Zinstief
Lebensversicherer versprechen stabile Zinsen

Trotz kräftig sinkender Zinsen müssen Lebensversicherte bisher keine harten Einschnitte bei der Rendite ihrer Policen befürchten. Die meisten Versicherer haben ihre Portfolis gegen Zinsschwankungen abgesichert oder strategisch auf höher verzinsliche Bonds gesetzt. Kritisch wird es jedoch, wenn sich die aktuelle Mini-Zinsphase über mehrere Jahre fortsetzen sollte.
  • 0

FRANKFURT/DÜSSELDORF. "So viel verliert Ihre Lebensversicherung". So titelt die "Bild"-Zeitung in ihrer Ausgabe zum Wochenstart. Millionen Versicherten in Deutschland wird diese Zeile beim Frühstück übel aufgestoßen sein. Denn die Zahlen, die die "Bild" gleich auf der Titelseite liefert, sind bedrückend. 15 Prozent weniger erhalten Sparer demnach heute weniger für ihre Versicherungen als noch vor zehn Jahren.

Die Zahlen, die der Branchendienst Map-Report liefert, sind korrekt. Richtig ist allerdings auch, dass das Ergebnis der Untersuchung vor fünf Jahren bereits das gleiche Ergebnis gebracht hätte. Der drastische Einbruch bei den Renditen erfolgte nämlich bereits in den Jahren 2001 bis 2004, als die Aktienmärkte einbrachen und auch die Zinsen weltweit in den Keller gingen. In der Folge erwirtschafteten die Versicherungen mit ihren Anlagen nur noch geringe Erträge. Seither hat sich das Renditeniveau bei den meisten Gesellschaften nicht mehr spürbar reduziert.

Und obwohl die Zinsen im Zuge der Finanzkrise sogar noch tiefer gesunken sind als nach der Jahrtausendwende, erwarten Experten aktuell keine weiteren Verwerfungen für Versicherte. Auch den Lebensversicherern selbst bereiten die Mini-Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt bisher wenig Kopfzerbrechen. Selbst einige Jahre mit Anlagerenditen unter drei Prozent hält die Branche für verkraftbar. "Die Niedrigzinsphase ist bei uns noch gar nicht angekommen", sagt Maximilian Zimmerer, der Vorstandsvorsitzende des Marktführers Allianz Leben. Auf Bundesanleihen mit einer Rendite von rund drei Prozent schaut der Manager, der im Verband GDV für Lebensversicherer spricht, derzeit gar nicht.

Wichtig für ihn ist die Renditespanne zwischen den Anleihearten. Diese ist größer als in der letzten Niedrigzinsphase vor vier Jahren. So bringen die beliebten Pfandbriefe noch mehr als vier Prozent. Gleiches gilt für Euro-Anleihen aus Spanien, Italien oder Griechenland.

"2009 dürfte die Rendite in der Neuanlage nicht unter vier Prozent fallen", ist Maximilian Zimmerer heute schon sicher. Das ist zwar weniger als 2008, als die Allianz Leben mehr als fünf Prozent schaffte. Doch es reicht wohl, um die Kunden auch für 2010 mit mehr als vier Prozent zu bedienen. Der Marktführer ist da forsch. Denn der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet für 2008 mit 3,6 Prozent. Auch das reichte für das aktuelle Ausschüttungs-Niveau, wenn wieder Reserven mobilisiert werden. Manche, wie der Analyst Stephan Kalb von Oppenheim, halten daher Zinsprognosen jenseits von vier Prozent für "nicht vernünftig".

Seite 1:

Lebensversicherer versprechen stabile Zinsen

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Zinstief: Lebensversicherer versprechen stabile Zinsen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%