Vertreter-Check
So testen Privatpatienten ihre PKV-Berater

Die neuen Unisex-Tarife machen es möglich: Die private Krankenversicherung wird übersichtlicher und besser, allerdings nicht einfacher. Worauf es bei Privattarifen ankommt und 24 Fragen, um den Vermittler zu checken.
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DüsseldorfDas öffentliche Bild der privaten Krankenversicherung (PKV) ist angeschlagen. Debatten um eine einheitliche Krankenversicherung, die Bürgerversicherung, und ein magerer Kundenzuwachs im vergangenen Jahr zerren an den Nerven. Dabei steht die Branche insgesamt viel besser da, als viele denken – dank der Umstellung auf die neuen Unisex-Tarife.

Unisex heißt: Seit dem 21. Dezember 2012 gibt es gleiche Tarife und Preise für Männer und Frauen. Das hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes erzwungen. Zunächst schien es so, als ob dies den Versicherern vor allem Ärger und Arbeit bescheren würde. Doch die knapp 50 Anbieter in der PKV entdeckten darin auch ihre Chance. Was sie jahrelang versäumt hatten, holten sie nun in einem Aufwasch nach. „Viele Unternehmen haben die Umstellung genutzt, um neuen Kunden noch mehr Leistung und Sicherheit als bisher schon zu garantieren“, stellt der PKV-Verband fest.

Das ist keine geschönte Werbeaussage. Denn unabhängige Branchenexperten bestätigen die Behauptung des Verbandes. Das Ergebnis lasse sich wirklich sehen, stellt etwa der Freiburger Marktbeobachter Gerd Güssler von der KVpro.de GmbH fest: „Mit Unisex wurde die PKV praktisch neu erfunden.“ Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover: „Nahezu alle am Markt vertretenen Gesellschaften haben ihre Tarifwerke überarbeitet oder sogar ganz neue Tariflinien konzipiert. Die Folge: es wird teurer, aber nicht allein durch Unisex.“

Allerdings: Einfacher wird es nicht. Wer in einen anderen PKV-Tarif oder gar erstmals in die PKV wechseln möchte, wird auch künftig ohne Hilfe von Beratern kaum durch den PKV-Dschungel finden. Zwar hat sich die Zahl der Tarifkombinationen grob gerechnet halbiert. Doch – je nach Betrachter – bleiben immer noch viele hundert Varianten übrig.

So hat PKV-Experte Güssler in der alten Bisex-Welt knapp 2300 Tarifangebote gezählt. In der neuen Unisex-Welt kommt er nun auf knapp 800 – und das auch nur, wenn der Interessent grundsätzlich das höhere PKV-Niveau kaufen möchte, also keinen Schmalspurtarif, den einige Private auch noch anbieten.

Solche Zahlen zeigen jedoch gleich auch das Problem: Worauf soll der Wechselinteressent achten? Was soll er den Berater fragen? Die Freiburger Experten von KVpro.de GmbH haben für Handelsblatt Online die 24 wichtigsten Fragen herausgefiltert und kommentiert. Und sie geben Hinweise, worauf man besonders achten sollte.

Kommentare zu " Vertreter-Check: So testen Privatpatienten ihre PKV-Berater"

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  • Was viele nicht wissen, das duale deutsche Gesundheitssystem hat eine vergleichsweise lange Geschichte.Zwei der ältesten heute noch bestehenden PKV-Unternehmen wurden bereits im 18.Jahrhundert gegründet. Seit Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung durch Bismarck existiert in Deutschland ein Nebeneinabder von GKV und PKV.

    In Ländern wo die Absicherung des Krankehitsrisikos mehr über Steuern finanziert wird, stehen die Gesundheitsausgaben in direkter Konkurrenz zu anderen Staatsausgaben. In den letzten Jahren haben sich die Wartezeiten und Versorgung in Ländern wie Spanien,Portugal,Großbritanien und Italien zum Teil deutlich verschlechtert. Deutschland weist im Vergleich deutlich geringere Wartezeiten auf. In England gibt es eine richtige Zwei-Klassen Medizin.

    Der Anteil der Deutschen, welche sich im Ausland behandeln lassen würden ist äußerst gering. Im Gegensatz dazu ist die Beritschaft in anderen EU-Ländern deutlich höher für eine Behandlung ins Ausland zu gehen.

    Insgesamt schneidet das duale System mit GKV und PKV im internationalen Vergleich sehr gut ab.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @Leser,
    ja was machen wir denn da. Auf der einen Seite bauen Ärzte auf die hohen Einnahmen durch die PKV Beiträge. Auf der anderen Seite können einige PKV Versicherte die Beiträge nicht mehr leisten.
    Jetzt braucht man einen Mittelweg, und den kann die PKV nicht lösen. Als jahrelanger PKV Versicherter kann ich nur sagen, ich höre von der PKV nur etwas, wenn die mehr Geld brauchen. Das kommt dann immer in Form einer Beitragssteigerung. Keine einzigen Informationen, wie sich die PKV die Zukunft vorstellt.
    Kein einziges Wort zu Altersrückstellungen etc., kein Vorschlag zur Tarifoptimierung. Mal ganz ehrlich PKV ist ein geschlossener Verein, der sich nicht in die Karten schauen lässt, und keine KOnkurenzsituation will. Deshalb wäre es nicht schade, wenn es die nicht mehr gibt.

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