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Siemens-Aktie: Wetten auf den Ausbruch

Trotz schlechter Unternehmensnachrichten könnte die Siemens-Aktie kurzfristig durchstarten. Das signalisiert zumindest der Chart. Mit welchen Produkten Anleger von einer kurzfristigen Aufwärtsbewegung profitieren.

Der Schriftzug des Technologiekonzerns Siemens Quelle: dpa
Der Schriftzug des Technologiekonzerns Siemens Quelle: dpa

DüsseldorfFast schien es, als ob Deutschland unverwundbar wäre, ein Bollwerk, seltsam entkoppelt vom Rest der Welt. Während in Europa ein Staat nach dem anderen in die Rezession rutschte, trotzten deutsche Konzerne dem Abschwung, auch weil sie ihre Erträge fernab der Krisenländer erwirtschaften. Doch mit dieser Herrlichkeit ist es vorbei.

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Das gilt auch für den nach Börsenwert größten deutschen Konzern Siemens, wie Finanzvorstand Joe Kaeser vor einigen Tagen bekannt gab. Schon vor einigen Wochen wurde der Siemens-Chart „beschädigt“. „Im April verließ der Aktienkurs den seit September vergangenen Jahres gültigen Aufwärtstrend“, sagt Chartexperte Hans-Dieter Schulz. Fast zeitgleich wurde die 200-Tage-Durchschnittslinie von oben nach unten durchstoßen.

Die Folge: Der Aktienkurs ist erst einmal in eine Abwärtsbewegung übergegangen, die bei etwa 64 Euro endete. „An dieser Marke prallte der Kurs nach oben ab“, sagt Schulz und sieht nun Potenzial bis zur oberen Begrenzung zwischen 78 und 80 Euro. An dieser Widerstandszone war der Aktienkurs in den vergangenen Monaten häufig hängen geblieben.

Wer jetzt – unabhängig von den Unternehmensnachrichten – auf eine kurzfristige Aufwärtsbewegung setzt, kann Kursbewegungen mit Faktorzertifikaten, zum Beispiel von der Commerzbank (WKN CZ24QB und CZ24MP ) mit einem Hebel in höhere Gewinne ummünzen. Der Effekt gilt aber auch für Kursverluste, die dann stärker als bei der Siemens-Aktie ausfallen. Beide Papiere haben einen Faktor von drei, dafür werden jährliche Managementgebühren in Höhe von 0,7 Prozent fällig.

Ohne Hebel kommt ein entsprechendes Bonuszertifikat (WKN CK9AC5) aus. Anleger erhalten mindestens 73 Euro, wenn die Aktie bis zur Fälligkeit im Februar nächsten Jahres niemals die Schwelle von 52 Euro berührt oder unterschreitet. Daraus ergibt sich eine jährliche Mindestrendite von 8,85 Prozent. Der Gewinn ist aber nicht begrenzt.

Zertifikate-Typen

  • Was sind Bonuszertifikate?

    Bonuszertifikate bieten einen Risikopuffer gegen Kursverluste bis zu einer bestimmten Kursschwelle, gleichzeitig Gewinnchancen in seitwärts tendierenden Märkten und unbegrenzte Gewinnchancen in steigenden Märkten.

  • Wie funktionieren Bonuspapiere?

    Die Papiere bestehen aus drei Komponenten: Erstens die Chance, an der positiven Entwicklung eines Basiswertes zu verdienen – ein Index oder eine einzelne Aktie; zweitens am Laufzeitende ein Bonus, der bei Auflage des Zertifikats festgelegt, aber nur dann gezahlt wird, wenn drittens eine deutlich unter dem Startwert des jeweiligen  Basiswertes liegende Kursbarriere, die sogenannte Knock-in-Schwelle, während der gesamten Laufzeit nie berührt oder unterschritten wurde. Bis zur Knock-in-Schwelle hat der Anleger also einen Risikopuffer.

  • Kann der Bonus verloren gehen?

    Ja. Wird die Knock-in-Schwelle während der Laufzeit unterschritten oder auch nur berührt, wandelt sich das Produkt in ein klassisches Index- oder Partizipations-Zertifikat. Der Bonus geht verloren.

  • Wie funktionieren Discountzertifikate?

    Im Vergleich zum Kauf einer Aktie oder eines Index bezahlen Anleger bei einem Discountzertifikat durch den Abschlag (Discount) einen günstigeren Preis. Notiert der Kurs des Basiswertes am Ausübungstag auf oder oberhalb des festgelegten Höchstbetrags (Caps) des Discountzertifikates, wird der maximal mögliche Auszahlungsbetrag erzielt. Steigt der Kurs des Basiswertes darüber hinaus, nehmen Anleger an dieser Kursentwicklung nicht mehr teil.

  • Wann profitieren Discounter?

    Das Sicherheitspolster in Form des Discounts kommt insbesondere bei Seitwärtsbewegungen oder leicht fallenden Kursen des Basiswertes zum Tragen. Erst wenn der Kurs des Basiswertes unter den individuellen Kaufpreis des Discountzertifikates fällt, tritt ein teilweiser Kapitalverlust ein. Dafür sind die Gewinnchancen begrenzt – der Preis des Sicherheitspolsters. Ein Verlust ist bei einem Discounter immer geringer als bei dem zugehörigen Basiswert.

  • Wie funktionieren Indexzertifikate?

    Index- oder Partizipationszertifikate bilden einen Index eins zu eins ab. Somit ist die Performance des Zertifikats stets identisch mit der  Wertentwicklung des zugrunde gelegten Basiswertes. Manche Indexzertifikate haben eine begrenzte Laufzeit, viele laufen jedoch endlos. Die Papiere werden häufig mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 emittiert, so dass ein Zertifikat jeweils ein Prozent des jeweiligen Index abbildet.

