
FRANKFURT. Der Begriff Derivate weckt in Teilen der Weltöffentlichkeit negative Assoziationen. Denn einige dieser synthetischen Finanzprodukte, die ohne entsprechende Basiswerte nicht existieren können, gelten als Auslöser der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Doch weder in der Finanzwelt, noch in politischen Kreisen wird die Wirkungsweise von Derivaten und deren Auswirkungen auf das Finanzsystem bis heute wirklich verstanden. Befürworter sehen in Derivaten nützliche Produkte, die den Risikotransfer ermöglichen. Kritiker verweisen hingegen darauf, dass Derivate in einer bereits sehr stark auf dem Faktor Kredit basierenden Weltwirtschaft eine zusätzliche, gefährliche Hebelwirkung und damit ein systemisches Risiko entfalten können.
Die Kritik an Derivaten scheint für den Bereich der OTC-Derivate berechtigt zu sein. Unbegründet ist die Kritik aber dort, wo Derivate in einem regulierten Börsenumfeld gehandelt werden. Hier haben sie über einen Zeitraum von mehr als 160 Jahren ihre Solidität und Sicherheit sowie ihren volkswirtschaftlichen Nutzen bewiesen. Nämlich dort, wo Derivate im regulierten Börsenumfeld gehandelt und über Clearinghäuser (zentrale Gegenpartei-Abrechnungsstellen - CCP) abgewickelt und abgerechnet werden. Das Chicago Board of Trade, heute eine Division der Weltmarktführers Chicago Mercantile Exchange (CME), stellt seine Daseinsberechtigung und ihren ökonomischen Nutzen bereits seit dem Jahr 1848 unter Beweis.
Lob gebührt der Investment-Legende Warren Buffet: Dieser wies bereits sehr früh auf negative und riskante Entwicklungen an den globalen Derivatemärkten hin. Er warnt seit Jahren vor den OTC-Derivaten, die er als finanzielle Massenvernichtungswaffen identifizierte.
In der Tat lösten exakt diese von Banken kreierten und weitgehend unkontrolliert im so genannten Interbankenhandel gehandelten OTC-Derivate, allen voran Kreditderivate wie zum Beispiel Credit Default Swaps, die größte Finanzkrise seit rund 80 Jahren aus.
Dieser kaum regulierte und wenig transparente Markt - von Kritikern als Tummelplatz für Turbo-Kapitalisten bezeichnet - brach letztlich als Folge der US-Immobilienkrise zusammen und riss die Weltwirtschaft in den Abgrund. OTC-Derivate waren auch deshalb ein Auslöser der Finanzmarkt-Turbulenzen, weil sie die zunehmende Nutzung von Hebeleffekten ermöglicht und außerdem zu immer größeren Abhängigkeiten zwischen den Marktteilnehmern geführt haben.
So wie eine Aktie eine Erwartung bepreist so bepreist ein Derivat eine Erwartungsänderung. Wenn man Kriege rund um die Welt führt, dann spiegelt man Unsicherheit in das Land selbst und auch in die Märkte. Wenn man Kriege elektronisch führt wird die Erwartung in elektronische Handelbarkeit unterminiert. Werte hängen leider zunehmend von kommunizierbaren inhalten, also den Kommunikationsträgern ab (nicht von der bilanz, die eine ungeschulte Teilzeitkraft im Detail eintippt), da Kreditderivate den Kontakt zwischen Schuldnern und Risikoträgern verunmöglichen resultiert zwangsweise Unsicherheit. Man kann nun das Produkt Volatilität eines Kreditderivats verkaufen, oder die technischen Möglichkeiten anpassen, sodass der inhaber eines Wertes im Portfolio elektronisch abstimmen kann, wenn man schon nicht auf Kriege verzichten möchte (was sinnvoller wäre). Eine Lösung innerhalb des Finanzsystem ist nicht möglich und würde dem Zweck des Systems entgegenstehen. Wenn eine bank explodiert kauft kein Mensch Aktien von Sicherheitsunternehmen. Kein mensch trifft Handelsentscheidungen nach VAR Zahlen, die sich sekündlich ändern. Sie sollten sich nicht täuschen lassen und verstehen, daß Derivate den Zweck des Risikotransfers erfüllen.
Derivate sind nicht Schuld an der Finanzkrise. im Gegenteil. Schuld sind Überregulierung der Finanzmärkte sowie der Kreditvergabe der banken und verfehlte Planwirtschaft in der Geldpolitik.





6 Kommentare
Alle Kommentare lesen