Wohngebäudeversicherung
Wenn der Sturm das Dach mitnimmt

Kyrill, Andreas, Ela: Stürme haben in Deutschland in den vergangenen Jahren Milliardenschäden verursacht – und die Unwetter werden mehr. Eine Wohngebäudeversicherung ist für Eigentümer daher ein Muss. Was wichtig ist.
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DüsseldorfIm Juli 2013 hieß der Übeltäter Andreas, im Juni 2014 Ela. Die Rede ist von starken Stürmen, die zwei Sommer hintereinander über Deutschland hinweggefegt waren – und Schäden in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro an Gebäuden angerichtet haben. Doch damit nicht genug. Dem Klimawandel sei Dank, werden die Unwetter künftig eher mehr.

Eine Studie, die die Versicherungswirtschaft mit führenden Klimaforschungsinstituten veröffentlicht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass allein Sturmschäden bis zum Jahr 2100 um mehr als die Hälfte zunehmen könnten, sommerliche Unwetter sogar noch darüber hinaus. Besonders schadenträchtige Sturmereignisse mit einer Intensität, wie sie heute alle 50 Jahre vorkommt, könnten zukünftig alle 10 Jahre eintreten.

Keine rosigen Aussichten also für alle die, die im Besitz eines Eigenheims sind. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in ihrem Ratgeber „Richtig versichert“ jedem Hauseigentümer – oder im Falle mehrerer Parteien der Eigentümergesellschaft – eine Wohngebäudeversicherung abzuschließen.

Diese Versicherung bezahlt Schäden, die ein Feuer, ein Blitzschlag, ein Leitungswasserschaden – und eben auch ein Sturm oder ein Hagelschauer – am Gebäude anrichtet. Das Gebäude, wenn nicht näher definiert, umfasst dabei zunächst einmal nur das Haus oder die Eigentumswohnung selbst. Aber auch das Gartenhäuschen, eine Scheune, eine Garage können mit in den Vertrag aufgenommen werden.

„Bei Abschluss einer Police sollten Hausbesitzer darauf achten, dass alle Objekte auf dem Grundstück, die versichert werden sollen, auch in der Police aufgeführt sind“, weiß der unabhängige Versicherungsberater Andreas Kutschera, der auch für die Verbraucherzentralen tätig ist. „Gerade nach den Stürmen der letzten Zeit sei die Frage, welche Objekte auf dem Grundstück eigentlich mitversichert sein sollten, ein „wichtiges Thema“.

Die versicherten Sachen in der Police genau zu definieren, ist allerdings nur ein Punkt, auf den Verbraucher achten sollten. Ebenso wichtig ist es, über bestimmte Zusatzleistungen nachzudenken. Wie schon bei der Hausratversicherung können Verbraucher auch bei der Wohngebäudeversicherung die grobe Fahrlässigkeit mitversichern.

Daneben rät die Verbraucherzentrale NRW dazu, den Abschluss einer sogenannten Elementarschadenversicherung zu überlegen: Diese würde im Zweifel zahlen, wenn nach starken Regenfällen der Keller überschwemmt würde oder nach heftigem Schneefall das Flachdach eindrückt. „Die Klimaveränderungen der vergangenen Jahre sowie die aktuellen zahlreichen Unwetter in vielen Teilen Deutschlands lassen es sinnvoll erscheinen, solche Elementarschäden zusätzlich mitzuversichern“, heißt es dazu im Ratgeber „Richtig versichert“.

Kommentare zu " Wohngebäudeversicherung: Wenn der Sturm das Dach mitnimmt"

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  • Super Hinweis mit der Scheune. Schließlich hat ja jeder Hausbesitzer eine Scheune in seinem Garten stehen.
    Nebenbei bemerkt, Eigentum verpflichtet!
    Die Versicherung bezahlt letztlich nicht die Schäden, sondern die Beitragszahler mit Ihren Prämien. Das sollten auch einmal die Verbraucherschützer zur Kenntnis nehmen.

