Zinsgutschriften 2013: Lebensversicherung: Geiz ist geil

Zinsgutschriften 2013
Lebensversicherung: Geiz ist geil

Die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung sinkt stärker als erwartet. Vier Prozent war einmal, die Branche robbt sich nun an drei Prozent heran. Das zeigt die Auswertung von mehr als 60 Anbietern.
  • 27

DüsseldorfDie Zinsgutschriften in der Lebensversicherung sinken 2013 noch stärker als erwartet. Im Schnitt zahlen die Unternehmen vermutlich eine Überschussbeteiligung von weniger als 3,6 Prozent. Das sind rund 0,3 Prozentpunkt weniger als im Vorjahr.

Aufgrund der Daten von 65 Anbietern ergibt sich nach Berechnungen von Handelsblatt Online derzeit ein Durchschnittswert von 3,55 Prozent. Im Vorjahr waren es in dieser Gruppe noch 3,83 Prozent - ein Wert, der noch nahe an der magischen Marke von vier Prozent liegt.

Damit unterbieten die rund 100 deutschen Lebensversicherer sogar noch die ohnehin schon pessimistischen Erwartungen von Analysten. Diese hatten im Vorfeld Werte von 3,6 bis 3,7 Prozent vorhergesagt. Dass sich diese Prognose nicht bewahrheitete, lag vor allem an einigen Unternehmen, die mit extrem niedrigen Überschussbeteiligungen von weniger als 3,5 Prozent überraschten.

Dazu zählten in diesem Jahr die Lebensversicherer Alte Leipziger und Ergo. Sie setzten den Trend. Wenn sich solche Unternehmen vorwagen, dann werden erfahrungsgemäß auch andere Vorstände mutiger. Zudem ist den ersten Unternehmen immer die größte Aufmerksamkeit gewiss. Wer später meldet oder sogar auf eine Pressemitteilung verzichtet, fällt selbst mit schlechten Zahlen nicht mehr so stark auf.

Warum schreiben die Lebensversicherer ihren Kunden immer weniger gut? Das wichtigste Argument ist bei allen der Zinstrend. An den seit langem sinkenden Zinsen kommt kein Lebensversicherer vorbei. Wer sich frühzeitig mit langlaufenden Anleihen eingedeckt hat, kann Niedrigzinsen länger aushalten. Wer vom Geld der Kunden eher kürzer laufende Anleihen gekauft hat, muss früher auf die niedrigen Zinsen reagieren und seine jährliche Zinsgutschrift womöglich schneller senken als anderen.

Doch nicht nur die Finanzmärkte sind Schuld - jedenfalls aus der Sicht der Akteure. Einer, der gerne Klartext spricht und zutiefst von dem Produkt überzeugt ist, hat weitere Schuldige ausgemacht: Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende des Versicherungsverein Debeka. Da ist etwa die Politik, die der Branche Lasten aufbürdet, wie die Beteiligung der Versicherten an den sogenannten Bewertungsreserven.

Kommentare zu "Lebensversicherung: Geiz ist geil"

Alle Kommentare
  • Na ja, Hauptsache die Dividenden für die Aktionäre werden nicht gekappt, denn das wäre ja nochmal schöner....!

  • und wieder begteiligt sich das HB an einer Desinformationskampagne zugunsten seiner Anzeigen-Kunden und zu Lasten seiner Leser. Wir wollen doch mal klarstellen: nicht die Politik, sondern das BVG hat die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven der Konzerne durchgesetzt. Wohlgemerkt handelt es sich bei den stillen Reserven um Vermögen, das ausschließlich mit Kundengeldern aufgebaut wurde. Die zweite Fehlinformation ist die, dass quasi Verbraucherschützer die Lebensversicherung kaputt geredet hätten. Dabei ist hinlänglich bekannt, dass klassische oder Fondsgebundene LV-Produkte völlig intransparente, unflexible, extrem teure und damit renditeschwache Finanzprodukte sind. Es steht jedem Kunden frei, sich davon selbst zu überzeugen.
    Mein Tipp: das kostenlose http://klv-check.de/lite
    In Wahrheit werden Lebensversicherer von der Politik nur deswegen in Samthandschuhen angefasst, weil sie die willigsten Abnehmer von Staatsanleihen waren.

