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15.07.2005 
Indexzertifikate

Ein ganzer Markt in einem Papier

von Marcus Pfeil, Handelsblatt

Sechs Prozent der deutschen Anleger investieren ihr Geld in Zertifikate. Das hat die Deutsche Börse gemeinsam mit dem Deutschen Derivate-Institut (DDI) und dem Deutschen Aktieninstitut ermittelt. Nach Schätzungen des DDI stecken bis zu 58 Mrd. Euro in den über 60 000 Zertifikaten, die derzeit am Markt erhältlich sind.

Lupe

HB BERLIN. Die bekanntesten Papiere sind die Indexzertifikate. Fast jeder vierte Anleger kann mit dem Klassiker unter den Anlagezertifikaten etwas anfangen. Das liegt an der einfachen Konstruktion. Ein Indexzertifikat auf den Deutschen Aktienindex (Dax) bietet dem Investor beispielsweise die Chancen der 30 größten Unternehmen Deutschlands in einem Wertpapier – mit einer Gewichtung wie im Index. So einfach wie der Erwerb ist auch die Beobachtung des Kursverlaufes: Steht der Dax bei 4 500 Punkten, kostet das Indexzertifikat mit einem Bezugsverhältnis von eins zu hundert 45,00 Euro. Steigt der Dax auf 4 700 Punkte, steigt das Zertifikat auf 47,00 Euro. Fachleute sprechen von symmetrischem Chance-Risiko-Profil. Das bedeutet aber auch: Fällt der Dax auf 4 000 Punkte, ist das Zertifikates nur noch 40,00 Euro wert.

„Mit einem Indexzertifikat erwirbt der Anleger die wichtigsten Unternehmen einer Volkswirtschaft, was er sonst nur über einen Investmentfonds kann, nur dass er für ein Zertifikat keinen Ausgabeaufschlag bezahlen muss“, sagt Pascal Seppelfricke von Rhein Asset Management, einem auf Zertifikate spezialisierten Vermögensverwalter. „Schon ab Beträgen von wenigen tausend Euro können Privatanleger flexibel und global investieren“, ergänzt DDI-Vorstand Dieter Lendle. Der Anleger streue damit das Risiko in seinem Portfolio und spare Transaktionskosten. Bei der Wahl des Basiswertes sollten Anleger darauf achten, dass das Zertifikat einen Performanceindex abbildet, weil er im Gegensatz zum Kursindex die anfallenden Dividenden berücksichtigt.

Indexzertifikate gab es schon vor mehr als zehn Jahren. Zu Verkaufsschlagern wurden sie aber erst, als sie die Emittenten als Endlosversion auf den Markt brachten. Die Laufzeit der meisten Papiere ist heute unbegrenzt. Gleichwohl halten sich die Anbieter ein Hintertürchen zum Ausstieg offen („siehe Fallstricke“).

Unbegrenzt ist auch die Auswahl: Indexzertifikate gibt es auf alle bekannten Kursbarometer. Auch die Börsen der osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten und viele Branchenindizes sind auf diese Weise erschwinglich. „Mit den Papieren können Anleger schnell und unkompliziert in Regionen, Branchen oder neuerdings auch in Rohstoffe investieren“, sagt Jens Kleine, Professor für Finanzdienstleistungen an der Steinbeis-Hochschule in Berlin.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Inzwischen ist es möglich, nahezu jeden Rohstoff abzubilden.

So ermöglichen so genannte Tracker-Zertifikate die Investition in Rohstoffe und andere für Anleger nicht ohne weiteres zugängliche Anlageobjekte, von Aluminium über Orangensaft bis hin zu Zucker. Inzwischen ist es möglich, nahezu jeden Rohstoff abzubilden, egal ob in breiten Rohstoffindizes, in Subindizes oder einzeln. Anleger sollten dabei aber auf einen Index oder einen Korb setzen, um sich vor unliebsamen Preisschwankungen einzelner Rohstoffe zu schützen.

„Mit Zertifikaten können Anleger in breit gestreute, liquide Rohstoffindizes mit verschiedenen Auszahlungsprofilen investieren“, sagt Jörg Kukies, Derivateexperte von Goldman Sachs. Die Indizes unterscheiden sich zum Teil erheblich: Ein Leitindex ist der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI), der die 24 wichtigsten Rohstoffe nach dem Wert ihrer Weltproduktion gewichtet.

Das Prinzip des Indexzertifikats haben die Emittenten auch auf andere Basiswerte übertragen. So sind beispielsweise Bonus-, Express- oder Outperformancezertifikate nichts anderes als eine Abwandlung des simplen Indexzertifikats. Auch bei diesen Produkten setzt der Anleger auf die Wertentwicklung eines Indexes, kann jedoch seine Marktmeinung dezidierter umsetzen, das heißt auf verschiedene Szenarien wetten. Bonus- und Expresszertifikate bieten dem Investor beispielsweise schon eine ansprechende Rendite in stagnierenden Märkten, Outperformance-Papiere erlauben ein Renditeplus bei leicht steigenden Kursen.

Bei der Vielzahl der angebotenen Produkte lohnt in jedem Fall ein Blick auf die Kostenstruktur. Vor allem den Spread, die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis, sollten Anleger bei gleichartigen Produkten vergleichen. Und letztlich sollten sie auch die Bonität des Emittenten im Auge behalten, schließlich hängt die Rückzahlung des Angesparten von dessen Zahlungsfähigkeit ab.
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