Versicherer trennt sich von streitlustigen Kunden
Arag kündigt bei zwei Schäden pro Jahr

Die Arag hat 2003 in der Rechtsschutzversicherung wieder Marktanteile verloren. Das lag nicht zuletzt daran, dass der Versicherer unrentable Verträge in größerem Umfang gekündigt hat. Davon sind vor allem streitlustige Kunden betroffen.

rl DÜSSELDORF. „Die Prozesshansel können wir uns nicht mehr leisten“, sagte Vorstandsmitglied Wolfgang Glatzel. Die Arag werde daher den Kunden kündigen, die zwei Schadensfälle pro Jahr verursachten. Dies betreffe von insgesamt zwei Millionen Verträgen etwa 82 000 Policen mit Prämien von zusammen 20 Mill. Euro. Das Einsparpotenzial bezifferte Konzernchef Paul-Otto Faßbender auf 40 Mill. Euro jährlich. Von dieser Verbesserung des Geschäfts erhofft die Arag sich indirekt wieder Wachstum. „Langfristig eröffnet die deutlich gesteigerte Profitabilität des Kerngeschäftes dem Unternehmen neue Wachstumsimpulse“, sagte Faßbender.

Der deutsche Rechtsschutzmarkt leidet nach wie vor unter fehlenden Wachstumsimpulsen. Zwar konnte das gesamte Beitragsvolumen in Deutschland im vergangenen Jahr noch um 3,5 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro an Beiträgen zulegen. Doch nach Aussage von Faßbender ging dieses Wachstum lediglich auf Beitragserhöhungen zurück. Faßbender: „Nicht zuletzt durch die intensive staatliche Regulierung ist das deutsche Rechtsschutzgeschäft ein sehr reifer Markt, der zur Zeit wenig Phantasie entwickeln kann.“

Die Arag hat frühzeitig auf das Ausland gesetzt, wo mittlerweile ein Großteil des Wachstums der Rechtsschutzsparte herkommt. 2003 stieg der Auslandsabsatz um sieben Prozent auf 262 Mill. Euro, im Inland belief sich der Umsatz mit Rechtsschutzpolicen auf 347 Mill. Euro, nach 351 Mill. Euro im Jahr zuvor. „Das internationale Geschäft bereitet uns ungleich mehr Freude“, sagte Faßbender.

In allen Sparten zusammen verbuchte der Konzern 2003 einen Beitragszuwachs von 2,8 Prozent auf 1,26 Mrd. Euro. Mit Blick auf die Erhöhung der Anwaltsgebühren sind die Reserven für Spätschäden um 8,4 Mill. Euro gestärkt worden. Unter dem Strich konnten die Düsseldorfer einen Konzernjahresgewinn von drei Mill. Euro, nach 1,9 Mill. Euro im Jahr zuvor, verbuchen.

Die Arag zählt neben Marktführer DAS und der Allianz zu den drei führenden Rechtsschutzversicherern in Deutschland. Der Konzern ist nach wie vor im Besitz der Familie Faßbender.

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