Widersprüchliche Auflagen der Regierung bringen Versicherer in Bedrängnis und verwirren die Sparer
Briten ignorieren Lücke in Altersvorsorge

Eigentlich müsste das Thema Rente die Briten brennend interessieren. Der Anteil der über 55-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird bis zum Jahr 2021 auf ein Drittel ansteigen. Das ist vergleichbar mit der Situation hier zu Lande – Stichwort „Altersheim Deutschland“. Schon heute kann niemand auf der Insel auf einen sorgenfreien Lebensabend hoffen, der nur auf staatliche Rente angewiesen ist.

HB LONDON. Die bedürftigsten Rentner bekommen 109 Pfund pro Woche, das sind knapp 690 Euro im Monat. Mit diesem Geld müssen fast zwei Fünftel der Briten auskommen.

Solche Zahlen sollten Anbietern von Altersvorsorge-Produkten Kunden in Scharen zutreiben. Doch genau das geschieht nicht. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt des „Langzeitsparens“ um nicht einmal fünf Prozent. Jahr für Jahr sparen die Briten 27 Mrd. Pfund zu wenig, um im Alter sorglos über die Runden zu kommen.

Es ist paradox. Fast fünf Millionen Angestellte könnten mit Hilfe ihres Arbeitnehmers private Vorsorgeverträge abschließen – doch sie tun es nicht. Die Abneigung liegt an vielen Faktoren: Die einen stecken ihr Geld lieber in Immobilien. Andere konsumieren – die Sparrate ist nicht halb so hoch wie bei den Deutschen. Menschen am unteren Ende der Einkommensskala können sich das Sparen wiederum nicht leisten. Denen wird nach Ansicht von Nicholas Hillman, Strategieberater des Versicherungsverbandes ABI, auch längeres Arbeiten im Alter kaum helfen.

Zudem lässt die Politik eine klare Linie vermissen. „Seit 1997 gibt es durch die Labour-Regierung laufend Änderungen und neue Regulierungen der Produkte“, sagt Mike Urmston, Finanzdirektor des Lebensversicherungsgeschäfts von Norwich Union, einer Tochter des größten Versicherers Aviva. Hinzu kämen unverständliche Konzepte: Wer privat vorsorgt, bekommt weniger staatliche Rente. So etwas gibt kaum Anreize zum Sparen.

Doch es sind beileibe nicht nur äußere Faktoren, die der Industrie bessere Geschäfte verhageln. Sie selbst hat in 30 Jahren viel Kredit verspielt. Kunden wurden mit blumigen Rendite-Versprechungen gelockt, die sich am Ende nicht erfüllten. Einige der populärsten Produkte wurden verkauft, ohne die teils beträchtlichen Risiken zu erwähnen. Vor vier Jahren brachte dann die spektakuläre Schieflage des größten Versicherungsvereins Equitable Life die ganze Branche in Misskredit.

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