Versicherungen

Wie Männer und Frauen mit Unisex-Tarifen sparen

Ende des Jahres werden alle Versicherungsbeiträge geschlechterneutral berechnet. Schon jetzt bieten zahlreiche Gesellschaften Unisex-Tarife an. Eine Untersuchung zeigt, wann Männer und Frauen sparen können.
Update: 11.07.2012 - 12:19 Uhr 9 Kommentare
Harmonie der Geschlechter: Mann und Frau sollen mit Unisex-Tarifen das gleiche zahlen. Quelle: dpa

Harmonie der Geschlechter: Mann und Frau sollen mit Unisex-Tarifen das gleiche zahlen.

(Foto: dpa)

Die deutschen Versicherten sollten schon mal auf den Kalender schauen. In 162 Tagen startet eine der größten Herausforderungen der Versicherungswirtschaft der vergangenen Jahre. Spätestens ab dem 21.12.2012 müssen die Gesellschaften Ihre Tarife auf Weisung des europäischen Gerichtshofes geschlechterneutral berechnen. „Der Aufwand ist immens“, sagt Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen.

Die Geschlechter müssen ihre Risiken dann zu gleichen Teilen tragen. Bislang basieren die Beiträge der Versicherten auf deren tatsächlichen Risiken. Die Folge: Kurz vor Jahreswechsel sinken die Beiträge in der der Altersvorsorge, der privaten Kranken- und Pflegeversicherung für die Frauen. Männer müssen unter anderem für Risikolebenpolicen weniger zahlen.

Nach einer Analyse von Morgen und Morgen für Handelsblatt Online können Versicherte schon jetzt profitieren. „Es gibt schon jetzt Tarife, die günstigere Unisex-Beiträge für die jeweiligen Geschlechter bringen“, sagt Schinnenburg. Was bringt das Urteil der Europa-Richter den Versicherten aber konkret? Die Rechnung für Risiokoleben- und Rentenpolicen zeigt, dass sich der Vorteil schon jetzt sehen lassen kann. Nicht immer ist der Abschlag aber so hoch, wie es sich die Kunden erhoffen und einige Versicherer suggerieren.

So schwärmte der Vorstandschef des Direktversicherers Cosmos, Peter Stockhorst, bereits von Beitragssenkungen von „im Schnitt 21 Prozent für Männer“ bei den ersten Unisex-Varianten für Risikoleben-Policen. Die Rechnung von Morgen & Morgen für einen Standard-Kunden im Alter von 30 Jahren und einer Versicherungssumme von 400.000 Euro zeigt dagegen: Bei zwei neuen Unisex-Tarife liegt das Sparpotenzial nur bei rund elf Prozent. Der Kunde könnte bis zu 106 Euro pro Jahr sparen.

Ein vergleichbarer neuer Unisex-Tarif der Allianz bringt für den Musterfall eine Ersparnis in Höhe von sechs Prozent. „Kunden sollten wegen der Rabatte aktuell nicht blind abschließen“, sagt Schinnenburg. Die ersten Unisex-Tarife seinen eher Übergangslösungen, die sich bis Ende des Jahres ändern könnten. Kunden sollten generell den für ihr Leistungsspektrum günstigsten Tarif wählen – egal ob es einen Unisex-Nachlass gibt oder nicht.

"In den seltensten Fällen sind die neuen Unisex-Policen im Marktvergleich am günstigsten", sagt Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten. Ohnehin sollten Kunden immer erst überlegen, ob sie die Policen wirklich benötigen und ihren Bedarf an Leistungen kennen. Risikoleben-Policen sind wichtig für die Absicherung der Familie im Todesfall. Wenn der Partner mit dem höchsten Einkommen ausfällt, droht der Verlust des Lebensstandards. Daher sind vor allem angemessen hohe Versicherungssummen wichtig.

Tarifvergleich

Männer zahlen weniger für Risikoleben

Zwei Versicherer haben bislang neue Tarife für Risikolebenpolicen vorgestellt. Der Tarifvergleich gilt für einen 30 Jahre alten Kaufmännischen Angestellten im Innendienst (100% Bürotätigkeit, optimaler BMI, Nichtraucher).  Die Versicherungssumme beträgt 400.000 Euro, die Laufzeit 25 Jahre. Es gelten monatliche Zahlweise und Sofortrabatt.

