Was wird aus der Lebensversicherung?
Versicherer im Erklärungsnotstand

Die niedrigen Zinsen gefährden die Lebensversicherer. Kunden sind verunsichert und fragen: Ist meine Lebensversicherung noch sicher? Soll ich kündigen? Was die Branche auf diese und andere Fragen antwortet im Liveticker.
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DüsseldorfDer Branchenverband der Versicherer, der GDV, hat in Berlin Journalisten zur Herbst-Pressekonferenz eingeladen. Im Mittelpunkt steht die Geschäftsentwicklung des Jahres 2012, ein Ausblick auf das Jahr 2013 sowie ein Diskurs zu den aktuellen Themen der Branche. Mit den Journalisten diskutieren Rolf-Peter Hoenen, Präsident des GDV, Norbert Heinen, Mitglied des Hauptausschusses Lebensversicherung/Pensionsfonds des GDV, Norbert Rollinger, Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden-/Unfallversicherung des GDV sowie Reinhold Schulte, Vorsitzender des PKV-Verbandes. Handelsblatt Online berichtet live von der Pressekonferenz, die kurz nach 13 Uhr beendet wird.

+++ 12.58 Uhr +++

Frage: Ist die Lebensversicherung auch langfristig sicher?

Heinen: "Die Lebensversicherung ist langfristig sicher. Punkt." Langfristig bedeute im Extrem Zeiträume von 50 bis 100 Jahre. Da rede man natürlich über Kapitalmärkte, die es heute noch nicht gebe.

Bewertung: Die Branchenmanager hatten sich zuvor um eine Grundsatzaussage herumgedrückt und die Begriffe kurz- und mittelfristig verwendet. Damit ist in der Regel ein Zeitraum von mehreren Jahren gemeint, der relativ gut überschaubar ist, weil die Manager wissen, was ihre Kapitalanlagen in den nächsten Jahren bringen. Erst wenn Zeiträume von zehn Jahren oder mehr überblickt werden sollen, wird es zunehmend spekulativ.

+++ 12.56 Uhr +++

Frage: Der Rechnungszins in der privaten Krankenversicherung wird in einigen Unternehmen abgesenkt. Derzeit liegt er branchenweit bei 3,5 Prozent. Auf welchen Satz sinkt er nun in der Branche? Lauert hier nicht die nächste Falle für die PKV?

Schulte: Die Frage könne er leider nicht beantworten. Man werde Anfang Januar sehen, wie die neuen Tarife in der PKV kalkuliert seien.

Bewertung: Hier verweigert die Branche die nötige Transparenz. Das Thema ist brisant, weil ein niedrigerer Rechnungszins in der Regel höhere Prämien für die Versicherten bedeuten. Der Rechnungszins ist wichtig für die Kalkulation der Altersrückstellungen in der PKV. Je niedriger er ist, um so niedriger fällt auch die - garantierte - Verzinsung der Altersrückstellungen aus. Altersrückstellungen werden gebraucht, um den Beitragsanstieg der PKV im Alter in Grenzen zu halten.

+++ 12.49 Uhr +++

Frage: Wie entwickeln sich die Kapitalanlagen im nächsten Jahr?

Heinen: Auch 2013 pendelt die Nettoverzinsung in der Branche um vier Prozent.

Bewertung: Noch hat die Branche offenbar keine großen Probleme, auch die für Kunden wichtige Überschussbeteiligung zu zahlen. Die Nettoverzinsung ist wichtig für den Satz, den die Unternehmen pro Jahr den Verträgen gutschreiben - über die festgeschriebene Garantieverzinsung hinaus.

Kommentare zu " Was wird aus der Lebensversicherung?: Versicherer im Erklärungsnotstand"

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  • Was soll die Diskussion überhaupt. Wenn SII mit den aktuellen QIS6 Annahmen kommt (=Eine finanz-, versicherungsmathematische und qualitativ/inhaltliche Vergewaltigung der EIOPA), dann ist LV wie wir es heute kennen eh tot (Und selbst wenn es nur für Neuverträge gilt. Die betriebliche AV (IORP) wird dann auch tot sein). Vor dem Hintergrund der aktuellen VAG-Änderung zur Überschussbeteiligung und der lfd staatlichen Financial Repression, fällt das aktuell nicht so auf. Papa Staat setzt alles daran Produkte für Langfristsparen kaputt zu machen. Da können sich alle in der Branche glücklich schätzen die im Non-Life arbeiten.

  • @Harry:

    Freilich hat das System eine gute Zeit lang als win-win-Situation funktioniert - allerdings auch auf Kosten einer besseren Eigenkapitalausstattung der dt. Wirtschaft, mit der Folge unsicherer Arbeitsplätze; da beißt die Maus einfach keinen Faden ab.

    Und natürlich gibt es seriöse, maßvolle Versicherer. Aber auch die unterliegen, namentlich seit der letzten SPD-Regentschaft, der finanziellen Repression, waren genötigt, ihre Aktien in letzter Krise zu Tiefstkursen zu veräußern, und dürfen bzw. können fortan kaum welche kaufen; aktuelles Stichwort 'SolvencyII'.

    Eben weil Aktien nicht (ohne weiteres) was für jedermann sind, wäre es geboten, dass professionelle Anleger rentierlich(er) anlegen können, um Realrenditen für eine wirkliche Altersvorsorge erwirtschaften zu können.
    So jammern nun alle nur ob niedriger Zinsen herum, und verlieren alle, :-/

    Die 'Lösung' der durch Kapitalfehl- oder vma. -überallokation in Zinspapiere provozierten Überschuldungsproblematik können Aktien im übrigen gar nicht sein; das gäbe schnell eine neue Blase - das kann in der Tat wohl nur Inflation sein.
    Wer mit Zinspapieren gegen diese, seit Ende 2008 schon offensichtliche, 'Lösung' hält, ist beileibe nicht mehr 'konservativ', sondern progressiv, um nicht zu sagen /Spekulant/.

    - Es ist einfach bedenklich, wie das dt. Volksvermögen, nicht zuletzt im Vgl. zu dem anderer entwickelter Länder, immer noch strukturiert ist.

  • Allein schon durch die Euroeinführung haben viele Menschen in ihren langfristig laufenden Kapital-Lebensversicherungen unheilmlich an Geld verloren.
    Sie hatten diese Versicherungen unter der Deutschen Mark abgeschlossen, jahrezehntelang deutsche Mark einbezahlt und erhalten nun nach Euroumstellung wesentlich weniger raus.
    Der Kaufkraftverlust des Euros gegenüber der Deutschen Mark beträgt im Schnitt 40-50%.
    Bei einer harten stabilen Deutschen Mark, hätte sich die Sache vielleicht noch gelohnt, beim (T)euro ist es ein echtes Minusgeschäft!
    Soviel zum Thema eine Lebensversicherung lohnt sich.

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