Wohnungsbrand: Wie Gerichte entscheiden
In der Regel sind Versicherte zur Vorsicht verpflichtet

Eine Schusseligkeit kann das traute Heim in ein Flammenmeer verwandeln. Versicherungen schalten dann häufig auf stur. Gerichte sind oft nachsichtiger.

Keine Verantwortung für Kurzschluss in der Heizdecke

Als ein Rheinländer nachts vom Gassigehen mit seinem Hund zurückkehrte, stand die Wohnung in Flammen. Ursache: ein Kurzschluss in der Heizdecke. Die Versicherung des Hauseigentümers verlangte von dem tierlieben Mieter 25.000 Euro. Ohne Erfolg: Dem Mann sei nichts vorzuwerfen, fanden die Richter. Schließlich habe es bei dem Gerät keinen Hinweis auf einen Defekt gegeben (Oberlandesgericht Düsseldorf, 24 U 225/03).

Kamin muss unter Aufsicht bleiben

Ein Rheinland-Pfälzer verbrannte in einem Grillkamin im Garten Papier. Zwischendurch verließ er die Feuerstelle. Der Wind wehte Funken auf einen Holzstapel, der Feuer fing. Die Flammen griffen aufs Wohnhaus über und verwandelten es in eine Ruine. Die Versicherung weigerte sich zu zahlen. Zu Recht, entschied das Oberlandesgericht Koblenz (10 U 193/02). Der Mann hätte den Kamin im Auge behalten müssen, bis die Glut erloschen war.

Pfanne nicht aus den Augen lassen

Wer mit Fett brutzelt, darf die Pfanne auf der heißen Herdplatte nicht aus den Augen lassen: Brennt die Küche ab, gibt es kein Geld von der Versicherung. Ausnahme: Der Koch behauptet, eines der Kinder habe den ausgeschalteten Herd unbemerkt wieder angedreht. Kann die Assekuranz das nicht widerlegen, muss sie die neue Küche bezahlen (Oberlandesgericht Zweibrücken, 1 U 30/98).

Nachsicht bei Kinder-Gequengel

Wenn unbeaufsichtigt brennende Kerzen ein Feuer verursachen, sind die Gerichte meist streng und lassen Freunde romantischer Beleuchtung auf dem Schaden sitzen. Eine Chance auf mildere Urteile haben Eltern quengelnder Kleinkinder. So erhielt eine Mutter, deren Möbel abbrannten, während sie an Weihnachten mit ihrer Tochter den neuen Puppenwagen vor der Tür ausprobierte, Geld von der Hausratversicherung (Oberlandesgericht Düsseldorf, 4 U 49/97).

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 11 vom 10.03.2005 Seite 140

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