Versicherer in Anlagenot
Wohin mit den Billionen?

Die Krise an den Finanzmärkten stellt die Anlageprofis der Branche vor eine schwere Belastungsprobe. Versicherer streuen ihr Kapital zwar besonders breit, allerdings spüren auch sie die Folgen der Schuldenkrise.
  • 6

FrankfurtDie Aktien- und Anleihemärkte spielen verrückt. Viele private Anleger und Banken haben in den vergangenen Monaten viel Geld verloren. Auch die Versicherungsbranche verzeichnet hohe Abschreibungen, etwa auf griechische Staatsanleihen oder Bankbeteiligungen, trotzdem ist die Branche bisher insgesamt relativ glimpflich durch die Krise gekommen. Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Rolf-Peter Hoenen, gibt sich entsprechend selbstbewusst: „Es gibt keinen Akteur, der sein Kapital breiter streut, langfristiger und sicherer anlegt als wir Versicherer. Wir sind der Risikospezialist schlechthin.

Die Versicherer gehören zu den größten institutionellen Investoren in Deutschland. Sie verwalten 1,3 Billionen Euro an Kundengeldern, die sie an den Märkten anlegen. Die Anlageprofis der Allianz, Münchener Rück und anderer Gesellschaften haben keine leichte Aufgabe: Die Rendite muss gut sein, damit etwa den Lebensversicherungskunden attraktive Zinsen gezahlt werden können, zugleich muss aber das Risiko möglichst gering sein. Um das zu erreichen, setzt die Branche vor allem auf Diversifizierung. Von Pfandbriefen über Aktien bis hin zu Immobilien ist alles im Portfolio vorhanden. Bisher läuft das Geschäft noch ordentlich, 2011 werden die Lebensversicherer eine Nettoverzinsung von über vier Prozent erzielen, heißt es beim GDV.

Doch die Probleme werden größer, deutlich größer. Nicht nur die direkten Folgen der Schuldenkrise bekommen die Versicherer zu spüren (siehe Kasten). Die größten Sorgen bereiten den Versicherern die niedrigen Zinsen. Die Niedrigzinspolitik sei „weit schlimmer als jede Abschreibung auf griechische Staatsanleihen“, sagt GDV-Präsident Hoenen. Das meiste Geld investieren die Versicherer in festverzinsliche Wertpapiere wie Pfandbriefe, Unternehmens- oder Staatsanleihen. Wenn Anleihen auslaufen, ist es nun schwieriger, eine lukrative Neuanlage zu finden. Ein Zinsrückgang um einen Prozentpunkt bedeutet für die Versicherungsbranche einen Rückgang der Kapitalergebnisse bei den Neuanlagen von rund einer Milliarde Euro, heißt es beim GDV.

Kommentare zu " Versicherer in Anlagenot: Wohin mit den Billionen?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • "Die Versicherungsbranche verzeichnet hohe Abschreibungen, etwa auf griechische Staatsanleihen...
    Der Präsident des Versichererverbandes GDV, Rolf-Peter Hoenen, gibt sich entsprechend selbstbewusst: „... Wir sind der Risikospezialist schlechthin.“

    Der GDV-Präsident hat Recht, die deutschen Versicherer sind Spezialisten im Risikoeingehen. Besonders fahrlässig waren Allianz, Ergo,... bei Staatsanleihen des de facto seit Jahrzehnten bankrotten Griechenlands. Hier haben sie sich verzockt, weil „lukrativ“ vor „sicher“ ging. Bei Bunga-Italien liegt die Allianz mit 29 Milliarden Risiko-Euro sogar an der Spitze der ausländischen Kreditgeber.

    An sich ein Fall für die BaFin. Außerdem müsste Allianz endlich entflochten werden, ein Finanzkonglomerat, wo selbst Diekmann und Waigel schon lange nicht mehr durchblicken. Besonders dubios ist PIMCO, oder wurde es schon organisatorisch versteckt.

  • Warum fragen Sie so blöd, wenn Sie es schon wissen?
    Sie scheinen eher ein Schlaubürger als ein Wutbürger zu sein.

    Wir haben deshalb alle Gelder von Allianz abgezogen. Und mit der LV wollen wir weg zur "Braunschweiger Öffentlichen", die vergeben ihre Kredite nur an Heimische.

  • "Die Allianz Leben hat 13 Milliarden Euro Darlehen an Häuslebauer vergeben – das sind rund acht Prozent der Kapitalanlagen."

    An amerikanische?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%