Versicherungsvergleich

Unisex-Tarife treiben Policen um bis zu 55 Prozent

Die Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest hat die neuen Einheitstarife für Frauen und Männer unter die Lupe genommen. Herausgekommen ist, dass Männer deutlich mehr zahlen müssen. Aber nicht nur.
Update: 21.08.2012 - 12:29 Uhr 8 Kommentare
Hand in Hand: Die Versicherer unterscheiden ab Dezember in ihrer Kalkulation nicht mehr nach dem Geschlecht. Quelle: dpa

Hand in Hand: Die Versicherer unterscheiden ab Dezember in ihrer Kalkulation nicht mehr nach dem Geschlecht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfAb dem 21. Dezember 2012 müssen die Versicherer einheitliche Tarife für Frauen und Männer anbieten. In dieser Unisex-Welt zahlen vor allem Männer für manche Versicherungen deutlich mehr, stellt die Zeitschrift „Finanztest“ in ihrer neuen Ausgabe fest. „30 bis 40 Prozent – das sind die Preissteigerungen, mit denen Männer bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einer Pflegezusatzversicherung rechnen müssen“, stellte die Stiftung Warentest in einer Pressemitteilung fest. Frauen zahlten ab Ende Dezember vor allem mehr Geld für eine Risikolebensversicherung - bis zu 55 Prozent.  

Bislang haben die Versicherer bei der Kalkulation ihrer Tarife oft nach Geschlecht unterschieden. So gehen Frauen etwa häufiger zum Arzt, daher sind ihre Prämien in der privaten Krankenversicherung um knapp ein Drittel höher. Junge Männer sind bekannt als ungestüme Autofahrer, sie verursachen mehr Unfälle und zahlen daher mehr für ihre Autoversicherung als Frauen.

Mit solchen Unterscheidungen ist ab 21. Dezember 2012 Schluss, entschied der Europäische Gerichtshof. Dann müssen Frauen und Männer von den Versicherungen gleich behandelt werden, eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist nicht mehr zulässig. Das Problem dabei sei, so Finanztest: Die Versicherer nutzten die Aufhebung der Geschlechterdiskriminierung vor allem zu ihren Gunsten; die Preise gingen deutlich nach oben. Selbst dort, wo es rein theoretisch billiger werden müsse, gingen die Prämien nur mäßig nach unten. Dieses Fazit zog Finanztest aufgrund einer Stichprobe bei großen Versicherungsunternehmen.

Voraussichtlich etwas günstiger würden die Policen für Frauen bei der Rürup-Rentenversicherung und bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Männer profitierten vor allem bei der Risikolebensversicherung. Für viele werde es jedoch teurer.

Risikolebensversicherungen lohnen sich für Frauen
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8 Kommentare zu "Versicherungsvergleich: Unisex-Tarife treiben Policen um bis zu 55 Prozent"

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  • Es ist wie es ist, aber das zeigt mir mal wieder wie unsinnig Urteile gefällt werden, wenn es um die Vermeidung zur Unterscheidung von Mann und Frau geht. In vielen Lebensbereichen macht das ja Sinn, in diesem Fall halt nicht. Besten Danke auch an den Kläger (Bemerkung am Rande: Es war ein Mann).Wer sich ein wenig mit der Materie befasst und die Risikobewertungen kennt, der hätte ein solches Urteil niemals gefällt. Ich warte noch auf ein Urteil in dem Männer zum Kinder gebären herangezogen werden. Mir persönlich tut es um die Menschen leid, die jetzt aus verschiedensten Gründen nicht mehr handeln können. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich drübr lachen.

  • Ohhh..."Finanztest", quasi die "Bild"-Zeitung der Fachzeitschriften hat untersucht und herausgefunden der Preis ist das wichtigste Kriterium bei der Kaufentscheidung. Na herzlichen Dank "Finanztest".
    Ich kann den anderen Kommentaren nur zustimmen und verstehe die Aufregung nicht. Die jetzige Entwicklung war von Beginn an abzusehen. So war es doch immer wenn die EU etwas beschlossen hat, was die europäischen Märkte betrifft-es wurde teurer für die Verbraucher.