  • So ist es: Das Handelsblatt berichtet schon seit mittlerweilen einigen Jahren auf recht anrüchiger Weise. Oft wird der Verbraucherschützer-"Papst" Niels Nauhauser zitiert, der anscheinend die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Aber auch Anlegeranwälte geben mittlerweile häufig einen zum Besten. Ich habe übrigens mein Wirtschaftswoche- und HB-Abo bereits gekündigt, weil ich dieses tendenziöse Gehabe und die Werbemaßnahmen für Anlergerkanzleien nicht mehr ertragen konnte.

  • Ist falsch. Banken waren in Ihrer Anlage in der Vergangenheit viel freier. Die Versicherer sind streng reglementiert.

  • Ein Sicherungsvermögen gibt es bei Banken nicht, bei Versicherungen schon. Das Vermögen der Sparer ist strikt von dem der Versicherung zu trennen. Das wird vom Treuhänder auch geprüft.

  • Wenn das HB "Lebensversicherung" schreibt, meint sie eigentlich eine Rentenversicherung. Das sei dem HB aber verziehen, da diesen "Fehler" einige Redaktionen machen. Wobei so unrecht diese auch nicht haben, denn eine Rentenversicherung ist auch nur eine Lebensversicherung mit vereinbarter Verrentung mit oder ohne Todesfallschutz.

  • Thema verfehlt. Auch ich bin kritisch und habe nicht alle Eier in einen Korb gelegt. Aber hier geht es um den Zins dieser Anlage. Nicht um die Systemabhängigkeit.

  • Nein, das wäre Wucher und gegen Treu und Glauben. Bitte bilden Sie sich. Kleingedrucktes? Aha, Sie haben noch nie eine Lebensversicherung abgeschlossen. Es steht groß dabei. Abschluss- und Verwaltungsgebühren. Und die Versicherer verlangen nicht hohe Gebühren. Sie kneifen ja schon mir Ihre Musterberechnung zu geben, wie Sie auf eine Verzinsung von unter 1% kommen. Geraten? Einfach mal erfunden? Es ist Fakt, dass jede Anlage vor Kosten die Zinsen angibt. Anders wäre es auch nicht möglich, da schließlich die Gebühren nicht linear mit der Anlagesumme und Anlagedauer ansteigen müssen. Einen Zins nach Kosten auszuweisen ist nur für den Einzelvertrag möglich. Auch hier verweise ich auf den Schriftwchsel von Ihrem Versicherer. Ich bekomme jedes Jahr eine entsprechende Nachricht darüber. Während ich bei meinem Fonds erst selbst aktiv werden muss.

  • Haha tolle Argumentation. Dann hab ich jetzt ein super-Geschäftsmodell entdeckt: Ich biete 10% Zinsen und garantiere zu 100 Prozent, dass dies stimmt! ins kleingedruckte muss ich leider schreiben, dass ich Kosten in Höhe von 12% verursache und natürlich nur garantieren kann, wenn nichts Unvorhersehbares passiert... Aber werben werde ich jetzt erstmal mit 10% Garantiezins und damit viel Geld einsammeln :) vielleicht hilft auch die ein oder andere Parteispende, dass gegen dieses Modell nichts unternommen wird :)

  • Ja? Ich bitte um einen Nachweis. Diese Musterrechnugn will ich sehen. Dass Zinsen immer vor Kosten angegeben werden, ist völlig normal. Das ist bei jedem Spar- und Anlageprodukt gleich und üblich. Auch bei weitaus teureren Fondsprodukten. Hier ist die Rendite immer vor der TER und vor dem AA. Und dass Kosten bei einer vorzeitigen Kündigung entstehen ist auch normal. Ich verweise hier auf die Vorfälligkeitsentschädigung und auf Vorschusszinsen. Hier würde auch niemand auf die Idee kommen dies mit einzurechnen. Nebenbei: Jeder Kunde kann bei Abschluss klar und deutlich sehen, was daran verdient wird. Dass verdient werden muss ist normal. Schließlich will auch der Angestellte am Monatsende seine Brötchen. So wie jeder andere auch. Auch Handwerker verdienen an dir Geld, wer hätte es geglaubt. Nur der weißt seinen Gewinn nicht aus...

Serviceangebote