Versicherungen
Freibrief für Vertreter

Was darf der Versicherungsvertreter? Muss er Auskunft über seine Vergütung geben? "Nein" sagen die Konservativen im Europaparlament. Die Grünen halten dagegen. Der Streit erreicht die deutschen Wohnzimmer.
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DüsseldorfViele Verbraucher sind überfordert. Sie blicken bei ihren Versicherungen nicht durch und fühlen sich oft über den Tisch gezogen. Von den Versicherungen und den Vermittlern werden sie zum Teil mit Informationen überschüttet, doch einordnen können sie den Informationswust nur selten.

Auch im Europaparlament ist das angekommen. Doch die Abgeordneten ziehen daraus ganz unterschiedliche Schlüsse. Während die eine Seite den Verbrauchern mehr Rechte geben will, glaubt die andere Seite, dass dies gar nichts bringt.

Für die gegensätzlichen Positionen stehen exemplarisch der Abgeordnete der Grünen, Sven Giegold, und der CDU-Politiker Werner Langen, ein alter Hase unter den Europa-Politikern. Seit 1994 ist er im Econ-Ausschuss, der zuständig ist für die europäische Wirtschafts- und Geldpolitik, die Steuer- und Wettbewerbspolitik, den freien Kapitalverkehr sowie die Regulierung von Finanzdienstleistungen.

Aktuell werden dort gerade neue EU-Regeln für Versicherungsvermittler diskutiert. Doch was der Konservative Langen zuletzt vorgeschlagen hat, gefällt dem Grünen Giegold ganz und gar nicht. „Die Änderungen des Berichterstatters Werner Langen in seinem Berichtsentwurf gegenüber dem Kommissionsentwurf erodieren Transparenz und Maßnahmen gegen Interessenskonflikte und damit den Verbraucherschutz in erheblichem Maße“, lautet seine Grundsatzkritik.

Langen wehrt sich dagegen. Das sei nicht richtig, erklärte er auf Anfrage von Handelsblatt Online. Vielmehr habe er mit seinen Vorschlägen eine Überbürokratisierung abwenden wollen. Außerdem wolle er eine „sinnvolle und notwendige Transparenz“ für Kunden.

Transparenz für Verbraucher, aber wie? Der Grünen-Politiker Giegold versteht darunter etwas völlig anderes als der CDU-Mann. Langen streiche sehr einseitig alle wichtigen Verbraucherschutzvorschriften im Richtlinienentwurf der EU-Kommission, erklärte er.

Der CDU-Politiker wolle keine Binnenmarktstandards für Kunden. In drei Bereichen verändere er die Gewichte zulasten der Kunden und zugunsten der Versicherer: bei den Auskunftsrechten für Kunden, den Regeln für Kopplungs- und Bündelungsgeschäfte sowie den Regeln für Versicherungsvermittler.

Kommentare zu "Freibrief für Vertreter"

Alle Kommentare
  • Die Verbraucher wollen beste Informationen zum Nulltarif.
    Der Vermittler muß leben können von seinen Provisionen.
    Ein Spannungsfeld.?
    Besser wäre, wenn der Verbraucher sich einen Vermittler kommen läßt und diesen auch für seine gute Beratung bezahlt. ( Honnorar). Dann kann er entscheiden, ob er sich einen anderen auch noch kommen läßt, im Internet ohne Beratung abschließt oder seinem Berater vertraut.

