Zinsen: Die magischen vier Prozent gibt es nicht

Zinsen
Die magischen vier Prozent gibt es nicht

Banken und Versicherer locken gerne mit Zinsen von vier Prozent. Doch tatsächlich erhalten die Sparer deutlich weniger. Was noch drin ist, um die Inflation auszugleichen. Und was dabei zu beachten ist.
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DüsseldorfVier Prozent Zinsen – wäre das nicht schön? Als Standard bietet das keine Bank mehr, ab und an liegt es aber noch als Sonderangebot im Schaufenster.

Der Broker Contal Consors lockt zum Beispiel so: „Wenn Sie als Neukunde Wertpapiere in Höhe von insgesamt mindestens 6.000 Euro zu Cortal Consors übertragen, erhalten Sie 3,0 Prozent Zinsen pro Jahr. Wenn Sie zudem das Depot bei Ihrer alten Bank schließen, gibt es noch einmal 1,0 Prozent Zinsen pro Jahr zusätzlich.“ Das ergibt dann vier Prozent aufs Tagesgeld.

Nicht schlecht, denn die besten Anbieter zahlen derzeit nur zwei Prozent. Der Haken: Das gilt nur für Beträge bis 20.000 Euro. Und auch nur dann, wenn man sich von seiner bisherigen Bank mit seinem Depot völlig verabschiedet. Wer macht das schon?

Vier Prozent haben auch für die Besitzer von Lebensversicherungen eine ganz besondere Bedeutung. Genau hier liegt der höchste Garantiezins, den die Branche jemals versprochen hat und den sie für manchen Altvertrag zu ihrem Leidwesen noch bedienen muss.

Vier Prozent war darüber hinaus viele Jahre eine wichtige Schwelle. Darunter sollte die laufende Zinsgutschrift in den Verträgen nicht fallen. Jahrelang schaffte das die Branche auch – zumindest im Schnitt. Und nun, wo die Branche es nicht mehr schafft, stellen sie gerne eine weitere Variante der magischen vier Prozent heraus: Den Gesamtzins.

Das ist jener Satz, den Kunden erhalten, wenn ihre Verträge in diesem Jahr auslaufen. Und das auch nur, wenn sie die ursprünglich einmal vereinbarte Vertragslaufzeit durchgehalten haben. Nur: Die Masse der Versicherten schafft das nicht, sie geben früher auf. Und: Vier Prozent erhalten heute nur diejenigen, die vor 15, 20 oder 30 Jahren mal eine Lebensversicherung abgeschlossen haben – die Altkunden also.

Neukunden, die sich jetzt auf eine Lebensversicherung einlassen wollen, sehen dagegen: Die Zinsen sinken seit Jahren. Das ist allein daran ablesbar, dass fast alle Unternehmen für 2013 weniger zahlen, also ihre Überschussbeteiligung senken. Dennoch ärgern sich manche in der Branche, wenn sie das immer lesen müssen, weil die Versicherer doch eigentlich noch ganz gut dastünden. „Liebes Handelsblatt, sagen Sie mir bitte, wo ich heute vier Prozent sonst bekomme?“, kommentierte neulich ein Leser.