  • trifft den Punkt genau! Jetzt ist der Aufschrei groß - beim Beschliessen hats keinen interessiert. Tja hier hat der Verbraucherschutz wieder einen Bärendienst geleistet. Toll gemacht!

  • Ach, ihr lieben Verbraucherschützer und Finanztester... Wo wart ihr denn, als dieser Unsinn beschlossen wurde? Warum habt ihr die Verbraucher nicht davor beschützt? Frau und Mann gleich zu behandeln ist eine nette Idee, aber einen Maurer genauso zu behandeln wie eine Sekretärin, dürfte doch sehr weltfremd sein, oder? Wenn der Maurer morgens drei fette Brötchen verspeist, dann muss aufgrund seiner körperlichen Arbeit einfach so sein... da er aber wie eine Sekretärin behandelt werden soll,darf es nur ein leichtes Salätchen sein... Sonst passt ja die Risikokalkulation in der KV nicht! Ich warte schon darauf, dass die ersten gegen diese Gleichschaltung klagen, weil sie etwas teurer bezahlen müssen, als es eigentlich notwendig wäre...
    *Sarkasmus an
    Und ausserdem sollten wir eine Klage gegen Gott anstreben, weil er Mann und Frau unterschiedlich geschaffen hat! Und gegen sämtliche evolutionären Entwicklungen! Wer auch immer dafür verantwortlich ist, er soll sich rechtfertigen! Und ab sofort tragen alle Frauen ihre Sprudelkisten selbst in den dritten Stock und alle Männer zahlen beim Frisuer den Preis für eine WaschenLegenFönenDauerwelle-Frisur!Wen interessiert schon, ob das bei einer Frau länger dauert oder aufwändiger ist! Jawohl, Gleichbehandlung überall!!! *Sarkasmus aus

  • @ anonym, Beitrag von 11.52 Uhr:

    "hoffentlich_knallt_es_bald"

    Jedem steht es in diesem Land frei, seine berufliche "Karriere" selbst zu bestimmen. Sie hätten doch auch Beamter werden können. Offensichtlich ist Ihre Karriereplanung aber bereits in einem sehr frühen Stadium hängen geblieben. Da werden Sie es wohl nicht besser gekonnt haben - oder?

  • Was für ein Ein Unsinn (Abk. EU). Die Geschlechterunterscheidung hat doch nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit Finanzmathematik, Eintrittswahrscheinlichkeiten und kalkuliertem Risiko. Männer arbeiten im Schnitt körperlich härter, fahren schneller Auto und sterben eben früher. Frauen bekommen Kinder (wenn sie noch Lust dazu haben) und leben gesünder, zumindest wenn sie die Lebensweise der Männer nicht nachahmen.

    Das wegregulieren zu wollen lässt einfachste Sachverhalte außer Acht.

  • Nachdem jeder vernünftige Mensch weiß, dass das Ganze ökonomisch unsinnig ist, weil Frauen und Männer nun einmal verschieden sind, wo sind die Politiker die diesen Irrsinn wieder abschaffen?
    Immer sind es Ideologien, die die Vernunft, den Markt und den Wohlstand zerstören.

  • Das ist doch alles verlogen und dreist!

    Wo bitte wäre es eine Ungleichbehandlung, wenn man Ungleiches auch ungleich behandelt?

    Und warum kommt denn nienamd auf die Idee, die Sondertarife für Beamte zu kappen? Oder gilt für die der Gleichheitsgrundsatz nicht?

    Das Gestzt will vorschreiben, daß Männer und und Frauen gleich sind - aber Beamte sind gleicher als die restliche Bevölkerung.

    So läuft das halt in der Bananenrepublik Deutschland.

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