Versteckte Kosten
Was Versicherungen ihren Kunden verschweigen

Die Kosten einer Lebensversicherung sind weder mit direkten Konkurrenzprodukten noch mit Fonds schnell und sinnvoll zu vergleichen. Ein entsprechender Versuch auf freiwilliger Basis ist in der Branche fehlgeschlagen, ergab eine Umfrage des Handelsblatts unter den 50 größten Anbietern. Viele Lebensversicherer entscheiden sich bewusst gegen mehr Transparenz.

FRANKFURT. Die Lebensversicherer sind wesentlich weniger durchsichtig als ihr Verband GDV in der Debatte um Beratungsqualität gerne betont. Ein Vergleich der Kosten ist wichtig, weil diese bei Verträgen über mehrere Jahrzehnte enorme Auswirkungen auf die Ablaufleistung haben. Seit einem Jahr müssen die Lebens- und Krankenversicherer daher ihre Abschlusskosten in Euro und Cent angeben. Doch die Provision für Vermittler ist nur ein Teil der Belastung. Um transparenter zu werden, empfahl der Branchenverband GDV, auch die laufenden Kosten anzugeben. Mit einer neuen Kennziffer, dem Renditeeffekt, wollten die Versicherer gegenüber den Fonds punkten.

Nur ein kleiner Teil der Branche folgte jedoch freiwillig dem Rat ihres Verbands, wie die Handelsblatt-Umfrage ergab. Dazu gehören die Branchengrößen Allianz, Ergo und Debeka. Viele kleinere Lebensversicherer haben sich gegen mehr Transparenz entschieden. Einige halten die GDV-Empfehlung für zu kurz gegriffen und wollen die Kunden nicht durch unverständliche Ziffern verwirren. Andere verweisen auf untätige Konkurrenten und warten ab. Manche wollen erst reagieren, wenn der Gesetzgeber Standards setzt.

"Die Kostentransparenz aber auch die Leistungstransparenz von Lebensversicherungsprodukten ist sicherlich noch verbesserungsfähig", folgert Reiner Will, Geschäftsführer der Ratingagentur Assekurata. Die Versicherer täten überwiegend nur das rechtlich Notwendige. Vielfach würden auch Verwaltungskosten als Eurobetrag angegeben, anstatt Prozentsätze zu nennen. Dieser Ausweis sei "wenig aussagekräftig". Auch würden die Verwaltungskosten aus Vorsichtsgründen häufig sehr großzügig kalkuliert. Dies erschwere den Vergleich. Bei den Abschlusskosten wichen die gezahlten Provisionen zudem vielfach von den einkalkulierten Kosten ab - nach oben wie nach unten. Somit sei "auch hier der Informationsgehalt begrenzt".

Im eigenen Lager sorgt dies für Unmut. Uwe Laue, Debeka-Chef und Branchensprecher in Vertriebsfragen: "Wenn wir das einheitlich machten, nähme das politischen Druck von der Branche."

Die Konkurrenz freut sich indes. "Es nutzt dem Kunden nicht, wenn ihm irgendwelche Formeln präsentiert werden", sagt der Hauptgeschäftsführer des Fondsverbandes BVI, Stefan Seip. "Am wichtigsten ist beim Thema Kosten die Vergleichbarkeit. Die veröffentlichte Wertentwicklung sollte alle Kosten berücksichtigen."

Dafür plädiert auch Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA). Theoretisch wäre ein Kostenvergleich heute am ehesten bei fondsgebundenen Produkten möglich, doch diese Möglichkeit wird von Versicherern so gut wie gar nicht genutzt. Um bessere Vergleiche über alle Finanzprodukte hinweg zu ermöglichen, sei nun erneut die Politik gefordert. Ortmann: "Der Gesetzgeber sollte dafür sorgen, dass alle Kosten auf einem Transparenzblatt ausgewiesen werden." Nicht nur die Abschluss- und Verwaltungskosten, sondern auch von Fonds heimlich gezahlte Rückvergütungen, die Kickbacks genannt werden.

Zahlensalat

Renditeeffekt: So nennt der Branchenverband GDV seine Kennziffer. Gemeint ist eine Renditeminderung durch laufende Kosten von Lebensversicherungen. Das erlaubt auch den Vergleich mit Fondsprodukten. Abschlusskosten sind jedoch nicht enthalten.

Reduction in yield: Das ist eine in England verwendete Kennziffer, die hierzulande nur ganz wenige Versicherer nutzen. Sie dient zum Vergleich von Fondspolicen, enthält alle beitragsbezogenen Kosten und zeigt, wie stark diese die erwartete Rendite drücken. Nachteil: Heimliche Rückvergütungen von Fonds an Versicherer, die Kickbacks, sind nicht enthalten.

Rendite nach Kosten: Altersvorsorgeexperten entwickeln derzeit neue Kennzahlen, um etwa Kostenvergleiche zwischen Aktien, Zertifikaten und fondsgebundenen Rentenversicherungen zu ermöglichen. Problem: Die Einbeziehung von Kosten für verschiedene Garantien sowie die Abbildung versteckter Kosten, wie Kickbacks.

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