Versicherungen
Verträge richtig durchforsten

Nicht immer bedeutet Masse gleichzeitig auch Klasse: Das gilt vor allem beim persönlichen Versicherungsschutz. Weil Gefahren überall lauern können, schließen viele Kunden gleich mehrere Policen parallel ab. Dennoch sind damit häufig nicht alle Risiken abgedeckt.

DÜSSELDORF. Bei solchen Besuchern ziehen selbst altgediente Berater die Augenbrauen hoch. Sage und schreibe 16 Versicherungspolicen hatte ein Flensburger Ehepaar abgeschlossen. "Davon allein 14 Lebensversicherungen", sagt Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten. Ein Schutz gegen existenzielle Risiken wie Berufsunfähigkeit oder private Haftpflicht fehlte aber.

Masse bedeutet eben nicht immer Klasse. Das gilt vor allem beim persönlichen Versicherungsschutz. Rund 437 Millionen Verträge horten die Deutschen, meldet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Das sind mehr als fünf pro Kopf. Trotzdem sind die wenigsten wirklich gut abgesichert. "Es werden häufig die falschen Verträge abgeschlossen", sagt Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes der Versicherungsberater (BVVB). Und: "Ein großer Teil der existenziell notwendigen Policen deckt nicht die individuellen Risiken des Kunden."

Zwanzig Milliarden Euro könnten die Bundesbürger jedes Jahr sparen, wenn sie ihr Versicherungsportfolio optimieren würden, berechnete der BVVB. Das wären rund 400 Euro pro Haushalt. Wichtiger noch als die Höhe der Prämien ist jedoch, dass alle existenziellen Risiken abgedeckt sind. Eine solide Absicherung gegen existenzielle Risiken wie Krankheit oder Berufsunfähigkeit ist Pflicht. Auch Immobilien oder Autos, in denen ein guter Teil des Vermögens steckt, brauchen einen ausreichenden Versicherungsschutz.

Mit der richtigen Strategie lässt sich beides erreichen: niedrigere Prämien und bessere Leistungen. Wer die Grundregeln kennt, vermeidet Risiken und spart Geld. In den folgenden vier Teilen untersucht das Handelsblatt sechs existenziell notwendige Policen: Berufsunfähigkeit, Risikoleben, private Haftpflicht, Auto, Gebäude und Hausrat. Am Beispiel einer jungen Familie und einer Berufseinsteigerin checken führende Tarifexperten den notwendigen Schutz und empfehlen dafür günstige Anbieter.

Die wichtigste Regel bei der privaten Risikovorsorge lautet: Das schützenswerteste Gut des Versicherten ist er selbst. "Viele Kunden haben zwar eine exzellente Altersversorgung, aber keinen ausreichenden Schutz vor Berufsunfähigkeit", sagt Albers. Niemand kann aber so viel auf die hohe Kante legen, dass er im Notfall einige Jahrzehnte ohne Lohn auskommen kann. Ein 40-Jähriger müsste knapp eine halbe Million Euro ansparen, um bis zu seinem 65. Lebensjahr eine Rente in Höhe von 2 000 Euro pro Monat zu finanzieren.

Was kaum ein Versicherter ahnt: Jeder fünfte Berufstätige muss seinen Job wegen Krankheit vorzeitig aufgeben. Berufsunfähigkeitspolicen zählen daher zum Pflichtprogramm. Das gilt auch für eine private Haftpflichtpolice, die vor hohen Regresszahlungen schützt. Wer andere versehentlich schwer verletzt, beispielsweise bei einem Unfall mit dem Fahrrad oder einem unbedachten Rempler, haftet ansonsten für die Folgen. Bei Invalidität kann der Betroffene schnell Hunderttausende Euro geltend machen. Trotzdem verzichtet jeder dritte Deutsche auf diesen Schutz.

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