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  • Beim ersten Lesen dachte ich, es ginge um die Zinsproblematik. Aber nach einigen Abschnitten entpuppte sich der Artikel als täglicher "Lebensversicherungs-Kommentar". Bei Spar-, Fest- und Tagesgeld ist der Sinkflug der Zinsen noch nicht am Ende. Hier werden wir noch bei deutlich unter 1% p.a. landen. Vor etwas mehr als einem Jahr bekam man bei der BoS noch 4,5%p.a. (5 Jahre) und bei der abc-bank noch 4,1% (3 Jahre). Tagesgeld gab es noch für 3% p.a. Heute gibt es gerade noch 5 Anbieter über 2%. Für den Anleger verheißt das nichts Gutes. Auch erwähnen sollte man das Angebot der DAB-Bank 3,5%p.a. für 75.000€ bei Depotwechsel. Also, warum nicht mal wechseln? Ein bißchen Bankenhopping bringt vielleicht Bewegung in den Markt!
    @Schuischel: FMH beobachtet seit vielen Jahren schon die Zinsen von Tages- / Festgeld / Sparprodukten und verfügt über einen riesigen Datenbestand. Herbst hat einen guten Einblick in diese Produktkategorie.
    Und zur KLV: Wer hätte gedacht, daß dieses Produkt mal interessant wird. Wer also noch einen lukrativen Altvertrag mit 3,5 oder 4% hat, kann sich freuen. Weniger freuen werden sich momentan auch viele Bausparkassen. Denn die müssen ihren Altkunden noch richtig gute Zinsen blechen. Also endlich mal ein Argument f ü r die KLV, allerdings nur die Altverträge. Und zu der "Inflation". Die ist für mich nicht maßgeblich, dafür aber die Teuerungsrate. Die betrug für meine Familie und ihren persönlichen Warenkorb im Jahr 2012 diesmal 8,5%p.a. Die Teuerung bei Lebensmitteln & Drogeriewaren lag sogar bei 14%! Soviel gab es die letzten Jahre nie. Diese Zahlen stehen in keiner offiziellen Statistik und betreffen nur unsere Familie. Ich würde aber jede Wette eingehen, daß eine Familie mit mehreren Kindern von einer ählichen Rate betroffen ist.

  • Verbraucherschützer sind nicht interessenfrei, sie beraten selbst und sind an einen höheren Finanzierungsanteil durch die öffentliche Hand interessiert.
    Damit sitzen sie indirekt mit dem Staat in einem Boot, der letztlich nur eine größeren Stück vom Kuchen wollte und nach Wegen sucht diesen weiter zu erhöhen.
    Der Staat ist mittlerweile Schmarotzer, weil es einfacher ist sich am Bestand zu bedienen, statt die langfristige Prosperität durch vernünftige Wirtschaftspolitik zu sichern.

    H.

  • Der Vergleich mit den Lebensversicherungen ist nicht ganz seriös dargestellt. Hier wird behauptet, dass 4% nur auf den Sparanteil gezahlt wurden, nachdem die Kosten abgezogen wurden. Das suggeriert sehr hohe Kosten und ist deshalb so pauschal irreführend.
    Der größte Teil nach dem Sparanteil sind die Risikokosten, also jener Betrag, der dafür aufgewendet wird das die Versicherung ggf. vorzeitig leisten muss. Dieser Teil gehört nicht zum Verdienst der Versicherer, sondern ist Finanzierungsbestandteil der versicherten Leistung.

    Verbraucher sollten sich darüber im Klaren sein, das eine Lebensversicherung kein Sparvertrag ist und eine Gleichsetzung zu falschen Schlüssen führt.
    Der zunehmende politische Druck Lebensversicherungen wie Sparverträge zu behandeln dient primär den Begehrlichkeiten des Staates. denn diese Gleichsetzung erlaubt auch die gleiche Besteuerung unter Missachtung der Besonderheiten der Lebensversicherung und deren Zweck Altersversorgung sicher zu stellen.
    Damit soll nicht bestritten werden, dass manche Versicherer zu geringe Sparanteile ihren Kunden gut geschrieben hatten. Aber das Problem wäre aufsichtstrechtlich leicht behebbar gewesen durch den gesetzlichen Zwang die entsprechenden Quoten zu veröffentlichen. das hätte den kunden erlaubt selbst danach den Wettbewerb zu bestimmen.
    Das hätte aber weder den Verbraucherschutzorganisationen noch dem Staat mehr Geld eingebracht.
    Und solange man die Branche verantwortlich machen kann, ist der Staat als Hauptnutznießer aus der Schusslinie.

    H.

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