  • hallo,

    ich möchte nur zu dem "pokern sie um die provision" stellung nehmen - welch ein vorschlag - nun sind wir im bazar angekommen - die bestandsvergütungen der makler sind in den meisten fällen gar nicht kostendeckend! nehmen sie die hausrat-, haftpflicht-, glas-, hunde-, vereins-, und kfz- versicherung - usw. also die alltagssachversicherungen
    hier ist die umfassende beratung genauso wichtig wie bei den anderen versicherungsarten- und als makler haften wir für jede fehlauskunft! also solche vorschläge sollten sie sein lassen - mfg rainer smieskol

  • Es ist schon merkwürdig was für Positionen hier vertreten werden.
    Zum einen Langen völlig Recht wenn er eine Überfrachtung der Versicherten feststellt. Es gibt keinen Grund anzunehmen das die Versicherten die Hinweise lesen, wenn sie es ohnehin schon jetzt nicht tun.
    Die jüngsten Regeln zur Vermittlung und dem schriftlichen Beiwerk kann man nur eine Katastrophe an Sinnlosigkeit nennen.
    Letztlich ist das Ganze ein Wettbewerbs- und Aufsichtsproblem, das kaum durch ein halbes duzend zu unterschreibende Formulare zu lösen ist und so nur auf den Kunden abgewälzt wird.
    die abgelehnten Auskunftspflichten kann ich zum Teil nachvollziehen, schließlich geht es niemanden etwas an, wie hoch der Verdienstanteil ist, vor allem weil hier immer wieder manipulierende Darstellungen kursieren.
    Wie z.B. in der obigen Aufstellung, wo nur die Lebenversicherung jenseits ihrer Bezugsgröße dargestellt wird auf den niedrigen Beitrag, statt die reale Bezugsgröße Versicherungssumme.
    Außerdem wäre die Darstellung der Spannweite von bis seriöser gewesen.
    Weniger gefällt mir die Ablehnung der Information über gewisse Vertriebsvorgaben, die die Berater unter ziemlichen Verkaufsdruck setzen wobei es wohl besser wäre diese grundsätzlich zu verbieten. Ob das wirtschaftlich realistisch ist, ist dabei eine völlig eigene frage, die keiner beantwortet.

    H.

  • WoOs
    Die selbsternannten Verbraucherschützer, wie Herr Giegold, wollen sich nur porfilieren. Sie wissen selten, was der Verbraucher wirklich will. Was der Vermittler verdient interessiert die wenigsten Kunden und es ist auch vollkommen unwichtig. Entscheidend sind die Gesamtkosten eines Produktes und was dabei herauskommt aber nicht wer was bekommt. Der bürokratische Aufwand ist seit der Vermittlerreform 2007 bereits untragbar hoch und darf auf keinen Fall noch erweitert werden. Transparenz ja, aber die muss von Seiten der Initiatoren bzw. Versicherungen kommen. Von klaren, kurzen und verständlichen Prospekten bzw. Bedinungen hat der Kunden mehr als von einem Pseudoverbraucherschutz, den keiner mehr versteht.Zudem gehören die Produkte viel besser kontrolliert. Probleme gibt es doch nur dort, wo etwas schief läuft und dann sind es plötzlich die zu hohen Kosten. Man sollte auch den großen Drückergruppen viel besser auf die Finger schauen. Die auf Abschluss gedrillten Berater haften meist nicht selbst und die Gruppen drücken bei fraglichen Geschäften beide Augen zu. Selbständige Vermittler oder Makler beraten in der Regel fair, weil sie ihr Geschäft auf Dauer auslegen und auch dafür haften. Nur werden genau die immer weniger, wenn man das Geschäft weiterhin erschwert.

