Wer sich während der Laufzeit von einem Expresszertifikat trennen will, kann sich auf den Sicherheitspuffer nicht verlassen
Wer sich während der Laufzeit von einem Expresszertifikat trennen will, kann sich auf den Sicherheitspuffer nicht verlassen, denn der greift nur bei Fälligkeit. Vorher beeinflusst nicht nur der Kurs des Basiswerts das Papier, sondern vor allem dessen Schwankungen (Volatilität). Da die Volatilität der Aktienmärkte 2005 sehr niedrig war, könnten Expresspapiere jetzt deutlich an Wert verlieren, wenn die Schwankungen zunehmen. Daneben belasten die Zertifikate auch steigende Zinsen und Dividenden.
Die Emittenten preisen ihre Produkte jedoch wie warme Semmeln an. „70 Prozent der Papiere gehen bereits im ersten Jahr auf“, sagt Önder Ciftci, der den Derivatevertrieb bei ABN Amro leitet. Ein Ergebnis, das sich aber nur fortsetzen wird, wenn die Kurse zukünftig steigen.
Da viele Konstruktionen Garantien oder Absicherungen gegen Kursverluste bieten, verkaufen die Banken die Papiere auch an risikoscheue Anleger. Dabei ist das Risiko deutlich höher als das festverzinslicher Wertpapiere. Wenn die Strategie nicht aufgeht, haben sie Zinsen verschenkt; geht sie vorzeitig auf, kommen trotzdem Schwierigkeiten auf sie zu: „Für Laien ist das Wiederanlage-Risiko das größte Problem, denn sie können nicht einschätzen, wie die Konditionen im folgenden Jahr sein werden“, sagt Ulbrich. Die Enttäuschung dürfte bei manchem Anleger spät einsetzen. Denn wie Vermögensverwalter Stötzel lassen viele die Papiere bis zur Fälligkeit im Depot liegen – wie ein Festgeld mit eingebautem Aktienrisiko.
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