    Auch Nachbars Baum, der bei Sturm auf meinem Grundstück fällt, muss ich auf meine Kosten entfernen. Also nicht nur darauf achten, dass der Versicherungsschutz für meine Bäume erweitert ist, sondern generell der Versicherungsschutz für umgestürzte Bäume bei Sturm (ab Windstärke 8) versichert ist.
    Da ein Versicherungsvertreter - Makler - Vermittler, in der Regel kein Architekturstudium absolviert hat, kann dieser auch keine Gutachten über den Gebäudewert erstellen. Lediglich kann dieser nur einen Wertermittlungsbogen, den die Versicherungswirtschaft zur Verfügung stellt, ausfüllen. Für alle Angaben ist letztlich der Versicherungsnehmer verantwortlich.

    Leider gibt es immer wieder Experten, die sich zu bestimmten Sachen äußern, ohne über eine ausreichende Ausbildung, Erfahrung und Sachverstand verfügen.

  • Noch eine Ungenauigkeit, wenn auch nicht gleich ein Fehler:

    "Diese Versicherung bezahlt Schäden, die ein Feuer, ein Blitzschlag, ein Leitungswasserschaden, ein !Einbrecher!"

    Nein, tut sie nicht. Es gibt keine Einbruchdiebstahl-Gefahr in der Gebäudeversicherung. Es gibt nur die Deckungserweiterung in der Feuerversicherung "Schäden durch unbefugte Dritte nach Einbruchdiebstahl". Und diese Erweiterung ist stark eingeschränkt. 1.) bei Privat nur Schäden an Gebäudeteil die dem Gemeingebrauch dienen. 2.) sie leistet ausschließlich subsidiär.

    Für die Gebäudeschäden nach ED ist in erster Linie die Hausratversicherung leistungspflichtig. Das ist auch der einzige Fall in dem die Hausrat für Gebäudeschäden leistet. Auch das sollte man eigentlich als Verbraucherzentrale wissen und nicht solche sehr zu differenzierenden Sachverhalte auf solch einen Stuss verkürzen. Wenn man es schon thematisiert, dann bitte richtig.

    (Ich geh von den GDV Musterbedingungen aus)

  • Genau das sind Verbraucherzentralen... Haben einfach keine Ahnung von dem, was sie reden:
    "Grob fahrlässig handelt ein Eigentümer zum Beispiel dann, wenn er versäumt, alle Sicherheitsvorschriften zu erfüllen.
    In einigen Bundesländern gehört dazu zum Beispiel der Brandschutzmelder an der Decke oder die regelmäßige Prüfung vorhandener Gasleitungen auf Dichtigkeit. Auch die Instandhaltung der versicherten Gebäude, etwa einer Scheune, gehört zu den Sorgfaltspflichten eines Eigentümers. Kutschera erinnert sich an einen Fall, wo der Gebäudeversicherer nicht für die Sturmschäden an einem mitversicherten Schuppen auf dem Grundstück aufkommen wollte: „Der Versicherer warf dem Kunden vor, die Scheune nicht ordentlich gewartet und instand gehalten zu haben.“"

    Die vertraglichen Obliegenheiten, das ist auch die Instandhaltungspflicht, vor und nach dem Versicherungsfall fallen NICHT in den Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit. Dieser Verzicht schützt AUSSCHLIEßLICH vor Kürzungen, wenn der Versicherungsnehmer den Schaden grob fahrlässig herbei geführt hat. Also wenn er z.B. Fett unbeaufsichtigt auf dem Herd stehen hat lassen.

    Ein Azubi lernt das in den ersten ein oder zwei Monaten seiner Lehre in der Schadenabteilung. Niemals darf man vertragliche Obliegenheiten mit dem Einwand der groben Fahrlässigkeit verwechseln. Das sind zwei paar Stiefel. Traurig, dass weder die ach so informierte Verbraucherschutzzentrale, noch das Handelsblatt so einen groben Schnitzer erkennt.

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