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Geldanlage auf griechisch: Spekulationen auf einen Schuldenschnitt lohnen nicht

Anlageprodukte mit griechischen Anleihen als Basiswert haben drastisch an Wert verloren. Könnte es sich für risikofreudige Anleger lohnen, auf eine Umschuldung Griechenlands zu setzen? Experten raten ab.

An den Märkten wird die Diskussion über eine Restrukturierung der griechischen Staatsschulden geführt – auch wenn die Europäische Zentralbank oder der Internationale Währungsfonds (IWF) zu dem Thema offiziell nichts sagen. Die Versicherungsprämien für eine Kreditausfall des Landes (CDS, Credit Default Swaps) sind auf neue Rekordwerte gestiegen.

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Auch die Zinsen für griechische Staatsanleihen klettern kontinuierlich weiter nach oben. Zu Beginn der Woche rentierten zehnjährige Staatsbonds mit gut 15,7 Prozent. Für zweijährige Anleihen liegt die Rendite bereits deutlich über 25 Prozent. Trotz der Milliardenhilfen der Europäischen Union glaubt kaum noch ein Experte, dass Griechenland seine Schulden bedienen komplett wird.
Rote Zahlen höher als erwartet

Auch die neuesten Nachrichten aus Griechenland dürfte den Finanzmärkten keinen Grund zum Optimismus geben: Der Schuldenstaat steckt tiefer in den roten Zahlen als angenommen. Das Haushaltsdefizit lag 2010 bei 10,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am vergangenen Dienstag mitteilte. Damit verfehlte das südosteuropäische Land sein Sparziel von acht Prozent. Zuletzt hatten die EU und der IWF mit einem Fehlbetrag von 9,6 Prozent gerechnet. Im Jahr 2009 lag das griechische Haushaltsdefizit allerdings noch bei 15,4 Prozent.

Griechische Euro-Münze. Quelle: dpa
Griechische Euro-Münze. Quelle: dpa

Da griechische Anleihen auch in einigen Zertifikaten, sogenannten Credit Linked Notes (CLN) stecken, mussten auch diese Produkte starke Kursrückschläge hinnehmen. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte beispielsweise verschiedene CLNs aufgelegt, die auf einem Korb europäischer Staatsanleihen basieren. Anleger erhalten hierbei in der Regel etwas höhere Zinsen als bei der Direktanlage in die jeweiligen Staatsanleihen, tragen dafür aber ein höheres Ausfallrisiko. Sollte einer der Referenzschuldner in dem Korb ausfallen, wird zum Laufzeitende der Bonitätsanleihe nicht der Nennwert in Höhe von 100 Prozent zurückgezahlt, sondern die Anleger erhalten vorzeitig Anleihen des ausgefallenen Referenzschuldners – und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sie Griechenland-Bonds geliefert bekommen oder den dann kümmerlichen Restwert.

LBBW stellt keine Briefkurse

Davon betroffen wären die unter dem Namen „Synthia“ laufenden Wertpapier-Kennnummern LBW1D0, LBW6DN, LBW88T und LBW88U. Bei den vier Produkten stellt die Landesbank derzeit Geldkurse zwischen 62 und 65 Euro – verkauft werden die Produkte von der LBBW aber nicht mehr. Ähnliche hohe Verluste gab es auch bei den beiden „Emma“-Produkten der DZ-Bank, in denen Griechenland als Referenzschuldner vertreten ist (WKN: DZ6Z7E und DZ8JL5). Zumindest für DZ6Z7E stellt die DZ Bank einen Briefkurs um die 74 Euro.

Kann es sich für spekulativ eingestellte Anleger lohnen, mit dem Kauf einer Bonitätsanleihe auf einen Schuldenschnitt zu spekulieren, der eventuell geringer als erwartet ausfällt und somit Kursgewinne ermöglicht? Dieter Berners, Zertifikateexperte der LBBW, rät davon ab.

Weitere „Hair-Cuts“ denkbar

„Im Falle eines Kreditereignisses würde ein Barausgleich erfolgen, der sich an der preiswertesten Griechenland-Anleihe orientiert, die sich zu dem Zeitpunkt auf dem Markt befindet“, sagt Berners. Dies wäre wahrscheinlich eine langlaufende Anleihe, die allerdings aktuell unter dem Wert der jeweiligen Synthia-Produkte notiert. So können 30-jährige griechische Staatsanleihen derzeit zwischen 51 und 53 Prozent des ursprünglichen Nennwertes gekauft werden. „Der Preisunterschied zur unseren Synthia-Produkten ist dadurch begründet, dass wenn bereits bis Ende 2013 beziehungsweise 2014 kein Kreditereignis eintritt, unsere Zertifikate zu 100 plus Verzinsung zurückgezahlt werden“, erläutert Berners. Der Zertifikateexperte gibt Spekulanten auf einen Schuldenschnitt, der geringer als erwartet ausfällt, zu bedenken: Der erste sogenannte „Hair-Cut“ muss nicht der letzte sein, weitere könnten folgen. Mit nicht abzuschätzenden Folgen für den Kurswert von griechischen Anleihen – und der Credit Linked Notes.

