Versicherungen für Führungskräfte: Prämien für Manager-Policen von Bankern explodieren

Versicherungen für Führungskräfte
Prämien für Manager-Policen von Bankern explodieren

Die Prämien für Haftpflichtpolicen für Top-Manger steigen. Grund sind die zahlreichen Prozesse wegen angeblichen Fehlverhaltens im Amt. Die Versicherungssummen steigen. Warum Policen für Banker besonders teuer sind.
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FrankfurtThomas Middelhoff landete vor Gericht. Ebenso wie Christopher Freiherr von Oppenheim oder der HSH-Nordbank-Vorstand Dirk Jens Nonnenmacher. Vorstand ist heutzutage ein riskanter Job. Eine missglückte Übernahme, die Unterschrift unter eine Steuererklärung oder die Verfehlungen eines Untergebenen können ausreichen, um einem später den Prozess zu machen.

Auch Aufsichtsräte, die eine unglückliche Entscheidung abgesegnet haben, können schnell vor Gericht landen. Die Summen, die von den Top-Managern dann bei Zivilprozessen gefordert werden, übersteigen ihr Vermögen meist um ein Vielfaches - eine Milliarden-Strafe der Aufseher kann auch ein gut verdienender Konzern-Chef nicht aus eigener Tasche begleichen.

„Drohte Unternehmensleitern bei Managementfehlern in der Vergangenheit allenfalls die Entlassung, sind heute Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe an der Tagesordnung“, konstatiert der Versicherungs-Makler Marsch. Das Bedürfnis von Managern und Unternehmen, sich abzusichern, ist deshalb massiv gestiegen. Besonders in der Bankenbranche, in der es eine Vielzahl von Prozessen wegen Verfehlungen vor und während der Finanzkrise gab, haben Versicherungen für Directors & Officers (D&O) stark an Bedeutung gewonnen.

Die Geldhäuser, die die Beiträge für die D&O-Versicherung selbst bezahlen, sicherten bei den Assekuranzen immer höhere Schäden ab, sagt Marcel Roeder vom weltgrößten Versicherungs-Makler Aon. „Bei größeren deutschen Geldhäusern sind Deckungssummen von 200 bis 250 Millionen Euro heute keine Seltenheit mehr, vor der Finanzkrise waren es zum Teil lediglich 75 Millionen Euro.“

Assekuranzen zahlen diese Summe in der Regel maximal einmal pro Jahr aus. Am höchsten liegt die Summe hierzulande Finanzkreisen zufolge mit 500 Millionen Euro bei der Deutschen Bank. Deutschlands größtes Geldhaus steht wegen einer Reihe von Skandalen im Visier der Behörden - unter anderem wegen Steuerhinterziehung, der Pleite des Medienkonzerns Kirch und der Manipulation von Referenzzinssätzen.

Wegen solcher Fälle gehen die Beiträge für D&O-Versicherungen durch die Decke. „Bei den Banken sind die Preise seit der Finanzmarktkrise um 20 bis 40 Prozent gestiegen“, sagt Roeder. „Am unteren Ende liegen risikoarme, regionale Institute wie die Sparkassen, am oberen Ende global tätige Investmentbanken.“ Eine mittelgroße Bank mit konservativem Geschäftsmodell und einer Bilanzsumme von 200 Milliarden Euro muss Branchenkreisen zufolge derzeit eine Prämie von ein bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr berappen, um Schäden bis 250 Millionen Euro abzusichern.

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  • Was man so selbst mit Banken erleben kann - an die sechstausend Euro für Nichts Gebühren im Jahr - ist schon jenseits der Kriminalitätsgrenze, jedenfalls für ein normales Konto ohne wesentliche Bewegungen.

    Dort scheinen sich in der Tat mehr Verbrecher zu tummeln als sonstwo.
    Die anstehenden Klage stören sie nicht, denn beim Urteil sind sie längst fort - und es trifft wieder mal andere.

    Dies Entkoppelung von schadenstiftender Handlung und Haftung muß aufgehoben werden. Sie müssen persönlich haften - auf viel Jahre.

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