Wegen der gestiegenen Lebenserwartung müssen die Versicherer ihre Tarife neu kalkulieren
Private Renten werden deutlich teurer

Verbraucher müssen in Deutschland künftig deutlich höhere Beiträge zahlen, um im Alter die gleiche private Rente wie bisher ausgezahlt zu bekommen. Dies sagte gestern der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Aktuarvereinigung, Prof. Kurt Wolfsdorf, vor Journalisten in Köln.

cd KÖLN. Nach Berechnungen der Versicherungsmathematiker dürften die Beiträge für sofort beginnende Rentenversicherungen gegen Einmalzahlung um bis zu zehn Prozent steigen. Ein 60-Jähriger müsste statt 18 000 Euro dann 19 608 Euro für eine jährliche Rente von tausend Euro zahlen. Die Beiträge für aufgeschobene Rentenversicherungen dürften gar um zwölf Prozent für Frauen und bis zu 20 Prozent für Männer steigen.

Der Grund: Die Lebenserwartung der Menschen nimmt deutlich schneller zu, als die Versicherungswirtschaft bisher angenommen hatte. Dies ergibt sich aus den neuen Sterbetafeln für die private Rentenversicherung, welche die Aktuare gestern vorstellten. Auf Basis der Sterbetafeln kalkulieren die Versicherungsunternehmen ihre Tarife. Die letzte Sterbetafel für die private Rentenversicherung war 1994 erarbeitet worden. Seitdem ist beispielsweise die durchschnittliche Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes im Jahr 2004 von 21 auf 24 Jahre gestiegen, bei einer Frau von 25 auf 27 Jahre. Damit müssen die eingezahlten und verzinsten Beiträge in der privaten Rentenversicherung für einen längeren Zeitraum reichen, weshalb die monatlichen Auszahlungen sinken.

Die neuen Sterbetafeln sollen die Unternehmen bei den Tarifen ab Anfang kommenden Jahres berücksichtigten. Die Höhe des Beitragsanstiegs für die Verbraucher sei letztlich aber abhängig von den einzelnen Unternehmen, sagte Wolfsdorf, so hätten „einige Unternehmen die Beiträge bereits in der Vergangenheit leicht erhöht“. Beispielsweise hatten die Allianz Leben und die Victoria einen Teil der Effekte der verlängerten Lebenserwartung bereits vorweggenommen. Verbraucher mit bestehenden Rentenversicherungen sollten damit rechnen, dass ihre Überschussbeteiligung angepasst wird. „Die meisten Versicherten müssen bei der Überschussbeteiligung mit einer oder mehreren Nullrunden rechnen“, sagte Wolfsdorf.

Bei einer privaten Rentenversicherung gibt es zwei Renditekomponenten: die Garantieverzinsung und die Überschussbeteiligung. Letztere war schon durch die Börsenkrise und anhaltende Niedrigzinsphase in den vergangenen drei Jahren von den Gesellschaften gekürzt worden.

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