Vorsorge
Lebensversicherer verabschieden sich von altem System

Lange galt der Garantiezins für die Lebensversicherer als eine Art Heiligtum. Doch die Branche glaubt nicht mehr daran, dass sie den Kunden einen langfristigen Zinssatz garantieren kann. Das muss aber kein Nachteil sein.

KölnLange Zeit galt der Garantiezins für die Lebensversicherer als eine Art Heiligtum. Dieser Zins gibt an, mit welcher Rendite die Kunden mindestens pro Jahr rechnen können - egal, wie lange der Vertrag läuft, egal, wie sich die Finanzmärkte entwickeln. Für Neuverträge liegt er derzeit bei 2,25 Prozent, ab 1. Januar 2012 wird er auf 1,75 Prozent sinken - auf Anordnung des Bundesfinanzministeriums. Das Ministerium will so verhindern, dass die Versicherer zu große Kundenversprechen eingehen.

Als das Ministerium die Senkung des Garantiezinses vor einigen Monaten beschloss, gab es aus der Branche heftigen Widerstand. Eines der Hauptverkaufsargumente für die Lebensversicherung - die verlässliche Mindestrendite über Jahre und Jahrzehnte - sei in Gefahr, denn 1,75 Prozent seien viel zu mickrig.

Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Die Schuldenkrise und neue Aufsichtsregeln, die langfristige Risiken für die Versicherer teurer machen, zwingen die Branche dazu, ihre Versicherungskonzepte zu überdenken. Langfristige Zusagen über Jahrzehnte werden immer schwieriger.

Viele Lebensversicherer und Experten erwarten deswegen einen weitgehenden Abschied vom klassischen Garantiezins, zeigte sich gestern auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Strategiemeeting Lebensversicherungswirtschaft". Die Branche sei auf der Suche nach alternativen Garantiekonzepten, sagte der Vorstandschef der Württembergischen Lebensversicherung, Norbert Heinen.
Fondsgebundene Versicherungen sind nicht mehr gefragt.

Schon bisher versuchten einige Versicherer, beim Neugeschäft von den langlaufenden Garantien wegzukommen und eher fondsgebundene Lebensversicherungen zu verkaufen. Bei diesen Produkten profitiert der Kunde zwar stärker von einer positiven Entwicklung an den Kapitalmärkten, sie bieten aber keine oder nur geringe Garantien. Seit der Finanzkrise sind diese Produkte ein Ladenhüter. "Ohne Garantien geben Versicherungen ihr stärkstes Differenzierungsmerkmal auf und stehen im direkten Wettbewerb mit Fondsanbietern", sagt der Geschäftsführer bei der Unternehmensberatung Towers Watson, Frank Schepers.

Viele in der Branche erwarten, dass künftig die Versicherer statt lebenslanger Garantien eher Garantien für begrenzte Zeiträume geben, zum Beispiel für zehn Jahre. Dann würde ein neuer Garantiezins für die nächsten zehn Jahre beschlossen, entsprechend der aktuellen Marktsituation.

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In der Zeit von Mini-Renditen sind Garantieversprechen gefährlich

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