Wie eine Umschuldung Griechenlands aussehen könnte

  • Haircut

    Die griechische Regierung erklärt sich für zahlungsunfähig und handelt mit ihren Gläubigern einen Forderungsverzicht (Haircut) aus. Für die Geldgeber kann das sehr teuer werden: Bei den vom Internationalen Währungsfonds (IWF) untersuchten Staatspleiten zwischen 1998 und 2005 musste sie zwischen 13 Prozent (Uruguay) und 73 Prozent (Argentinien) ihres Investments abschreiben. Griechenland könnte seine Schuldenlast von mehr als 340 Milliarden Euro auf diese Weise zwar mit einem Schlag deutlich reduzieren, würde aber seine Kreditwürdigkeit am Finanzmarkt auf Jahre verspielen und sich den Zugang zu frischem Geld verbauen. Auch andere Sorgenkinder wie Irland und Portugal würden dann noch größere Probleme haben, sich neues Geld am Markt zu leihen. Ein weiteres Problem: Die Gläubiger sind vor allem Banken aus Griechenland und anderen Euro-Ländern, denen milliardenschwere Verluste drohten, was wiederum eine neue Finanzkrise auslösen könnte.

  • "Sanfte Umschuldung"

    Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Euro - verbunden womöglich mit einer erneuten Senkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss.Eurogruppen-Chef Juncker will auch die privaten Gläubiger mit ins Boot holen. Dem Krisenland soll so mehr Zeit eingeräumt werden, seine Schulden zurückzuzahlen und sein Sparprogramm umzusetzen. „Reprofiling“ nennt Jucker das. Ob private Gläubiger dazu gebracht werden sollen, Griechenland eine Atempause zu gewähren und dabei auf Geld zu verzichten, ist offen. Die Commerzbank rechnet nur dann mit einem Erfolg, wenn den Anlegern dafür Rückzahlungsgarantien ausgestellt werden. Das Problem: Die über Jahre angehäuften Staatsschulden müssten auf einen Schlag mit Garantien unterlegt werden - für die am Ende die Steuerzahler in anderen Ländern haften müssen.

  • Brady-Bonds

    Diese Lösung hat in den achtziger Jahren Schule gemacht. Der damalige US-Finanzminister Nicholas Brady handelte einen nach ihm benannten Plan aus, der etliche lateinamerikanische Staaten vor der Pleite rettete. Übertragen auf Griechenland würde er wie folgt funktionieren: Banken und andere private Gläubiger tauschen die riskanten griechischen Staatsanleihen zum Marktpreis gegen Papiere ein, die von der Euro-Zone mit einer Garantie versehen werden. Die Gläubiger müssten damit auf einen Teil ihrer Ansprüche verzichten, denn am Markt werden die griechischen Bonds wegen des hohen Ausfallrisikos derzeit mit großen Abschlägen zum Ausgabepreis gehandelt - bei zehnjährigen Bonds sind es fast 40 Prozent. Der Vorteil: Die neuen Papiere sind gesichert, die Gläubiger haben damit Planungssicherheit. Griechenland würde auf diese Weise seine Schuldenlast drücken.

  • Längere Laufzeiten

    Eine mildere Form der Umschuldung wäre eine längere Laufzeit der vom IWF und der Europäischen Union gewährten Kredite von 110 Milliarden Dollar - verbunden womöglich mit einer erneuten Absenkung des Zinssatzes, den Griechenland für die Hilfen zahlen muss. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ hält der IWF die Schuldenlast für Griechenland intern für untragbar und soll daher eine Laufzeitverlängerung der Finanzhilfen auf bis zu 30 Jahre erwägen. Der IWF dementierte dies allerdings.

  • Pariser Club

    Die Experten der Großbank UniCredit halten auf mittlere Sicht Verhandlungen zwischen Griechenland und dem Pariser Club für wahrscheinlich. Ihr Argument: Durch bilaterale Kredite und den Ankauf griechischer Anleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird der Anteil der öffentlichen Gläubiger an den Verbindlichkeiten Griechenlands auf mindestens 40 Prozent steigen. Im Pariser Club haben sich 1956 die wichtigsten Gläubigerstaaten zusammengeschlossen und seither 421 Umschuldungsabkommen mit 88 Staaten - von Afghanistan bis Vietnam - im Wert von 553 Milliarden Dollar getroffen. Von 1985 und 1993 stand dem Pariser Club ein Mann vor, der auch in der Schuldenkrise eine zentrale Rolle spielt: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

  • 02.05.2011, 17:00 UhrDummschule.Deutschland

    Nein, das lohnt nicht!
    wer hätte auch jemals glauben können, daß die Amerikaner an ihrem sogenannten Weltleitgeld rütteln lassen. Schließlich ist dieser nicht Goldunterlegt, sondern Flugzeugträger unterstützt.

    Die Europäer hatten nicht den hauch einer Chance gehabt. Da braucht es schon arbeitsamerer Induviduen.

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