Versicherungsvertreter
Mehmet Göker wird zum Auslaufmodell

Die privaten Krankenversicherer machen Ernst im Kampf gegen gierige Verkäufer. Vermittler wie Mehmet Göker, die nur auf schnelles Geschäft aus sind, werden geächtet. Geldschneiderei und Lockvogeltarife sind out.
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DüsseldorfWas macht eigentlich Mehmet Göker? Der Mann, der als Versicherungsvertreter aus Kassel hierzulande zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte, steigt aus der Privaten Krankenversicherung (PKV) aus. „Nie wieder PKV“, verkündet er seinen zahlreichen Fans und Bewunderern auf seiner Facebookseite.

Zwar sind Gökers Ankündigungen mit gewisser Vorsicht zu betrachten, dennoch sind diese sinnvoll. In Kassel wird ein Prozess gegen ihn vorbereitet – unter anderem wegen seines Verhaltens als Vermittler im Geschäft mit privaten Krankenversicherungen. Außerdem kann sich kein Manager der Branche mehr mit ihm sehen lassen. Göker ist schlicht verbrannt in der PKV.

Das weiß er, und vielleicht schlägt er deshalb so zurück. Wer dieses Produkt verkaufe, „der betreibt finanziellen Selbstmord“, sagt Göker. Kein Vertrieb werde es in den nächsten drei Jahren schaffen zu überleben. Der Grund seien die neuen Branchenregeln, die bereits eingeführt wurden: der Deckel bei den Provisionen für Vermittler und die Verlängerung der Haftungszeit von einem auf fünf Jahre.

Das ist aber längst nicht der einzige Grund für seinen Rückzug. Göker lebt gar nicht mehr in Deutschland, sondern in der Türkei. Und wie es aussieht, wird er dort auch bleiben, um nicht hierzulande hinter Gittern zu landen. Sein Lebensmittelpunkt erschwert es jedoch enorm, einen schlagkräftigen Vertrieb in der PKV profitabel zu führen.

Die Branche selbst hat zudem ihre Hausaufgaben gemacht. Mit der Einführung von Unisex, also gleichen Regeln für Mann und Frau, wurde das Tarifwerk grundlegend verbessert, wie Experten feststellen. Billigtarife mit Leistungen unter dem Niveau der Krankenkassen bietet seit 2013 so gut wie kein privater Krankenversicherer mehr an.

Auch der politische Druck aus Berlin und durch Verbraucherschützer wirkt offenbar wesentlich besser, als dies Pessimisten erwartet haben. So drohte die Politik unverhohlen mit neuen Gesetzen gegen die PKV, etwa im Bereich der Billigtarife. In die Riege der Kritiker reihte sich neben SPD, Grünen und Linken auch die CDU ein. Doch neue Gesetze dürften nun wohl nicht mehr nötig sein.

Kommentare zu " Versicherungsvertreter: Mehmet Göker wird zum Auslaufmodell"

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  • @Andreas,

    damit können Sie das Problem nicht beheben in einer Marktwirtschaft. Das Problem besteht darin, dass man mit unseriöser Beratung einen Wettbewerbsvorteil hat. Und das nicht nur im Versicherungsgewerbe.
    Das dieser Wettbewerbsvorteil für diese Leute besteht, hat viel mit Ertragsdruck zu tun und der geht auf eine menge ordnungspoltischer Fehleintscheidungen zurück. den größten Posten an dieser Fehlsteuerung tragen Verbraucherschützer und die Regierung Schröder, die bei allem vielleicht ehrlichen Engagement für ihre jeweilige Klientel schlicht vergaßen, was in einem Markt passiert, der reformiert wird, aber damit gleichzeitig falsche anreize setzt.
    Dafür sind diese ex post (Im nachhinein) Kritiker der Verbraucherschützer auch nie zuständig.
    Der Regierung Schröder war es eh egal, die wollte nur möglichst viel Kohle abzocken.

    H.

  • @Steuerzahler,

    das ist gar kein reales Geld, das ist Spielgeld und solange es weiterhin so bleibt wie es ist, dass es aus der Realwirtschaft raus gehalten und wieder vernichtet wird, müssen wir uns keine allzu großen Sorgen machen.
    Problematisch wird es erst, wenn dieses Geld wirklich erhalten wird, wie das die AfD z.B. will. Denn dann wird es über kurz oder lang in die Realwirtschaft fließen, mit entsprechend katastrophalen Folgen.
    Im Grunde genommen vernichten wir doch nur die von uns ungedeckt vergebenen Kredite.

    H.

  • In dem Artikel heißt es Krankenhaustagegeld. Es ist wohl Krankentagegeld gemeint.

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