Versicherungen und Provision
Auslaufmodell Provision?

Wer eine Versicherung kauft, bekommt in der Regel nichts ab von der Provision des Vermittlers. Doch Gerichte zweifeln an der uralten Regelung. Immer mehr Anbieter lassen es darauf ankommen – und geben Provisionen weiter.
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DüsseldorfGäbe es auch für die Versicherungsbranche ein Unwort des Jahres, der Begriff „Provision“ hätte es sicherlich bis weit oben in die Auswahl geschafft. Denn mit kaum einer anderen Sache mussten Deutschlands Vermittler sich in diesem Jahr so herumärgern, für kaum etwas anderes mussten sie in diesem Jahr so kämpfen wie für ihre Vergütung. Von allen Seiten hatten Gesetzgeber, Experten und Verbraucherschützer das Provisionsmodell attackiert.

Da gab es zum Beispiel die Forderung, dass Vermittler ihre Abschlussprovisionen offenlegen sollten. Eine Gesetzesinitiative im Sommer konnten die Vertriebler gerade noch stoppen, doch droht aus Brüssel in der Sache bereits neuer Ärger. Daneben versucht Verbraucherschutzminister Heiko Maas derzeit, mit viel Geld auch im Versicherungsbereich die Honorarberatung zu fördern. Vermittler und Kunde würden dabei ihre Vergütung selbst aushandeln – idealerweise würden die Versicherer Nettopreise für die Policen ausweisen. Auch dies ist ein indirekter Angriff auf die provisionsbasierte Vermittlung.

All das liegt den Vermittlern also im Magen. Doch es könnte noch schlimmer kommen. Denn jetzt versuchen auch Vermittler aus den eigenen Reihen, das gängige Provisionsmodell zu unterlaufen – und das nicht länger hinter vorgehaltener Hand. Genauer gesprochen missachten sie das sogenannte Provisionsabgabeverbot. Die Regelung aus den 1930er Jahre untersagt es Versicherungsvermittlern, „Sondervergütungen“ an Kunden weiterzureichen. Bis heute argumentieren Vermittler, dass sie nur so die Provisionen für Kunden stabil halten können.

Allerdings hegt mittlerweile auch die Rechtsprechung große Zweifel an der historischen Verordnung. Wolle man daran festhalten und in die Berufsfreiheit der Vermittler eingreifen, müsste man eigentlich viel klarer formulieren, urteilte das das Frankfurter Verwaltungsgericht Ende 2011. In der jetzigen Form sei das Verbot zu unbestimmt – und damit unwirksam (Az. 9 K 105/11.F). Die Richter gingen soweit, die Verfassungsmäßigkeit der Verordnung anzuzweifeln.

Zu einer höchstrichterlichen Entscheidung ist es allerdings nie gekommen. Die Aufsichtsbehörde Bafin, die das Provisionsabgabeverbot offiziell kontrolliert, hatte nach verlorenem Prozess auf eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht verzichtet. Vielleicht befürchtete sie, auch dort zu verlieren – damit wäre das Abgabeverbot offiziell vom Tisch gewesen. Stattdessen herrscht seither Rechtsunsicherheit. Von der Bafin hieß es im Anschluss an das Urteil nur, man wolle „Verstöße gegen das Provisionsabgabeverbot nicht ahnden.“

Seither nun sehen immer mehr Vermittler die Chance gekommen, es einfach einmal darauf ankommen zu lassen – und Kunden einen Teil des Provisionskuchens abzugeben. Für Kunden wird die Police dadurch günstiger, der Vermittler kann im Gegenzug auf Neukunden hoffen. Experten, die die Branche im Blick haben, berichten von immer mehr Angeboten im Netz, wo kleinere Vermittler anbieten, etwas von der Provision abzutreten. Andere Anbieter gehen offensiver vor.

Kommentare zu " Versicherungen und Provision: Auslaufmodell Provision?"

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  • Das sehen Sie völlig verkehrt! Der Makler(Ausschließlichkeit mal außen vor!) sondiert stetig den Markt für seinen Mandanten um ihn das beste Preis-/Leistungsverhältnis zu bieten. In der Regel handelt er auch noch Rabatte mit dem VU aus um die Prämie noch attraktiver zu gestalten (Übrigens auch Provisionsbelastend, aber egal!). Er unterstützt bei der Schadenbearbeitung (viele Schäden, die der Versicherte selber einreicht werden direkt abgelehnt!), er haftet für Falschberatung, er......das kann man beliebig lang fortsetzen!

    Mir ist es immer wieder ein Rätsel, warum ein ganzer Berufsstand pauschal diskreditiert wird und als "schwarze Schafe" beschimpft wird, nur weil er seine Arbeit macht! Meinen sie ernsthaft, wenn die Provisionen angeschafft werden, dann wird die Prämie günstiger? Nein, dann stopfen sich die Versicherer selber die Taschen mit dem Voll, was sie jetzt teilweise abgeben. Ich für meinen Teil möchte gar keinen Kunden haben, der mit mir um die Provision feilscht! Der soll lieber Basisangebote im Internet abschließen und im Schadenfall dann leer ausgehen!
    Wer billig kauft, kauft doppelt! Hat schon meine Oma gesagt! Stimmt immer noch!

  • Herr Müller, wie funktionieren Versicherungen aus ihrer sicht?das vu zahlt alle Schäden, der AD verkauft umsonst,und der VN bekommt Police und Kaffee umsonst? Wegen gierigen Kunde. Wie Ihnen,die zuerst einen Vermittler zu Rate ziehen,dann online bei Check 24 abschliessen, sich gegen jeden Beitrag sträuben und sich dann auch noch über die Beiträge aufregen? Wegen solchen discounter VNS konnten die schwarzen Schafe unserer Branche erst entstehen.

  • @auchstephan
    Sie sehen das nur aus ihrer Sicht als Vermittler.
    Aus Sicht des Kunden sieht das so aus: Wenn der Vermittler einen Teil der Provision abgibt, vermindert das die Kosten des Versicherungsnehmers. Wenn er Vermittler das nicht kann oder will, sind entweder seine Kosten zu hoch, oder er ist zu gierig. Ich sehe nur Vorteile für den Versicherungskunden.

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