Früh einsteigen
Wer rechtzeitig eine private Pflegeversicherung abschließt, ist im möglichen Ernstfall besser versorgt.
Es ist eine elende Flickschusterei: Längst lässt sich absehen, dass die gesetzliche Pflegeversicherung nicht reicht, um die medizinische Versorgung im Alter zu finanzieren. Genau genommen ist die Staatsversicherung selbst schon in der Pflegestufe 2 und bedürfte dringend der Korrektur. Aber um die Reform der Krankenkassen endlich über die Bühne zu bekommen, klammerten die Berliner Großkoalitionäre die Pflegereform aus.
Umso wichtiger ist private Vorsorge. Nur sie entschärft das Problem, dass die eigenen Kinder dereinst vom Sozialamt zur Kasse gebeten werden könnten. Das schmerzt richtig. Auch wenn die obersten Gerichte festgelegt haben, dass die Ämter sich bescheiden müssen, um die individuell angemessene Grundsicherung der Kinder und ihrer Familien nicht zu gefährden, geht es je nach Einkommen und Lebenssituation für die Töchter und Söhne um einige Hundert Euro im Monat.
Die realistischen Pflegekosten liegen in der ersten Stufe bei rund 1 600 Euro, die gesetzliche Pflegeversicherung trägt davon 1 023 Euro. In der dritten Stufe zahlt sie 1 432 Euro - bei geschätzten Kosten von 3 300 Euro. Ein gewaltiges Loch. Die privaten Krankenkassen offerieren - auch allen Kassenpatienten - Zusatzversicherungen. Späteinsteiger bis zum 65. Lebensjahr werden von einigen Unternehmen akzeptiert, allerdings nur, wenn sie wegen der kürzeren Einzahlphase bis zum Ernstfall monatlich sehr viel höhere Beiträge leisten als beispielsweise ein 40-Jähriger.
Wie immer in der privaten Versicherung gilt auch hier: Frauen leben länger, also zahlen sie mehr. Und wer schon vorher krank war (also nahezu alle), muss tiefer in die Tasche greifen.
Den Pflegemarkt dominieren zwei unterschiedliche Offerten:
Tagegeld: Das kann der Kranke ausgeben, wie er will: Er kann sich stationär aufnehmen oder daheim ambulant pflegen lassen, medizinische Leistungen zukaufen oder eine Haushaltshilfe engagieren. Wer sich ausrechnet, wie hoch seine Rente und wie groß die Differenz zu einem Heimaufenthalt ist, kann auf den Euro genau kalkulieren, wie viel Geld ihm pro Tag fehlt.
Pflegekostenübernahme: Sie greift nur bei reinen Pflegekosten und zahlt mehr fürs Heim als für ambulante Hilfe. Kost und Logis werden aber auch bei stationärer Unterbringung nicht erstattet. Etwas mühsam ist der Angebotsvergleich. Ohne Blick ins Kleingedruckte geht es nicht, denn die gewährten Leistungen variieren besonders bei der Pflegekostenübernahme enorm. Auch deshalb gilt das Tagegeld vielen als die bessere Alternative.
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