Versicherungen
Abschied vom Garantiezins

Niedrigzinsen machen Versicherern zu schaffen. Deshalb bietet die Allianz erstmals auch Lebensversicherungen ohne lebenslangen Garantiezins an. Der Konzern sieht darin einen Fortschritt. Kritiker sind anderer Meinung.
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MünchenDeutschlands größter Versicherer Allianz bietet künftig erstmals eine Lebensversicherung ohne lebenslangen Garantiezins an. Damit reagiert das Unternehmen auf die derzeit niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten.

Der Konzern sieht darin einen Fortschritt: Durch den Verzicht auf die Mindestverzinsung könne man die Beiträge der Kunden flexibler anlegen, erklärte das Unternehmen. Damit erhielten die Kunden die Chance auf höhere Renditen. Das neue Produkt gewährleiste zudem wie klassische Lebensversicherungen den Erhalt der eingezahlten Beiträge bei Tod oder Rentenbeginn sowie die vereinbarte Mindestrente. Kritiker halten das für Produktwerbung und betrachten die neue Versicherung eher als Rückschritt.

„Perspektive“ heißen die Neuschöpfungen, die die Allianz parallel zu den klassischen Lebensversicherung anbietet. Mehr Rendite versprechen sie jenen Kunden, die sich von einem Garantiezins - aktuell nur noch 1,75 Prozent - nicht mehr locken lassen. Das Markenzeichen der deutschen Lebens- und Rentenversicherung, einen lebenslang garantierten Zins, bietet die „Perspektive“ nicht mehr.

„Es gibt gerade in Niedrigzinsphasen die Neigung, mehr Risiko zu nehmen“, sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber am Freitag. Die Allianz erhofft sich für seine neue Produktlinie rasch einen beträchtlichen Anteil am Neugeschäft. „Wir werden sicher irgendwann kopiert, werden aber für ein halbes oder ein Jahr allein damit bleiben“, sagte Faulhaber. Der Rivale Ergo vertreibt seit Anfang des Monats zwar ebenfalls eine Lebensversicherung ohne dauerhafte Zinsgarantie, das Konzept ähnelt jedoch einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Anbieter wie Zurich (Deutscher Herold) sind bereits ganz aus der klassischen Lebensversicherung ausgestiegen.

In den 1990er Jahren war selbst ein Garantiezins von vier Prozent für die Versicherer eine leicht zu überspringende Hürde - bei Zinsen auf deutsche Staatsanleihen von sieben und mehr Prozent für ihre Anlagen. „Heute sind die Garantien für die Anbieter eine große Herausforderung - und viele Kunden wissen sie nicht mehr recht zu schätzen“, sagt Lars Heermann von der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata. „Der Anbieter muss stärker ins Risiko gehen, um die Garantie zu verdienen - aber dieses Risiko muss mit Kapital unterlegt werden.“ Im Schnitt liegt der Garantiezins wegen der vielen Altverträge unter den 90 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland noch immer bei 3,2 Prozent.

Kommentare zu " Versicherungen: Abschied vom Garantiezins"

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  • ja gibt es - die Versicherungen sind zu jährlichen Standmitteilungen verpflichtet. Das reicht nicht nur, um die jährliche Verzinsung zu berechnen, mit Spezialsoftware wie klv-check lässt sich die Beitragsrendite über die gesamte Laufzeit bestimmen.. Selbst Hochrechnungen bis zum Ablauf der Versicherung spuckt dieses Kleinod aus - für nicht mal 25€ bei Amazon für jeden Versichungsnehmer ein klares Muss!

  • Huch, dann fällt ja das Hauptargument der Miegels, Börsch-sUpans und Maschmeyer-Rürups weg, dass private und kapitalgedeckte Vorsorge IMMER eine bessere Rendite einfahren, als das doofe Umlageverfahren.
    Liebe Riester-Sparer, fragt Ihr Euch nicht, warum ein System, dass an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung anknüpft (Umlageverfahren), schlechter sein soll, als eines, das auf die Fähigkeiten eines Fondsmanagers und die Risiken des Kapitalmarkes baut?

  • Wer sehen kann ist klar im Vorteil! http://www.youtube.com/watch?v=5s1QF8A5TdI

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