Versicherungen
Berater-Provisionen - ein Auslaufmodell?

Die Politik greift das Honorarsystem der Versicherer an. Statt Provisionen sollen künftig direkte Beratungshonorare bezahlt werden. Die Branche reagiert entsetzt und warnt die Bundesregierung vor "Übereifer" aus falsch verstandenem Verbraucherschutz.

FRANKFURT. Zum Entsetzen der Versicherer stellt die Politik die Bezahlung der Vertreter mit Provisionen in Frage. Verschiedene Bundesministerien unterstützen Forderungen von Verbraucherschützern, dass Versicherungskunden künftig dem Berater direkt ein Honorar zahlen sollten. Die Versicherer wehren sich vehement gegen Eingriffe in ihr Vergütungssystem. "Es ist völlig unrealistisch zu glauben, die Verbraucher würden in Massen künftig aktiv Honorarberater aufsuchen", sagte der Präsident des Branchenverbandes GDV, Rolf-Peter Hoenen, gestern in München.

Bisher bekommen Versicherungsvertreter in der Regel Provisionen, wenn ein Kunde einen Vertrag abgeschlossen hat. Viele Verbraucherschützer lehnen das ab, weil Provisionen häufig zu Falschberatung führten - der Vertreter verkauft die Police, die ihm am meisten Provision bringt, so der Vorwurf. Der Wettbewerb gehe nicht um die besten Produkte, sondern um die höchste Provision, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Zahle der Kunde dagegen ein festgelegtes Honorar, dann werde er besser beraten.

Hoenen warnte die Politik vor "Übereifer" aus falsch verstandenem Verbraucherschutz. Plötzlich werde die in der Versicherungswirtschaft übliche Provisionsvergütung in Frage gestellt und der Honorarberatung als Lösung aller Probleme das Wort geredet. Das gehe an der Lebenswirklichkeit vorbei, weil die Menschen keine Stundenhonorare von 100 Euro oder mehr zahlen würden. Die meisten müssten sensibilisiert werden, anderenfalls würden sie viele Risiken gar nicht versichern.

Unterstützung fand Hoenen in der Fondsbranche. BVI-Verbands-Präsident Wolfgang Mansfeld sagte, für Banken, Versicherungen und Finanzvermittler müsse es möglich sein, ihre Arbeit durch Provisionen der Produktgeber zu finanzieren. Der Berater dürfe aber nicht vom Provisionssystem gesteuert werden. Die europäische Finanzmarktrichtlinie schreibe das klar vor. Wenn das zum Standard gemacht werde, müsse man Honorarberatung nicht gezielt fördern.

Ein Anhänger von Honoraren ist dagegen Mathias Bauer, Präsident des europäischen Fondsverbands EFAMA und Chef des österreichischen Fondshauses Raiffeisen Capital Management. Die aktuelle Diskussion sei ein "großer Schritt in die richtige Richtung". Bisher gibt es jedoch nur wenige hundert unabhängige Vermögensberater. Deren Interessenvertreter setzen wie Nauhauser auf die Politik in Berlin. Dort finden sie starke Unterstützung im Verbraucherschutz- und Justizministerium.

Das macht die Finanzbranche nervös. Ungewohnte Aufmerksamkeit fand etwa eine Broschüre aus dem Arbeitsministerium mit Tipps für Sparer. Der Präsident des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute (BVK), Michael Heinz, schimpfte darüber in einem Brief an Arbeitsminister Olaf Scholz: "Es ist für mich unverantwortlich, dem Verbraucher gegenüber den Eindruck zu vermitteln, dass jeder Versicherungsvermittler ein Gauner sei, dem nicht nur Eigennutz zu unterstellen ist, sondern dann, wenn er seine Provisionen nicht offenlegt, ?noch mehr zu verbergen? habe."

Auch Hoenen warnte, Vertreter mit einem Negativimage zu belasten. Nur wegen einiger Übertreibungen in der Branche dürfe nicht das gesamte System stigmatisiert werden.

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