  • Was die Politik, in Form des Europaparlamentes, da diskutiert, ist eine Stärkung der Feuerwehr.
    Wär es nicht viel sinnvoller über Brandschutz nachzudenken?
    Wieso schaffen wir es in Deutschland nicht, zumindest in den letzten beiden Schuljahren ein Fach "Finanzen" einzuführen???
    Ein Abiturient kennt den Aufbau einer Zelle, hat aber mit 18 Jahren noch nie etwas von einer Haftpflichtversicherung gehört - das ist ein Unding, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich mit Verlassen des Elternhauses oder Schule, das halbe Leben nur noch um Geld dreht.
    Bevor man den Vermittlern und Maklern weiter in die Taschen greift und mittlerweile einen unmenschlichen Arbeitsaufwand anlastet, wäre es doch viel sinnvoller den Verbraucher endlich mündig zu stellen.
    Ich bin es leid, dass mir seit 2006 jährlich ins Portomonaie gegriffen wird, weil sich irgendwelche Fachfremde Gedanken über unsinnigste Aufklärungs- und Dokumentationsprozesse machen. Was glauben denn die Gesetzesschreiber, was ein Kunde mit einem 100seitigen Emmissionsprospekt oder einem achtseitigen Beratungsprotokoll macht - er schmeisst es in die blaue Tonne, da er weder Lust noch Zeit hat es zu lesen, geschweige denn verstehen wird. Staat und Versicherer werden sich noch umschauen, wenn immer mehr unabhängige Vermittler vom Markt verschwinden.

  • @ Agenutr2000

    Man kann es einfach nicht deutlicher sagen! Sie haben vollkommen Recht. Es erschüttert mich zutiefst welche Qualität der Berichterstattung unsere Medien haben. Polemik weiter nichts. Im volksmund würde man sagen: einfach DÜNN!

    Wer glaubt nur weil der Vermittler zu viel oder zu wenig Courtage erhält sei das Problem der gibt offenkundig zu, dass er keinerlei Sachverstand für diese Materie beweist. Ebenso wenig wissen unser Politiker im Kern um was es geht.

    Jeder langjährige Vermittler weiß dass selbst mehrerer Tausend Euro für einen Abschluss schwer verdient sind und mindestens gerechtfertigt! Aber das können nur wirkliche Fachleute die Ihren Beruf kennen und die Branche seit Jahren studieren beurteilen.

    Diese Art der Berichterstattung ist äußerst befremdlich!

  • (Teil 2, da auf 200 Zeichen limitiert)
    Es gibt diesen einen richtigen Weg auch nicht. Vielmehr ist es wichtig, dass man überhaupt etwas für seinen späteren Altersweg macht. Wenn man nun die Menschen so verunsichert, dass Sie lieber gar nichts machen und ihr Geld konsumieren, dann hilft das zwar dem derzeitigen BIP, aber langfristig gesehen ist es eine Katastrophe.

    Sie sollten sich schämen für das was Sie und Ihre Kollegen zZt. anrichten. Sie sollten vielleicht einmal in den Spiegel schauen und sich fragen, ob das was Sie machen eigentlich Verbraucherfreundlich ist.
    Im übrigen finde ich es sehr befremdlich, welche Vorschläge Sie den Kunden für eine bevorstehende Versicherungsberatung empfehlen. Wieso glauben Sie sich das Recht raus zu nehmen, mich über meinen Verdienst befragen zu dürfen und darüber hinaus noch die Frechheit zu besitzen, etwas von meinem Einkommen abverlangen zu dürfen. Habe ich den Kunden beraten und damit einen unternehmerischen Aufwand gehabt und trage ich das unternehmerische Risiko und die Verantwortung meinen Mitarbeitern und meiner Familie gegenüber oder Sie als exemplarischer Kunde.

    Ihr Artikel und Ihre Kommentare führen bei mir wirklich nur zu Kopfschütteln und Erschrecken. Sie haben jeglichen Respekt zu einer wichtigen Berufsgruppe in Deutschland verloren und Sie scheren (weil es ja so schön populär ist) alle über einen Kamm und vergessen dabei, dass der Großteil der Kunden sehr zufrieden ist und gut von seinem Ansprechpartner/Betrater/Vermittler etc. beraten wird.

    Ich hoffe sowohl Sie als Autoren in Deutschland, als auch die Verbraucherzentralen in Ihrer Funktion begreifen endlich, dass Sie eine gesellschaftliche Verantwortung haben und diese sehr einseitige Berichterstattung und Meinungsäußerung nur zu Verunsicherung und Schlechterstellung der Menschen führen wird.
    Sie sollten anfangen, die Diskussion auf einer anderen Ebene zu führen.