  • Welchen Vorteil haben Indexzertifikate?

    Sie bieten gegenüber dem Kauf von Einzelaktien den Vorteil der Diversifikation über verschiedene Aktien. Außerdem sind diese Zertifikate eine kostengünstige Alternative zum klassischen Fondsinvestment.

  • Was sind Hebelzertifikate?

    Hebelzertifikate sind häufig hochspekulativ, der Kapitaleinsatz ist gering, die Gewinnchance überproportional. Der Hebel gibt an, in welchem Verhältnis das Papier die Kursbewegung des Basiswertes nachvollzieht. Dax-Papiere gibt es bis zu einem Hebel von 200. So wird aus einem Kursplus von fünf Prozent beim Basiswert ein Plus von 1000 Prozent beim Zertifikat.

  • Können Hebelpapiere wertlos verfallen?

    Ja. Fällt das Papier unter ein  festgeschriebenes Niveau, das sogenannte Knock-out-Niveau, wird es wertlos. Hebelzertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Endlos-Papiere. Spekulieren können Anleger auf steigende (long) und fallende (short) Kurse.

  • Welche Vorteile haben kapitalgarantierte Zertifikate?

    Kapitalgarantierte Zertifikate bieten einen Kapitalschutz oder eine Teilgarantie auf das zum Emissionszeitpunkt eingezahlte Kapital – wenn das Papier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Zudem kann der Investor von einer positiven Kursentwicklung des Basiswertes, etwa einer Aktie, profitieren. Der Kapitalschutzbetrag sowie die Partizipationsquote werden direkt bei der Emission vom Emittenten festgelegt.

  • Wie hoch ist der Kapitalschutz?

    Der Kapitalschutzbetrag kann bis zu 100 Prozent betragen. Entwickelt sich  das Zertifikat negativ, weil die Aktie zum Laufzeitende unterhalb des (garantieren) Basispreises notiert, erhält der Anleger mindestens diesen Betrag ausbezahlt. Die sogenante Partizipationsquote ist am Laufzeitende mitentscheidend für die Auszahlung an den Anleger. Notiert der Basiswert über dem Basispreis, erhält der Anleger den Nennwert zuzüglich der Differenz zwischen dem Schlusskurs des Basiswertes und dem Basispreis, multipliziert mit der Partizipationsquote zurück.

  • Was sind Aktien- und Indexanleihen?

    Aktien- und Indexanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die mit einem hohen, oft zweistelligen Coupon ausgestattet sind. Ihre Preisentwicklung ist an den Kursverlauf eines der Anleihe zugrunde liegenden Basiswertes, einer Aktie oder eines Index, gebunden. Die bei Emission einer solchen Anleihe fixierten Rahmenbedingungen enthalten den Basiswert, den zugehörigen Basispreis, die Laufzeit, die Höhe des Zinscoupons und den Nennwert.

  • Wie werden die Papiere zurückgezahlt?

    Liegt der Kurs der Aktie am Stichtag unter dem festgelegten Basispreis, erhält der Anleger kein Bargeld, sondern eine bestimmte Anzahl von Aktien. Die Tilgung von Indexanleihen erfolgt durch Lieferung von Indexzertifikaten, Fondsanteilen oder durch die Zahlung des aktuellen Indexstands in Geld. Obwohl sie „Anleihen“ genannt werden, sind die Produkte Zertifikate.

  • Wann punkten Expresszertifikate?

    Expresszertifikate sind Produkte mit begrenzter Laufzeit, mit denen sich in seitwärts tendierenden oder leicht steigenden Märkten Geld verdienen lässt. Sie beziehen sich auf einen Basiswert – eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index. Obwohl sie mitunter Laufzeiten von mehreren Jahren haben, bieten sie die Chance einer Sonderzahlung, wenn sie bereits deutlich vor ihrem Laufzeitende fällig werden, etwa wenn der Basiswert am Ende einer Betrachtungsperiode, nach drei Monaten oder einem Jahr, gleich oder höher notiert ist als an ihrem Anfang. Der Anleger erhält dann den Emissionswert des Zertifikats zuzüglich dieser Sonderzahlung. Er erzielt eine vor Emission festgelegte Rendite, die höher sein kann als die Kurssteigerung der Aktie oder des Index.

  • Was passiert bei stark steigenden Kursen?

    Bei stark steigenden Kursen verdient er allerdings weniger als mit dem Basiswert. Zwischen den Beobachtungstagen darf das Papier in die Verlustzone geraten, wichtig ist nur, dass an einem der Beobachtungstage das Startniveau erreicht wird. Nach unten besteht volles Verlustrisiko, falls das Produkt keine Sicherheitsschwelle hat. Aber auch wenn Expresszertifikate einen Risikopuffer haben, können sie genauso viel verlieren wie eine Aktie oder ein Index. Das passiert, wenn der Kurs des Expresszertifikats am Fälligkeitstag auf oder unter der Untergrenze liegt.

Hans-Dieter Schulz warnt allerdings: „Sollte die Erholung jedoch wieder rasch enden und die Kurse unter 63 Euro fallen, wäre dies ein neues Verkaufssignal.“ Dann sieht er die nächst tiefere Unterstützung bei 55 Euro – diese ergibt sich aus dem Kursverlauf des Jahres 2009.

 

Hans-Dieter Schulzist Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts und wurde durch seine regelmäßigen Analysen in der TV-Sendung „Die Telebörse“ bekannt. Sein Team durchleuchtet auf der Internetseite www.chartbuero.de jede Woche kostenlos alle wichtigen Indizes und Rohstoffe unter technischen Gesichtspunkten.

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