Versicherungen: Der Club der Hundertjährigen

Versicherungen
Der Club der Hundertjährigen

Werden Deutsche bald uralt? Die Versicherer glauben das. Schließlich müssen Menschen, die länger leben, auch mehr vorsorgen. Wie die Branche ihre Kundschaft aufs Älterwerden einstimmt und dabei den Bogen überspannt.
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DüsseldorfDie älteste Frau der Welt ist gerade 115 Jahre alt geworden. Die Japanerin lebt in einem Altenheim und rät: „Achte auf deine Gesundheit.“ Das könnte auch der Tipp eines Versicherers sein. 

Die Branche liefert regelmäßig Argumente für Vertreter, die noch mehr Pflege-, Unfall- und Lebensversicherungen verkaufen sollen. Verbraucherschützer wissen nur zu gut, warum: „Ähnlich wie die Kosmetikindustrie mit ihren Anti-Aging-Produkten hat auch die Versicherungsbranche die reiferen Kunden als neue Zielgruppe entdeckt, mit der sich trefflich Geschäfte machen lässt“, stellt die Zeitschrift „Öko-Test“ fest.

Auf Kunden prasselt daher bereits seit Jahren eine Flut an Informationen nieder. Die Informationswut der Branche nimmt dabei gelegentlich sogar skurrile Züge an, wie etwa auf der Hauptversammlung der Allianz im Jahre 2008. 

Mit einer Kopie der „Bild“-Zeitung sorgte der Konzern dort für Furore. „Wir leben bald bis 150!“, war in großen Buchstaben zu lesen. Der Satz wurde dem Zukunftsforscher Peter Schwartz zugeordnet. „Unsere Generation wird es schaffen, 120 zu werden, unsere Kinder steuern schon die 150 an.“ Und euphorisch, wie Amerikaner eben oft sind, fügte Schwartz hinzu: „Großartige Sache!“ 

Sicher, das Problem ist bekannt: Die Bevölkerung in den Industrieländern wird im Schnitt älter, vor allem weil weniger Kinder geboren werden und die Gesundheitsversorgung besser geworden ist. Die Zuwanderung kann das teilweise ausgleichen. Daher lag im Jahr 2010 das durchschnittliche Alter der Deutschen bereits bei knapp 44 Jahren. 

Fakten, die für Versicherungsvertreter eine Steilvorlage darstellen. Getreu dem Motto: „Liebe Leute, seid vorsichtig und sorgt rechtzeitig vor – damit ihr im Alter auch genug Geld habt.“ Aber damit die Kunden wirklich zugreifen beim Vertreter, müssen sie natürlich bereit dazu sein. 

Kommentare zu " Versicherungen: Der Club der Hundertjährigen"

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  • es ist zum kotzen der staat bankrott weiss nicht wo er geld für das land aufbringen soll . unsere zukunft un die unsere kinder liegt darnieder . es werden wieder mrd in sinnlose scheisse ( wie aktuell rüstung ) investiert . geld wird immer weniger wert . ich muss imme rmehr vorsorgen , verdiene immer weniger , muss immer mehr steuern bezahlen usw... und wie soll das weistergehen ??? wann steht das volk endlich auf und mault ... NIEMALS denn die etablierten parteien werden das schon verhindern . mit immer neuen versprechungen die das dumme volk immer wieder glaubt . immer und immer wieder . es wird niemals enden und wir werden ärmer und ärmer

  • inzwischen haben auch schlichte Gemüter mitbekommen, dass unsere Gesellschaft älter wird. Nur die Politik ingnoriert
    dieses Thema in der Vorsorge. Verantwortungsvolle Bürger haben schon sehr früh an die finanzielle Altersicherung gedacht. Warum werden Alters Rücklagen wie Wertpapierdpots rigeros besteuert? Warum müssen Bürger die weit über 65 Jahre sind Steuerklärungen abgeben?
    Wer hierzulande Eigenvorsorge betreibt wird vom Fiskus bestraft mit saftigen Steuern, wie der Abgeltungssteuer, belastet.

  • Es ist ein Kreislauf: Versichertengelder verpulvert durch schlechte Anlagen, auch in Krisenländern, andererseits Bewertungsreserven nicht auszahlen und Lebenserwartung erhöhen. Dadurch ist die Rechtfertigung gegeben, daß mehr Beitragsanteile in die Risikovorsorge fließen müssen und ergo den Versicherungsnehmern vorenthalten werden. Der nächste Schritt wäre der Wegfall aller Risikozuschläge für Raucher, Übergewicht etc., damit vom vorzeitigen Ableben Gebrauch gemacht wird. Ad multos annos !

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