Überprüft wird zum Beispiel, ob der Versicherte bei der Gesundheitsprüfung korrekte Angaben gemacht hat. Entziehen kann sich dieser Prüfung niemand: Ohne Einwilligung dazu kommt erst gar kein Antrag zustande. Die Unternehmen prüfen dabei ihre Antragsteller per abgefragter Checkliste auf Herz und Nieren. Sie müssen über Jahr zurück offenbaren, wann sie woran kränkelten und ihre Ärzte von der Schweigepflicht befreien.
Das Ergebnis des Checks hat für die Kunden weitreichende Folgen. Wird der Antrag nach dem Check verweigert, kann der Kunde woanders nur noch schwer unterschlüpfen – das nächste angefragte Unternehmen wird diese Information ganz sicher erhalten. Bekommt der Kunde nur gegen Risikozuschlag beim neuen Versicherer Schutz gewährt, kann diese Preiserhöhung seinen monatlichen Beitrag so verteuern, dass der Wechsel für ihn unattraktiv bis unmöglich wird. Da kann Gesundheitsministerin Ulla Schmidt noch so viel von der neuen Wechselfreiheit schwärmen.
Gesundheitsprüfung und Datenaustausch sind keine Minderheitenprobleme. Während Versicherungen wie die Allianz auf Nachfrage gar nicht erst sagen, wie viel Prozent ihrer Anträge abgelehnt oder nur mit Aufschlag akzeptiert werden, und der PKV-Verband von fünf Prozent mit Risikoaufschlag spricht, reden Versicherungsvertreter von rund 20 Prozent Ablehnungen und gut 30 Prozent, bei denen Risikozuschläge gefordert werden. Kaum ein Antrag gehe noch ohne größere Nachfragen durch.
Aus Sicht der vorhandenen Kunden kann eine genaue Gesundheitsprüfung durchaus sinnvoll sein, meint Marion Busch von der Hamburger Funkgruppe Versicherungsmakler: "Eine restriktive Annahmepolitik trägt zur Beitragsstabilität bei." Über den Austausch von Kundendaten verfügt die Branche über hochsensible Daten. Datenschützer argwöhnen nun, dass sie damit nicht immer angemessen umgeht.
Für Meike Kamp vom staatlichen schleswig-holsteinischen Datenschutzzentrum ist nicht nur unklar, welche Informationen Unternehmen zum Beispiel bei abgelehnten Anträgen austauschen, sondern auch auf welcher Ebene. Nur innerhalb eines Unternehmens? Innerhalb des gesamten Konzerns? Oder gar verbandsübergreifend? Datenexpertin Kamp moniert: "Zudem betreiben nach unseren Erkenntnissen einige private Krankenversicherungen auch Bonitätsprüfungen ihrer Mitglieder." So scheitern Interessenten auch dann, wenn sie pumperlgesund sind, aber irgendwann irgendwo in der Kreide standen. Auch hier sei die Gefahr groß, dass Fehler, von denen der Kunde nichts ahne, weitergegeben würden, so die Kieler Expertin und fordert deshalb mehr Informationsfluss an die Kunden.
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