Vermögen schwindet
Börsenbaisse reißt Riesenlöcher in Pensionskassen

Große Unternehmen in Deutschland müssen milliardenschwere Löcher in ihren Betriebsrenten-Kassen stopfen. Der Grund: Vor allem der Rückgang der Aktienkurse vergrößerte die Lücke zwischen den für Pensionzahlungen bereitgestellten Vermögen und den Rentenverpflichtungen. Die Siemens AG nannte bereits eine auf 2,5 Mrd. Euro verdoppelte Deckungslücke in ihren extern finanzierten Pensionsplänen.

FRANKFURT. Nach einer Studie der auf betriebliche Altersvorsorge spezialisierten Unternehmensberatung Rauser Towers Perrin (RTP), die dem Handelsblatt vorliegt, sind die Rentenlasten bei Dax-Firmen nur noch zu zwei Dritteln gedeckt. Bei MDax-Firmen ist es nur noch knapp die Hälfte. Die Deckungsquote zwischen Vermögen und Verpflichtungen ist laut RTP bei Dax-Unternehmen um fast ein Zehntel gesunken, bei MDax-Firmen um gut 14 Prozent.

"Insgesamt sind die Vermögen 2008 rechnerisch um 21 Mrd. Euro geschmolzen", sagt Thomas Jasper, Vorstand bei RTP. De facto dürften die Pensionsvermögen etwas weniger geschrumpft sein, meint Jasper. Denn die Studie berücksichtigt nicht Änderungen der Anlagestrategie bei den Firmen sowie im Laufe des Jahres zusätzlich hinzugekommenes Vermögen.

Die Deckungsquote der Pensionslasten berechnet sich aus dem Wert der Pensionsvermögen im Verhältnis zu den Verpflichtungen: Die Vermögen sind vor allem wegen des Kurseinbruchs bei Aktien bei Dax-Unternehmen um 12 Prozent auf 132 Mrd. Euro, und bei MDax-Firmen um 15 Prozent auf 15 Mrd. Euro geschrumpft. Auf der anderen Seite sind zwar die abgezinsten künftigen Pensionslasten wegen insgesamt gestiegener Kapitalmarktzinsen gesunken. Doch der Vermögensschwund dominierte die Entwicklung der Deckungsquote.

Die Konzerne müssten folglich milliardenschwere Lücken stopfen, erwarten die Berater. Siemens nannte bereits eine auf 2,5 Mrd. Euro verdoppelte Deckungslücke in ihren extern finanzierten Pensionsplänen. Wie die Firmen reagieren, hängt vom Management der Pensionsvermögen ab. Die meisten Konzerne haben Immobilien und Wertpapiere zur Finanzierung der Betriebsrenten aus ihrer Bilanz in Treuhandgesellschaften (sogenannte Contractual Trust Arrangements, CTA) oder Pensionsfonds ausgelagert. Entstehen Lücken in einem CTA, wie bei Siemens, müssen in Höhe der Differenz Rückstellungen gebildet, aber kein Kapital nachgeschossen werden. "Die vielfach angespannte Liquiditätslage bei Firmen wird damit nicht weiter verschärft", sagt Jasper. Allerdings belasten die Rückstellungen das Eigenkapital. Bei Pensionsfonds gelten strengere Regeln. "Sinkt der Wert der Pensionslasten unter 95 Prozent, muss neues Kapital fließen", sagt ein Berater.

Wie die neuen Rentenverpflichtungen die Firmen konkret belasten, bleibt abzuwarten. Zwar betreiben 80 Prozent der großen Firmen ein Risikomanagement für ihre Pensionsgelder, sagt Jasper. So wurde die Aktienquote verringert. Aber klar sei auch, dass in diesem Jahr weniger neue Mittel zur Finanzierung von Betriebsrenten zur Verfügung stünden.

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