Versicherungen: Mehr Schutz vor gierigen Vermittlern

Versicherungen
Mehr Schutz vor gierigen Vermittlern

Vermittler von Krankenversicherungen kassieren oft hohe Provisionen auf Kosten der Kunden. Die Bundesregierung will die Summen nun deckeln und Berater-Deals unattraktiver machen.

Berlin, FrankfurtDie schwarz-gelbe Koalition in Berlin will Fehlberatungen durch Versicherungsvermittler eindämmen und deswegen deren Provisionen beschränken. Der Finanzausschuss des Bundestages hat sich bereits über neue Regeln geeinigt. Künftig dürfen die Versicherer ihren Produktverkäufern nicht mehr so hohe Provisionen zahlen und müssen Überweisungen zeitlich strecken.

Insbesondere die Provisionen aus der Vermittlung von privaten Krankenversicherungen (PKV) sollen gedeckelt und im Vertrieb von Lebensversicherern eine Stornohaftung eingeführt werden. Private Krankenversicherer dürfen künftig nur noch maximal 3,3 Prozent der Bruttobeitragssumme des vermittelten Vertrags als Provision gewähren. Diese Deckelung entspricht einer durchschnittlichen Abschlussprovisionen von neun Monatsbeiträgen, wie Experten errechneten. In der Spitze wurde in der Branche bisher wesentlich mehr gezahlt. Vermittler sprachen von bis zu 18 Monatsbeiträgen. Das hatte die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen.

Mit den hohen Prämien wollen die Krankenversicherer die Gier der Berater anstacheln, damit diese den Konkurrenten Kunden abjagen. Verbraucherschützer kritisierten, dass diese Praxis den Versicherungsnehmer unangemessen belaste, da dieser die Provision mit den ersten Beiträgen allein zahlen müsse.

Künftig müssen die Aufseher auch auf Nebenabreden für Vermittler achten. So sollen geldwerte Vorteile auf den zulässigen Höchstbetrag angerechnet werden. Im Ergebnis hat die Koalition die zulässigen Abschlussprovisionen jedoch im letzten Moment noch etwas erhöht. In früheren Entwürfen war eine Deckelung von acht statt neun Monatsbeiträgen vorgesehen.

Auch in der Provisionspraxis der Lebensversicherer soll sich etwas ändern. Bisher ist der Anreiz recht hoch, Kunden in den ersten Jahren des Versicherungsverhältnisses einen Vertragswechsel zu empfehlen. Denn so kassieren Vermittler erneut Provisionen. Die Kosten der vorzeitigen Vertragskündigung trägt bislang jedoch der Kunde allein. Dies soll durch eine sogenannte Stornohaftung bekämpft werden. Wenn ein Vertrag auf Initiative des Kunden endet, muss der Vermittler einen Teil der Provision an den Versicherer zurückzahlen.

Vermittlerverbände hatten die Reform im Vorfeld scharf kritisiert. Wenn der Bundestag der Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagerechts in der kommenden Woche zustimmt, soll das Gesetz jedoch zum 1. April 2012 in Kraft treten. Dadurch bleibt Unternehmen Zeit, ihre Vermittlerverträge anzupassen.

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