungsfachmann durch eine IHK-Prüfung erscheint nicht notwendig zu sein.

Hans-Otto Geiger ist Geschäftsführer der Palatina Versicherungsvermittlungs GmbH.

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