Versicherung gegen Berufsunfähigkeit: Für Laien ist ein Vergleich fast unmöglich

Versicherung gegen Berufsunfähigkeit
Teuer, lückenhaft und undurchsichtig

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Für Laien ist ein Vergleich fast unmöglich

Auf Vater Staat sollte man sich nicht verlassen: Wer nach dem 1. Januar 1961 geboren wurde, hat keinen Anspruch mehr auf eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Nach Einschätzung von Verbraucherschützern hat nur jeder vierte Deutsche eine BU-Police.

Bis Ende 2010 wurden nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) 16,6 Millionen Verträge abgeschlossen. Die Beitragshöhe richtet sich nach dem ausgeübten Beruf, dem Alter des Versicherten, seinem Gesundheitszustand und natürlich nach der Höhe der Summe, die im Fall der Fälle monatlich wieder ausgezahlt werden soll.

Je älter die Person ist und je dicker ihre Krankenakte, desto schwieriger und teurer wird es also, einen Versicherer zu finden. Im schlimmsten Fall bekommt man überall Absagen. „Wer schon wegen Depressionen in Behandlung war, wird Schwierigkeiten haben, noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen“, warnt Verbraucherschützer Kleinlein. Dennoch sollte man beim Ausfüllen des Antrags nichts unter den Tisch fallen lassen: Unterschlägt man wichtige Informationen oder antwortet nicht wahrheitsgemäß, kann sich die Versicherung weigern, die erhoffte Rente auszuzahlen.

Gegen „vergessliche“ Kunden sichert sich die Branche mit einer zentralen Auskunftsdatei ab - dem Hinweis- und Informationssystem (HIS). Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann als selbstständige Versicherung oder als Zusatzversicherung zu einer Lebensversicherung oder Rentenversicherung abgeschlossen werden. Von einer Kombination mit einer kapitalbildenden Versicherung raten Verbraucherschützer aber ab: „Das ist der allerschlimmste Fehler, den man machen kann“, sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Kann die Kapitalversicherung nicht mehr fortgeführt werden, entfällt auch der Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Den richtigen Versicherungsschutz zu finden, gleicht nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Bayern „vielfach einem Hindernisrennen“. So tummeln sich 100 Anbieter am Markt, die wiederum oft gleich mehrere Tarife mit unterschiedlichen Bedingungen und Leistungen anbieten. Hinzu kommt die Spannbreite der Tarife.

„Für Laien ist es fast unmöglich, die Versicherungen mit ihren unterschiedlichen Angeboten zu vergleichen“, meint Castello. Verbraucherschützer raten daher dazu, eine anonyme Risikovoranfrage zu stellen, besonders bei Vorerkrankungen. Helfen können Verbraucherzentralen, Organisationen wie der Bund der Versicherten, Versicherungsmakler oder auch private Anbieter wie die Internet-Plattform www.buforum24.de.

Auf der Suche nach einer Versicherung sollte man im ersten Schritt berechnen, wie hoch die benötigte Auszahlungssumme sein muss, um alle monatlichen Ausgaben zu decken. Zudem ist die Laufzeit der Versicherung für den monatlichen Einzahlungsbetrag ausschlaggebend. Von Versicherung zu Versicherung kann dieser deutlich abweichen.

Kommentare zu " Versicherung gegen Berufsunfähigkeit: Teuer, lückenhaft und undurchsichtig"

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  • „Mit solchen Offerten stiehlt sich die Versicherungsbranche aus ihrer volkswirtschaftlichen Verantwortung. ...!

    Ist denn noch niemandem aufgefallen, dass sich schon seit Jahrzehnten die gesamte Unternehmenslandschaft auf Drängen und mit Unterstützung der Politik aus der Verantwortung stiehlt? Ob durch Leiharbeit, Unterbezahlung, Abkehr von der paritätischen Finanzierung der Sozialversicherung und, und, und...

    Und dann liest man in den dämlichen Politikboromtern notorisch die selben Umfragewerte für die Parteien, die das alles durch die Bank mittragen! Wie blöd kann ein Volk überhaupt sein? Aber bei uns hat das ja Tradition - mit Blick auf '33 - oder aber es wird der Wählerschaft bewusst etwas vorgegaukelt, damit sie gar nicht erst in Versuchung kommt sich an echten Wahllternativen (sucht mal im Internet danach) zu beteiligen.

  • Ich habe auch eine Bu abgeschlossen.
    War 17 Monate Berufsunfähig. Jetzt vor Gericht: Versicherung behauptet falsche Angaben emacht zu haben.
    Police erstgekündigt und dann für nichtig erklärt.
    Erste Gerchtverhandlng:Zeugen und Arzt angehört. MirRcht gegeben und wieder aufnahm der Police und einen vergleich.
    Streitwert 17.000€ mitlerweile bei 12000€ und Richter meint 10000€ oder weniger, trotz Bestätigung der richtigkeit meiner Angaben. Jetzt soll Gutachten erstellt werden, 2500€ soll ich in Vorkasse gehen. Habe meinen Job verloren. Was ist das für Rechtsprechung.
    Verzögerungstaktik und mürbemachen und hoffen das das Geld ausgeht.

  • Na super, da beschäftigt man sich mit dem Thema Berufsunfähigkeit mal und erhält von allen Seiten unterschiedliches Feedback. Die meisten Menschen sagen, eine BU Versicherung wäre super wichtig und ohne geht es gar nicht, selbst seriöse Quelle wie WISO vom ZDF ( siehe http://www.berufsunfaehigkeitsversicherung-testsieger.de/bu-sinnvoll ) unterstreichen die Wichtigkeit dieser Versicherung. Doch was nutzt mir das Ganze wenn ich nach 30 Jahren feststellen muss, meine Police zahlt nicht, weil ich als Laie irgenwas übersehen habe? Sowas kanns doch echt nicht sein...Wenn ich mir dann den Kommentar vom "Betroffenen" anschaut wird mir echt schlecht...Da hätte man sich das Geld auch sparen können!

    @Mindestversorgung
    Finde ich eine super Idee! Würde vieles einfacher machen und wäre wohl im Schnitt billiger.

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