
HB DÜSSELDORF. Um fünf bis 15 Prozent könnte der Markt für Zertifikate in den kommenden fünf Jahren wachsen. Das glaubt zumindest fast jeder zweite Befragte des Trendbarometers Zertifikate 2010, einer repräsentativen Befragung der Steinbeis Hochschule Berlin im Auftrag der DZ Bank unter rund 200 Vermögensverwaltern, Bankberatern und Wertpapierspezialisten.
Behalten die Vermögensverwalter Recht, würde sich der negative Trend am Zertifikatemarkt, der in der Finanzkrise empfindlich eingebrochen ist, umkehren. Obwohl der Depotanteil der Zertifikate in den vergangenen Jahren stabil geblieben ist, sind die durchschnittlich angelegten Beträge im selben Zeitraum kontinuierlich zurückgegangen. Legten die Kunden im Jahr 2007 noch 17.269 Euro im Schnitt an, ordern sie aktuell nur noch für 14.474 Euro.
Zugreifen dürften die Anleger vor allem bei drei Themen: Die überwiegende Mehrheit der Befragten (82 Prozent) sieht Rohstoffanlagen als wichtiges Zukunftsthema, gefolgt von Emerging Markets (77 Prozent) und Erneuerbaren Energien (76 Prozent). Nur jeder Fünfte stuft dagegen Währungen als Trendthema ein. Energie- und Agrarrohstoffe werden nach Meinung der Vermögensverwalter als Basiswerte für Zertifikate eine höhere Relevanz haben als Edelmetalle.
Im Aufwind sind, glaubt man den Befragten, auch nachhaltige Investments: 70 Prozent der Studienteilnehmer, und damit ein Drittel mehr als im Vorjahr, sind der Meinung, dass das Investmentthema Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung gewinnen wird. Der Anteil nachhaltiger Produkte soll in drei Jahren von derzeit vier auf zehn Prozent steigen. "Wir sehen hier einen nachhaltigen Anlagetrend, auch wenn viele Anleger in ihrer Anlageentscheidung noch zögern", sagt Peter Schirmbeck, Leiter Privatkundengeschäft der DZ Bank. "Emittenten stehen derzeit der Herausforderung gegenüber, Nachfrage und Anlegerbedürfnisse im richtigen Produktangebot zu vereinen."
Bemerkenswert: In der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Privatanleger nicht von den teilweise komplizierten Produkten abgewendet. Der aktuelle Zertifikateanteil an den betreuten Portfolios liegt auf dem Niveau von 2007. "Zertifikate haben sich als feste Größe in den Depots der Anleger etabliert", sagt Jens Kleine, Professor an der Steinbeis-Hochschule, mit Blick auf die Ergebnisse. Die befragten Experten rechnen damit, dass der Anteil passiver Investments in den Depots der Privatanleger weiter zulegt - der Anteil aktiver Anlagen schmilzt.
Während den befragten Experten zufolge der Anteil an Zertifikaten in den Depots von derzeit zehn auf elf Prozent im Jahr 2013 steigen und der Anteil an passiven Investmentfonds von zehn auf zwölf Prozent zulegen soll, dürften aktiv gemanagte Fonds (28 Prozent), Aktien (15 Prozent) und geschlossene Fonds (fünf Prozent) auf ihrem heutigen Niveau verharren. Abnehmen wird der Anteil von Anleihen - und zwar um vier Prozentpunkte auf 28 Prozent, prognostizieren die Experten.
Auch bei den einzelnen Produktkategorien gibt es Sieger und Verlierer. Eine steigende Nachfrage erwartet ein Großteil (61 Prozent) der Vermögensverwalter und Bankberater für Garantiezertifikate, die bereits jetzt den größten Anteil am Zertifikatemarkt haben. Auch für Indexzertifikate (54 Prozent), Aktienanleihen (48 Prozent) und Expresszertifikate (39 Prozent) sind die Experten positiv gestimmt. Vor allem Expresszertifikate haben im Vergleich zum Vorjahr aufgeholt.
Discountzertifikate dürften hingegen in der Gunst der Anleger sinken. Nur etwa jeder dritte Befragte sagt für diese Gattung steigende Absätze voraus, vor drei Jahren waren es noch knapp 70 Prozent. Auch das Absatzpotenzial von Hebelzertifikaten wird seit 2007 kontinuierlich negativer eingeschätzt. Besonders deutlich ist der Stimmungsumschwung bei Bonuszertifikaten: Gingen 2007 noch 81 Prozent der Experten von steigenden Absätzen aus, sind es in der aktuellen Umfrage gerade noch 29 Prozent.