  • Es ist wirklich sehr schade, dass in Deutschland eine sehr einseitige Berichterstattung zu diesem Thema geführt wird.
    Insbesondere die unsagbar mangelhafte Recherche der Autoren ist erschreckend.
    95% der Versicherungsvermittler in Deutschland machen einen guten Job und beraten Ihre Kunden auf Langfristigkeit aus. Alles andere währe auch Unsinn, denn in diesem Job überlebt man nur, wenn man seine Kunden aufrichtig und ehrlich berät. Ausnahmen der Regel gibt es mit Sicherheit und wird es in Zukunft auch immer geben, aber wir reden doch über die Mehrheit und nicht über Einzelne, oder?
    Von mir aus können Sie sämtliche Abschlussprovisionen verbieten und nur noch Bestandspflegeprovisionen für die Betreuung der Kunden zahlen. Dann hätte dieses sehr einseitig diskutierte Thema hoffentlich sein Ende gefunden.

    Leider ist es so, dass junge (neue) Kollegen mit nicht auskömmlichen Kundenbeständen versorgt werden und so ohne die Abschlussprovisionen nicht überleben könnten.
    Bedenken Sie bei Ihren Argumenten aber bitteschön auch, dass es in Deutschland bereits jetzt eine um ein vielfaches höhere Altersarmut geben würde, wenn wir Versicherungsvermittler unsere Kunden nicht auch auf das Thema Altersversorgung beraten hätten und unsere Kunden keine Lebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen hätten.

    Sie als Autoren von Artikeln zum Thema Versicherungen, Provisionen und Altersversorgung sollten sich endlich Ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Menschen in diesem Land bewusst werden. Sie recherchieren erbarmungslos polarisierend in eine zZt. populäre Ecke hinein und vergessen dabei völlig, dass Sie die deutschen Mitbürger aufs letzte verunsichern und heutzutage kaum noch ein Kunde weis was nun das richtige für ihn sein soll.
    (Ende Teil 1, da Text auf 2000 Zeichen limitiert)

  • Hallo Herr Schmitt, Sie haben einen ganz wesentlichen Punkt in der Debatte bei den Provisonen vergessen. Jeder Vermittler haftet 60 Monate (also pro Rata 1/60) für die vorschuessig ausgezahlte Provision. Das bedeutet, dass der Vermittler 5 Jahre=60 Monate haftet. So erhaält der Vermittler einen Storno von 80%, wenn der Kunde nach einem Jahr kündigt. Mit ist keine andere Branche bekannt, die solange haftet. Herr Schmitt wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Gehalt vom Handelsblatt aus dem z.B. Monat 11/2009 storniert wird? Bitte zukünftig sehr sorgfältig recherchieren und keine pauschalen Halbwahrheiten tätigen.

  • Sehr geehrte Damen und Herrn vom Handelsblatt,
    auch Sie veröffentlichen Anzeigen gegen Geld.
    Auch Sie haben Mitarbeiter, die für die Anwerbung von Anzeigen Provisionen bekommen.
    Auch Sie konkurrieren bei Anwerbung von Anzeigen mit anderen Medien.
    Ferner arbeiten Ihre freiberuflichen Autoren ja auch noch für andere Unternehmen.
    Hier kann natürlich leicht der Verdacht aufkommen, dass Sie mit entsprechend geneigter Berichterstattung gegen Ihre Leser und für Ihre Anzeigenkunden agieren.
    Um diesen Verdacht zu zerstreuen veröffentlichen Sie doch bitte, wie viel Ihre jeweiligen Anzeigenkunden tatsächlich zahlen, wie viel Provision Sie ausschütten und aus welchen weiteren Quellen Ihre Journalisten und Mitarbeiter Einkommen generieren.
    Wenn ich nun schon mein Einkommen offen legen soll, warum sollten Sie, die doch eine wesentlich größere Reichweite haben, dies nicht auch tun?

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