Walter Riester kontert
„Kampagne gegen die Riester-Rente ist gefährlich“

Die Deutschen lassen die staatlich geförderte Altersvorsorge links liegen. Doch Ex-Minister Walter Riester lässt auf sein Baby nichts kommen: Ein Abschluss lohnt sich für jeden, sagt er im Interview mit Handelsblatt Online und erklärt, warum die Kritiker falsch liegen.
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Herr Riester, Sie haben als Minister die private, staatlich geförderte Altersvorsorge geschaffen. Elf Jahre später verkaufen sich diese Finanzprodukte nur noch sehr schleppend. Hat die Riester-Rente ihre besten Zeiten schon hinter sich?
Nein! Wir erleben aktuell, dass die Kampagne gegen die Riester-Rente wirkt. Millionen Menschen sind dadurch verunsichert worden. Die pauschale Kritik an der Riester-Rente ist falsch und gefährlich.

Die Kritiker haben vor allem die Versicherungsbranche im Auge.
Der Normalbürger denkt aber doch nicht so. Er bezieht die Kritik auf alle Riester-Varianten, also nicht nur auf die Versicherungslösung, sondern auch den Banksparplan, das Investmentsparen und den Wohn-Riester, der einen Einstieg ins Wohneigentum bietet.

Die staatlich geförderte private Altersvorsorge

Riester-Rente - Bestand nach Vertragsart bis 2012

von 2001 bis zum 1. Quartal 2013, Bestand in Tsd.


Was halten Sie denn von der Kritik an den Kosten der Versicherungsbranche?
Entscheidend ist doch etwas anderes: Der Gesetzgeber wollte die Versicherungslösung für die ergänzende Rente. Ohne die Versicherungen geht es gar nicht in der Riester-Rente. Denn auch Banken und Fonds benötigen ja in der Auszahlungsphase ab dem 85. Lebensjahr die Rentenlösung. Diese kann nur die Versicherungswirtschaft liefern. Ein Teil des gebildeten Kapitals muss deshalb in die Versicherungslösung.

Die Riester-Kritiker beklagen viele Webfehler: große Bürokratie, geringe Renditen und hohe Kosten. Selbst der Gesetzgeber hat reagiert. Liegen diese Akteure alle so daneben?
Ja, davon bin ich überzeugt. Aber gehen wir auf die Kritikpunkt doch im Einzelnen ein.

Gerne! Was sagen Sie denn zum Vorwurf, dass die Riester-Rente zu viel Bürokratie gebracht hat?
Richtig ist, der Gesetzgeber verlangt in der Altersvorsorge von den Anbietern, dass sie deutlich mehr informieren und umfassender beraten. Richtig ist auch, dass der Anbieter auf Wunsch des Sparers die Beantragung der Zulagen und die weitere Bearbeitung voll und kostenfrei übernehmen muss. Dies gilt seit 2005, trifft jedoch den Anbieter, nicht den Kunden.

Kommentare zu " Walter Riester kontert: „Kampagne gegen die Riester-Rente ist gefährlich“"

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  • @Liskow: Wenn der Versicherer in seinen jährlichen Mondschein-Prognosen eine Wertentwicklung von 8% (Anf.2012) bzw.6% (Anf.2013) unterstellt, wird doch dem Dümmsten klar, wie hier systematisch beschönigt und damit gelogen wird! Diese sog. "Altersversorgung" ist ein Geschäftsmodell für Versicherungsmakler, das diese bis ins hohe Alter versorgen soll - für den Versicherten bleiben da allenfalls ein paar Krümel übrig, die er dann "nachgelagert" versteuern darf!

  • Da haben sie nur zum Teil recht, recherchieren sie besser weiter: ein Stichwort könnte sein: muss die Rendite zum Beginn der Rente gut sein, oder schon nach ein paar kostenbelasteten Jahren? Hier schon mal ein kleiner Hinweis: es handelt sich um eine Altersversorgung, nicht um einen Sparvertrag.
    Michael Liskow, Versicherungsmakler

  • Leider sind die meisten der hier verfassten Kommentare wieder nur Selbstdarstellung und Polemik.
    Man hat sich bei der 2. Schicht der Renten (Riesterrente) auf bestimmte recht gebräuchliche Komponenten festgelegt. Öl, etf's, Briefmarken und andere Komponenten blieben außen vor.
    Welche Alternativen hat der Bürger? Kopfkissen, wie vom Verbraucherschutz mal vorgeschlagen? Er könnte es auch auf mehrere Töpfe verteilen. Es reichen die Flächen Töpfe, da das Geld durch Inflation immer weniger Wert sein wird.
    Wer von den Polemikern hier oder den Verbraucherschützern hat den einen tragbaren und besseren Vorschlag? Bis dahin sollte man die vom Staat geförderte Altersversorgung mit Förderquoten von bis zu ca. 60 % nutzen.
    Sonst wird zum Rentenbeginn jeder von ihnen, die hier und heute alles besser wissen wieder auf den Staat schimpfen, weil der nichts für seine Bürger tut und getan hat. Oder geht es ihnen nur darum: schimpfen und polemisieren?

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