Versicherungen
Hat Tchibo gesetzeswidrig Versicherungen vermittelt?

Bei Tchibo gibt es nicht nur Kaffee. Das Hamburger Unternehmen empfiehlt seinen Kunden auch den Abschluss von Versicherungen. Damit könnte bald Schluss sein, ein Verein verklagt den Einzelhändler. Tchibo erfülle nicht die Standards eines Versicherungsvermittlers. Was der Prozess für Kunden bedeuten könnte.

HB DÜSSELDORF. Das Geschäftsmodell gilt im Einzelhandel als vorbildlich. Tchibo verkauft längst nicht mehr nur Kaffee. Der Einzelhändler bietet neben Mode und Küchenartikeln auch Reisen, Blumen und Handys mit Tchibo-Tarif. Damit nicht genug: Auf seiner Internetseite bietet Tchibo auch Versicherungen des Kölner Direktanbieters Asstel feil. Beinahe das gesamte Angebot an Policen zur privaten Vorsorge und Risikoschutz steht auf der Tchibo-Seite - unter anderen Renten- und Kapitallebenspolicen, eine Rister-Rente, KfZ-, Hausrat-, Rechtsschutz- und Risikolebenpolicen.

Damit könnte bald Schluss sein. Der Verein Wirtschaft im Wettbewerb (WIW) verklagt Tchibo Direct beim Hamburger Landgericht: Tchibo erfülle in der Kooperation mit Asstel nicht die Bedingungen, die Vermittler beim Verkauf von Versicherungen erfüllen müssen. Der Einzelhändler sei nicht als Versicherungsvermittler registriert und damit auch nicht an Standards wie Informationspflichten, Mindestqualifikationen oder den Abschluss einer Police für Vermögensschäden gebunden.

"Es ist im Sinne des fairen Wettbewerbs nicht hinzunehmen, dass ein Unternehmen unter dem Deckmantel der Tippgeber-Eigenschaft im großen Stil Versicherungen an Endverbraucher vermitteln kann, ohne die erforderlichen gesetzlichen Vorgaben zu beachten", sagt WIW-Geschäftsführerin Viola Huber. "Die Informationspflichten dienen dem Schutz des Verbrauchers und sind von allen Versicherungsvermittlern einzuhalten". Laut WIW fehle dem Hamburger Unternehmen zudem eine Gewerbeerlaubnis zur Vermittlung anderer Finanzprodukte als Versicherungen.

Tippgeber oder Vermittler?

Tchibo selbst weist alle Vorwürfe zurück. Das Unternehmen sei kein Vermittler sondern ein Tippgeber. Tchibo stelle den Kooperationspartnern nur eine Vertriebsfläche zu Verfügung, über die der Kontakt zu Asstel hergestellt wird. Der Partner erfülle sämtliche rechtlichen Auflagen.

Mit einer ähnliche Begründung scheiterte jedoch bereits im Jahr 2008 der Einzelhändler Rewe beim Landgericht Wiesbaden. Damals erregte die Vermittlung von Versicherungen der Tochter Penny-Markt Anstoß. Konkurrent Aldi stoppte den Plan, den Kunden Versicherungen anzubieten.

"Wenn die gleichen Bedingungen wie bei Rewe erfüllt sind, hat die Klage Aussicht auf Erfolg", sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dann dürfte Tchibo keine Policen nach der bisherigen Methode mehr anbieten. Für Kunden, die bereits via Tchibo bei Asstel abgeschlossen haben, ändert sich dann allerdings nichts. "Die Policen haben Bestand, ein außerordentlicher Kündigungsgrund besteht nicht", sagt Weidenbach.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
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