Versicherer (Tarif)Bisheriger Beitrag in EuroBeitrag Unisextarif in EuroErsparnis in Prozent
Allianz (LO)45,5242,756
Cosmos (CR)67,7760,9811
Cosmos (CRC)88,179,2711
Bruttobeiträge. Quelle: Morgen & Morgen. Stand: Juli 2012.
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9 Kommentare zu "Versicherungen: Wie Männer und Frauen mit Unisex-Tarifen sparen"

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  • Die Nummer mit den 10-euro reichen.de kannste getrost vergessen ! Anpassungen bei 10,-€ Einstieg bis zu 100,-€ ist doch ein schlechter Witz ! Bei der Signal Iduna kann man jedes Jahr bis zu 100% der Rentenleistung anpassen und einmal in den ersten 5 Jahren sogar um bis zu 400%, darüber hinaus die Dynamik z.B. 5 % und das alles zu den Bisextarifbedingungen von heute ! Das ist z.B. hier möglich : http://tinyurl.com/9mbdk5l

    Damit kann man sich heute ohne große Beiträge eine hervorragende Altersvorsorge bei einem Top-Versicherer sichern ohne das man zum Unisex Opfer wird !

  • Die meisten Versicherer schummeln bei Ihren Garantien, nicht so das Angebot des Aktionsbündnisses 10 Euro reichen. Dort kann die Rentenversicherung jederzeit - auch noch in Jahren - zu den jetzt noch günstigen Tarifen erhöht werden.
    http://www.10-euro-reichen.de

  • Und die Zeit in Pflegestufe 1 ??Soll dann von den Kindern bezahlt werden,weil man sich nicht abgesichert hat? Die werden sich bedanken....oder sollte man keine Kinder haben, vegetiert msn den Lebensabend in "Legebatterien", weil nur die noch vom Staat bezahlt werden? Viel Spaß dabei !

  • Statistik hin und her, aber eine private Vorsorge ist unerlässlich. Sonst lebt es sich nur auf Kosten anderer.

  • Ist doch völlig egal, die Hauptsache ist, dass die Vorsorge überhaupt je nach Bedarf betrieben wird. Sollte es dann günstiger werden, habe ich nach VVG immer ein Wechselrecht ! Frank.klein.barmenia.de

  • Welcher Mann ist denn noch so dumm und schließt eine Renten- oder Pflegeversicherung ab?

    So etwas nennt man "Adverse Selektion".

    Beispiel 1: Rest-Lebenserwartung mit 65 Jahren (= fiktives Renten-Eintritts-Alter): Männer ca. 12 Jahre, Frauen ca. 17 Jahre. Frauen also fast 40 % länger im Rentenbezug....

    Beispiel 2: Pflegefälle ab Stufe II ab dem 90-ten Lebensjahr, aufgeteilt nach Geschlechtern: 17 % Männer, 83 % Frauen ...

    Noch Fragen?

  • Hier kann man nochmal alles ganz genau und übersichtlich nachlesen: www.unisextarife-versicherungen.de

    Beschlossen ist die ganze Sache, jetzt muss man halt irgendwie schauen, dass man sich damit halbwegs gut arrangiert. Es hat Vor- und Nachteile für beide Geschlechter und sollte deshalb nicht allzu kritisch betrachtet werden.

  • Wir sehen hier sehr schön wie die sozialistische Gleichmacherei weiterbetrieben wird.
    Wieso ist es so schlimm wenn man für die Absicherung höherer Risiken (z.B. die statistisch längere Lebenserwartung bei den Frauen) auch mehr zahlen muss?

    Bei der angeblichen Eurorettung sieht man es im Billionenmaßstab. Gleichschalterei ist es trotzdem!

  • Warum wird eigentlich nicht die extrem Männer-feindliche Intension dieser feministisch geprägten Neuregelung thematisiert?

    Risiko Leben: 30 % BILLIGER für Männer, 10 € mtl. billiger
    Rentenversicherungen: 10% TEURER für Männer, 30 € mtl. mehr
    Krankenversicherung: 40 % TEURER für Männer, 200 € mtl.mehr
    Berufsunfähigkeit: 40% TEURER für Männer, 30 € mtl. mehr

    Die Haltung PRO FRAU hat sich in den EU-Gremien zu einem grassierenden Feminismus verselbständigt, es wird ein Machtkampf gegen die Männer geführt.

    Wir sollten auf einen FAIREN Ausgleich und ein friedliches Miteinander hinwirken - und im gegebenen Fall die egoistischen Ansprüche mancher Frauen ausbremsen.

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