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Anlagezertifikate: Zwanzig Prozent Minus trotz Kapitalgarantie

Garantiezertifikate bieten konservativen Anlegern die Chance auf höhere Renditen als auf dem Anleihenmarkt. Dass der Schutz vor Kapitalverlusten aber nur für Investoren mit Durchhaltevermögen gilt, bekommen derzeit manche Käufer deutlich zu spüren.

Tabelle: Details zum Garantiezertifikat. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews
Tabelle: Details zum Garantiezertifikat. Zur Vollansicht bitte anklicken. Quelle: Handelsblatt ZertifikateNews

HB FRANKFURT. Wie sich die Zeiten ändern: Als die Hypo-Vereinsbank (HVB) im November 2005 ein siebenjähriges Garantiezertifikat mit der viel versprechenden Bezeichnung „Zins-Treffer-Anleihe“ und der Chance auf eine maximale Verzinsung von 4,4 Prozent pro Jahr anbot, hatte dies auf den ersten Blick Charme. Schließlich warfen siebenjährige Bundesanleihen damals weniger als drei Prozent Rendite ab. Deshalb waren alternative Produkte - wie das der HVB - gefragt.

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Heute allerdings bringen bereits siebenjährige normale Bundesanleihen schon über 4,6 Prozent Rendite, und die Rechnung mit dem Spezial-Bond ist nicht aufgegangen: Beim ersten Zinstermin im November bekamen die Anleger einen mickrigen Kupon von 1,47 Prozent. Dass der Zins-Treffer versenkt wurde, liegt daran, dass die Konstruktion für Anleger nur bei leicht steigenden Zinsen funktioniert.

Die Höhe der jährlichen Zinszahlung hängt bei dem Papier von der Entwicklung des sechsmonatigen Euribor ab. Das ist der Satz, den sich Banken im Euro-Raum berechnen, wenn sie sich gegenseitig Geld leihen. Seine Entwicklung ist stark an den Leitzins im Euro-Raum gekoppelt.

Bei der Auflegung der Anleihe lag der EZB-Leitzins schon fast zweieinhalb Jahre bei mageren zwei Prozent und der Euribor dümpelte um 2,2 Prozent vor sich hin. Für die Zahlung des Kupons darf der Euribor an einem bestimmten Stichtag im Monat nicht über einer festgelegten Grenze liegen. Diese lag im ersten Jahr bei 2,75 Prozent und steigt jedes Jahr um weitere 0,25 Prozentpunkte auf bis zu 4,25 Prozent. Fällig wird das Garantiezertifikat im November 2012.

Für jeden monatlichen Stichtag, an dem der Euribor in der festgelegten Bandbreite notiert, bekommen die Anleger ein Zwölftel der maximalen Verzinsung von 4,4 Prozent pro Jahr ausgezahlt.

Das Problem: Nach der Auflegung stiegen sowohl der Euribor als auch die Anleiherenditen, die kurz zuvor ihre historischen Tiefs markiert hatten, kräftig an. Auslöser dafür waren die anziehende Weltkonjunktur, auf die die US-Notenbank schon Ende Juni 2004 und die EZB anderthalb Jahre später - also einen Monat nach Auflegung der Anleihe - mit Leitzinserhöhungen reagierten.

Dies katapultierte den Euribor im März 2006 über die für den Zins-Treffer relevante Schwelle von 2,75 Prozent. Inzwischen notiert der Interbankensatz um 4,3 Prozent, so dass Anleger in diesem Jahr wohl keinen Zins bekommen, und Zinszahlungen in den nächsten Jahren sind zumindest fraglich.

Entsprechend ist der Kurs des Zertifikats seit Auflage von 101 auf knapp 79 Euro gerutscht. Für defensive Anleger, die seit der Emission im Zertifikat investiert sind und keine Verluste realisieren möchten, kommt ein Verkauf derzeit nicht in Frage. Denn bei der Fälligkeit im November 2012 wird zumindest der Nennwert von 100 Euro zurückbezahlt.

Zwar bietet das Zertifikat aktuell eine Mindestverzinsung von fast 4,5 Prozent. Einen Renditevorteil gegenüber festverzinslichen Bundesanleihen gibt es nur dann, wenn doch noch ein Kupon gezahlt wird.

Die Entwicklung des Zertifikats verdeutlicht, dass sich konservative Investoren für die vage Aussicht auf höhere Renditen nicht auf Zinsspekulationen einlassen sollten. Das gilt vor allem wenn sie sich über mehrere Jahre erstrecken und deshalb kaum einzuschätzen sind.

Zertifikateanleger sollten wissen, dass der Kapitalschutz von Garantiezertifikaten nur zum Laufzeitende greift. Während ihrer Laufzeit können diese Papiere durchaus auch über längere Phasen im tiefroten Bereich notieren.

Dieser Artikel ist der aktuellen Ausgabe der Handelsblatt ZertifikateNews entnommen. Der PDF-Newsletter informiert Sie zweimal im Monat darüber, wie Sie mit Zertifikaten höhere Renditen erwirtschaften. Melden Sie sich kostenlos an!

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