Versicherungen: „Bei jeder dritten Police droht die Ablehnung“

Versicherungen
„Bei jeder dritten Police droht die Ablehnung“

In den Policen der Deutschen schlummern ungeahnte Risiken, erklärt Versicherungsberaterin Angela Baumeister. Warum die meisten Kunden falsche Angaben machen, was Tricksern droht und wie Versicherer Betrügern nachstellen.
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Frau Baumeister, als Versicherungsberaterin kennen Sie die alle Tücken beim privaten Schutz. Welche Risiken stecken in den Policen der Deutschen?
Es gibt viele Risiken wie etwa kundenunfreundliche Klauseln oder zu geringe Deckungssummen. Das größere Problem sind aber nicht die Versicherer, sondern die Kunden selbst.

Wie bitte?
Die Versicherte machen häufig falsche Angaben zu ihrer Person. Und das bei Policen, die gegen existentielle Risiken wie Invalidität, Krankheit oder Hinterbliebenenschutz im Todesfall absichern. Damit verletzten sie die vorvertragliche Anzeigepflicht, verschweigen etwa, welche Vorerkrankungen sie haben. In den meisten Fällen geschieht das natürlich unbeabsichtigt und aus Unkenntnis.

Wie häufig kommt so etwas vor?
Nach meiner Erfahrung sind die Angaben der Versicherten in 70 Prozent der bestehenden Berufsunfähigkeits- und Privaten Krankenversicherungs-Policen fehlerhaft. In jedem dritten Fall könnte das im Ernstfall eine Ablehnung der Leistungen rechtfertigen.

Welche Auswirkung haben falsche Angaben?
Im Leistungsfall prüfen die Versicherer als erstes die Angaben der Kunden. In vielen Fällen bestehen gute Chancen auf Ablehnung. Das ist tragisch: Bei Berufsunfähigkeit droht sozialer Abstieg. Privat Krankenversicherte stehen zeitweise ohne Schutz da, müssen dann im teuren Basistarif reduzierte Leistungen oder Abweisungen von Ärzten hinnehmen.

Warum tun sich die Deutschen so schwer bei den Angaben zu ihrer Person?
Das ist schon erstaunlich, da diese Policen vor allem Akademiker abschließen, die sich der Ernsthaftigkeit der Fragestellung und der Folgen bewusst sein müssten. Einerseits werden Fragen nicht ernst genommen, obwohl die Versicherer deutlich auf die Folgen hinweisen. Andererseits können Laien die Fragen oft nicht beantworten. Jeder Versicherte hat eigene Formulierungen in den Verträgen. Außerdem gibt es Probleme bei dem Verständnis der Begrifflichkeiten. Kennen Sie etwa den Unterschied zwischen Beschwerden, Gesundheitsschäden, Befindlichkeitsstörungen, Anomalien?

Kommentare zu " Versicherungen: „Bei jeder dritten Police droht die Ablehnung“"

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  • Link zu Thema:

    http://www.frag-einen-anwalt.de/Verjaehrung-vorvertraglicher-Anzeigepflicht,-BU-__f132146.html

  • Schade, hatte schon gehofft, das vlt jemand antwortet..

  • Das würde mich aber auch mal interessieren.

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